Mehr Personal: Würzburger AWO-Einrichtungen rüsten auf

Sich einfach mal Zeit nehmen: Die zusätzlichen Kolleginnen sind ein echter Gewinn für die AWO-Pflegeeinrichtungen.
„Die Pflege liegt am Boden“ - unter diesem Motto fanden seit dem letzten Jahr in vielen deutschen Städten mehrere Flashmobs statt. Die Teilnehmer, auch aus den AWO-Einrichtungen, legten sich symbolisch für den Zustand der Pflege auf den Boden der örtlichen Marktplätze.

Die Aktion zeitigt einen ersten Erfolg: Seit dem 1. März dürfen bayrische Senioreneinrichtungen mehr Personal einstellen nach dem Stellenschlüssel 1:40 (für 40 Bewohner eine Vollzeitkraft.) Voraussetzung ist, dass der aktuelle Pflegeschlüssel momentan schon voll ausgeschöpft ist.

Für die Häuser der AWO in Heidingsfeld, in der Zellerau und in der Lindleinsmühle bedeutet das konkret jeweils zwei Vollzeitstellen. Für welchen Bereich der Pflege die Stellen gezielt eingesetzt werden, entscheiden die Einrichtungen nach ihrem individuellen Bedarf.

Fürs Wohlfühlen der Bewohner
„Wir haben beschlossen, unsere zusätzlich eingestellten Pflegekräfte hauptsächlich in der pflegerischen Betreuung einzusetzen“, teilt Einrichtungsleiter Jürgen Görgner die Entscheidung des Hans-Sponsel-Hauses in der Frankenstraße mit.

Die neuen Mitarbeiterinnen übernehmen keine rein pflegerischen Aufgaben, sondern sind für das Wohlfühlen der Bewohner zuständig, erklärt Görgner: Wohlfühlbad, Fingernägel lackieren, Haare frisieren oder einfach sich mal Zeit nehmen zum Reden, etwas Vorlesen oder in Ruhe Kleider für den nächsten Tag aussuchen: Solche Tätigkeiten blieben aus Zeitmangel oft auf der Strecke. „Diese personelle Verstärkung bedeutet für die Bewohner ein Plus an Qualität“, so der Heimleiter.

Im Sozialzentrum in Heidingsfeld und im Marie-Juchacz-Haus in der Zellerau sind die neuen Kolleginnen schon im Pflegeteam integriert. „Es ist eine spürbare Entlastung“, freut sich Thomas Zatloukal, Heimleiter in Heidingsfeld. Der Wermutstropfen dabei sei, dass die dadurch entstandenen zusätzlichen Personalkosten den Pflegesatz der Heime erhöhen und damit ausschließlich zu Lasten der Nutzer gehen.

Trotzdem wollen alle Wohlfahrtsverbände in Würzburg diesen Schritt gehen, selbst auf die Gefahr hin, Kunden aufgrund der höheren Kosten zu verlieren. „Wir können nicht öffentlich protestieren und dann, wenn wir die Möglichkeit bekommen, die Pflege zu verbessern, aus Angst vor billigeren Anbietern einen Rückzieher machen“, so Hahn.

Die Bewohner der AWO-Senioreneinrichtungen in Würzburg haben auf die Preiserhöhungen mit Verständnis reagiert, so die AWO. Es gab keine Kündigungen von Pflegeplätzen. „Wir sind froh, dass unsere Senioren und deren Angehörige wissen, dass es qualitative Pflege nicht zum Nulltarif gibt“, zeigt Raimund Binder, Leiter des Marie-Juchacz-Hauses in der Zellerau seine Erleichterung.

Auf Dauer aber, so die AWO-Fachleute, ist die Politik gefragt, dafür zu sorgen, dass weder die Wohlfahrtsverbände, noch die Betroffenen diese Last allein tragen müssen. Die Bezirke tragen bereits für 33.000 leistungsberechtigte Sozialhilfeempfänger in Bayern und damit für fast ein Drittel der Pflegeheimbewohner im Rahmen der stationären Hilfe zur Pflege die anderweitig nicht abgedeckten Heimkosten.

Doch auch die Pflegekassen sind nun gefragt um die zusätzliche finanzielle Belastung für die Betroffenen so niedrig wie möglich zu halten.
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