Würzburger Bahnhofvorplatzes: Erst der Bagger- dann der Planer?

Der Bahnhof mit seinem Vorplatz: Blick aus der Kaiserstraße, im Vordergrund das Kaisergärtchen (Foto: Stadt Würzburg)
Würzburg Mit einem Kostenaufwand von derzeit rund 4,3 Millionen Euro will die Stadt die Pavillons am Hauptbahnhof „durch Neubauten auf Grundlage der bestehenden Planungssituation ersetzen. In Verhandlungen mit der Bahn, heißt es in einer Beschlussvorlage im Hauptausschuss des Stadtrats am kommenden Montag, „wurde deutlich, dass für eine Finanzierung der Pavillons auch Mittel seitens der Bahn eingebracht werden können“. Damit, so freut sich das Rathaus, „wird es für die Stadt Würzburg attraktiv, selbst als Bauherr aufzutreten“.

Insgesamt werde die Verwaltung „die Planung und Realisierung der Pavillons in eigener städtischer Verantwortung weiter betreiben, geeignete Wege einer Finanzierung eruieren und die Gremien alsbald erneut damit befassen. Nach einem entsprechenden Gutachten des Hauptausschusses soll die Vorlage im Stadtrat am kommenden Donnerstagnachmittag beschlossen werden.

Schon am 14. Juli hat der Umwelt- und Planungsausschuss des Stadtrats einen Sachstandsbericht zur „Rahmenplanung Hauptbahnhof“ behandelt. Diese baurechtliche Planung befasst sich im Wesentlichen mit dem gesamten Bahngelände im Würzburger Norden. Das Ergebnis der Beratungen wird auch am kommenden Donnerstag im Stadtrat beraten und soll per Beschluss festgemacht werden.

In dem Rahmenplan sind 20 Punkte aufgelistet, in denen Erfordernisse und Fragen zur Neugestaltung des gesamten Areals aus der Sicht der Stadt festgehalten sind. Auch der Bahnhofvorplatz ist aufgeführt. Nimmt man sein Umfeld bis zum Posthochhaus, westlich des Bahnhofs, den südlichen Teil bis zur Grombühlbrücke und die Kaiserstraße dazu, wird deutlich, welche immense Bedeutung der Bahnhofsvorplatz für die Gesamtentwicklung dieses Tores zur Stadt hat: „Die nachhaltigen funktionalen und gestalterischen Aufwertung des Bahnhofs und seine Umfeldes ist die Herausforderung der kommenden Jahre“, steht in einer Vorlage zur Sitzung des Stadtrates im Sommer 2014.

Das entspricht einer „Rahmenvereinbarung“ vom September 2007 zwischen Bahn und Stadt unter der Regie der damaligen Oberbürgermeisterin Dr. Pia Beckmann über eine „Masterplanung, Entwicklung des Würzburger Hauptbahnhofs und seines städtebaulichen Umfeldes.“ Acht Jahre sind vergangen – passiert ist nichts.

Im Einzelnen ist der Bahnhofsvorplatz tangiert von der Straßenbahn mit der grundlegenden Neuführung und Neugestaltung der Gleisanlagen und Haltestellen bis zum Berliner Platz, der Frage, wohin mit den Fahrradparkplätzen für tausend oder mehr Fahrräder, mit den Taxen, der Frage Neubau eines Zentralen Omnibusparkplatzes westlich des Bahnhofsvorplatzes mit allen den begleitenden Baumaßnamen wie etwa Barrierefreiheit, Wetterschutz oder Sicherheit: Insgesamt ein riesiges Projekt. Und dann natürlich die Pavillons.

Die Frage, die sich an die obige Aufzählung anschließt, ist notwendigerweise: Welchen Stellenwert nehmen die Pavillons in diesem Riesenprojekt ein? Was in der Würzburger Stadtrats- und Rathauspolitik derzeit abläuft ist doch: Ohne Planung der grundlegenden Maßnahmen zur Entwicklung eines modernen Bahnhofes wird mit dem Unwichtigsten, vielleicht gar Überflüssigen, mit den Pavillons, begonnen. Sie tragen zur Funktionalität des Bahnhofvorplatzes als Verkehrsumschlagplatz nichts bei, stört eher seine irgendwann folgende Entwicklung. Dabei wird offensichtlich auch vergessen, dass der vorhandene Platz nicht vergrößerbar ist.

Es bringt den Betrachter dazu, an den Bauherrn zu denken, der die Bagger schon mal arbeiten lässt und dann zum planenden Architekten geht. Also: warum sollen nun für Pavillons Millionen aus dem Stadtsäckel zur Verfügung gestellt werden? Vielleicht um zu verschleiern, dass die Stadt im Hinblick auf die Landesgartenschau für ihre Besucher bis heute nichts auf die Beine gebracht hat - weder die Linie sechs noch einen wenigstens freundlich gestalteten – aber nicht verbauten - Bahnhofsvorplatz? (ser)
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