Zahnimplantate aus Titan oder Keramik

Zahnimplantate aus Titan, seit 40 Jahren in Verwendung. Zahnimplantate aus Keramik gewinnen an Beliebtheit. (Foto: colourbox)
Seit mehreren Jahren ist zu verzeichnen, dass Zahnimplantate aus Zirkonoxid im Vergleich zu Implantaten aus Titan, immer beliebter werden. Die Hersteller werben dabei mit einer besseren Ästhetik und einer besseren, so genannten Biokompatibilität. Das Keramik-Implantat ist ja nichts Neues. Schon lange werden die Implantate aus Aluminiumoxidkeramik eingesetzt. Allerdings haben bei diesem Material Langzeitbeobachtungen bestätigt, dass es zu einer hohen Frakturrate bis hin zu Implantatverlusten gekommen ist, was sich geradezu rufschädigend auf den Begriff "Keramik-Implantat" ausgewirkt hat.

Dazu sollte man aber auch wissen, dass gerade Aluminiumoxid eigentlich ein sehr sprödes Material ist. Die Osseointegration, das ist der Verbund zwischen dem lebenden Knochengewebe und der Oberfläche des Knochenimplantats, ist bei Aluminiumoxid wegen der geringeren Rautiefe viel schlechter als bei den moderneren Zirkonimplantatsystemen.

Begriffsklärung

Zirkon ist ein Mineral, das zur Mineralklasse der Silikate und Germanate gehört. Es handelt sich um ein sehr hartes, tetragonales Kristall mit der chemischen Zusammensetzung ZrSiO4. Zirkon sollte man bitte nicht verwechseln mit dem synthetischen, ebenfalls sehr harten Zirkonia bzw. Zirconiumdioxid (ZrO2).

Zirkonium ist ein Metall in der 5. Hauptgruppe des Periodensystems mit den Atommassen 89 bis 96. Unter diesen Isotopen sind einige instabil, also radioaktiv. Zirkonium(di)oxid ist somit ein Metalloxid, was auch als Metalloxidkeramik bezeichnet wird, weil das Oxid keine typisch metallische Eigenschaft mehr hat. Dieses Material hat dagegen eine Polygonstruktur, die möglicherweise ursächlich ist für seine besondere Pseudoelastizität bei gleichzeitig sehr hoher Festigkeit. Aus diesen Gründen eignet sich das Material grundsätzlich auch als Implantat. Allerdings erreichen diese Zirkoniumimplantate hinsichtlich der Rauigkeit noch nicht die Werte von Titanimplantaten.

Zirkonium und Titan im Vergleich

Titan befindet sich in der gleichen Hauptgruppe wie Zirkonium, das bedeutet, dass beide Atome aufgrund ihrer äußeren Elektronenschale sehr ähnliche chemische Eigenschaften haben, allein Titan ist als Atom deutlich kleiner als Zirkonium. Ein bedeutender Unterschied bei den Implantaten ist die Tatsache, dass diejenigen aus Titan aus einem Stück gefertigt werden können, sogenannte Abutments sind hier nicht notwendig. [Das "Abutment" ist ein Stützpfeiler, das Verbindungsteil zwischen dem Zahnimplantat und der sichtbaren Zahnkrone.] Die mechanische Verbindung von zwei unterschiedlichen Zirkonwerkstücken gestaltet sich gerade bei Belastung heute noch etwas schwierig.

Einteilige Systeme aus Zirkoniumdioxid erfordern besonders anfangs in der Einheilphase eine besondere Kontrolle mit Blick auf die vertikalen und horizontalen Kaukräfte, eine Sofortbelastung kommt hier also nicht in Frage. So müssen diese Implantate zunächst mit einer so genannten "Tiefziehschiene" geschützt werden. Auf der anderen Seite gibt es bei einteiligen Systemen keine Mikrospalte zwischen Implantat und Abutment. Deren etwas höhere Kosten werden sogar teilweise durch das Wegfallen der Abutments ausgeglichen.

Zirkoniumoxidimplantate sind nach heutigem Ermessen nicht unbedingt besser als Titanimplantate, aber sie sind eine echte und ernst zu nehmende Alternative. Erst in den nächsten Jahren, wenn eine ausreichende Zahl vergleichender Langzeitstudien vorliegt, kann möglicherweise eine eindeutige Aussage über Vor- und Nachteile der Keramik-Implantate getroffen werden. Die Entscheidung, ob ein Zahnimplantat aus Titan oder Keramik besser geeignet ist, sollte jeweils im Gespräch zwischen Zahnarzt – z. B. Dr. Benetatos aus Unterföhring - und Patient besprochen werden.
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