Dr. Burkhard Tamm: Mehr Geld von der Lebensversicherung

Anfang dieses Monats hat der BGH über das Widerspruchsrecht von Lebensversicherungskunden entschieden.

primaSonntag: Was genau geht aus dem Urteil hervor?
Rechtsanwalt Dr. Burkhard Tamm:
Aus dem Urteil ergibt sich, dass bei Lebens- und Rentenversicherungen, die im Zeitraum 1994 bis 2007 nach dem Policenmodell geschlossen wurden, auch jetzt noch der Widerspruch möglich ist, wenn nicht über das Widerspruchsrecht aufgeklärt wurde. Auch wer bereits gekündigt hat, hat dieses Recht. Die Beweislast für eine korrekte Aufklärung liegt bei der Versicherung.

Erhält man denn alle eingezahlten Beiträge zurück, wenn man jetzt noch widerspricht?
Dr. Burkhard Tamm:
Ganz so ist es leider nicht. Sämtliche Beiträge inklusive Zinsen erhält man nicht zurück, wenngleich das OLG Stuttgart, an das das Verfahren zurückverwiesen wurde, über die genaue Höhe des Anspruchs des dortigen Klägers erst noch entscheiden muss. Dieser wird aber sicherlich deutlich mehr erhalten als nur den Rückkaufswert, den er bereits erhalten hat. Das Urteil betrifft eine Vielzahl von Verträgen, deshalb hatten die Versicherer diese Entscheidung auch schon mit Sorge erwartet und relativieren deren Bedeutung nun. Das Urteil wird übrigens auch die Fälle erfassen, in denen eine Aufklärung zwar stattfand, jedoch unzureichend war.

Was sollten Versicherte jetzt konkret tun?
Dr. Burkhard Tamm:
Wer schon gekündigt hat, sollte prüfen lassen, ob noch ein Widerspruch möglich ist. Aber auch, wer seinen Vertrag noch kündigen will, sollte sich beraten lassen. Keinesfalls aber sollte bei einem laufenden Vertrag vorschnell gekündigt oder der Widerspruch erklärt werden, da dies in manchen Fällen erhebliche Nachteile für den Versicherten hätte. Außerdem empfiehlt sich bei Versicherten, die keine Rechtsschutzversicherung haben, eine besondere Strategie. Wichtig ist übrigens – und das gilt für jedes Rechtsproblem – dass der Versicherte stets als erstes den Anwalt seines Vertrauens kontaktiert und nicht seine Rechtsschutzversicherung. So stellt er sicher, dass er seinen Versicherungsschutz nicht durch die Verletzung von Obliegenheiten gefährdet und er durch einen Anwalt vertreten wird, der für sein jeweiliges Problem auch die nötige Kompetenz besitzt. Durch das kostenfreie erste Gespräch mit dem eigenen Anwalt lassen sich mögliche Nachteile vermeiden.

Kontakt: Dr. Tamm & Degelmann - Fachanwälte in Bürogemeinschaft, Würzburg, Augustinerstraße 6, Tel. (0931) 32 98 72 90, E-Mail drtamm@tamm-law.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.