Würzburg würdigt Wolfgang Lenz mit einem Ehrenabend und einer Straßenbenennung

Der neu benannte „Wolfgang-Lenz-Weg“ verläuft von dem ehemaligen Wohnhaus von Wolfgang Lenz im Winterleitenweg in Richtung Gut zur Neuen Welt, der Künstlerkolonie rund um Gertraud von Rostosky zu Anfang des 20. Jahrhunderts. V.l.: Bürgermeister Dr. Adolf Bauer, Witwe Hella Lenz, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, Tochter Barbara Lenz. (Foto: Penning-Lother)
Der „Würzburger Totentanz“ mit den Gesichtern des Todes, die mahnend auf der Alten Mainbrücke vor den Ruinen der Altstadt Würzburgs geistern, ist sicher das beeindruckendste Werk des Künstlers Wolfgang Lenz. Der grausame Anblick seiner am 16. März 1945 zerstörten Heimatstadt, wie er sie als 20-jähriger Kriegsheimkehrer gesehen hatte, ließ Lenz nie mehr los. Seine Darstellung dieser traumatischen Erfahrung zieht heute noch den Betrachter in den Bann.

Wolfgang Lenz verstarb am 1. Januar 2014. Die Stadt Würzburg hat den Künstler nun mit der Benennung des „Wolfgang-Lenz-Weges“ und einem Abend im Ratssaal des Rathauses geehrt - an einem Ort, der wohl kaum würdiger sein konnte. Wolfgang Lenz malte eben diesen Ratssaal im Auftrag des Stadtrates in den Jahren 1984 bis 1987 mit großflächigen Wandgemälden aus.

Künstlerische Großtat im Spiegelzimmer
Lenz war weit über die Grenzen Würzburgs hinaus bekannt, seine Kunst ist der „pittura metafisica“ und dem Phantastischen Realismus sehr nahe. Bürgermeister Dr. Adolf Bauer, der sowohl die Straßenbenennung als auch den Ehrenabend für Lenz angeregt hatte, bezeichnete die Wiederherstellung der Wandmalereien im „Grünlackierten Zimmer“ der Residenz von 1974 als „künstlerische Großtat“ und würdigte besonders die Rekonstruktion der Hinterglasmalereien im Spiegelkabinett bis 1986 durch Lenz.

Neben großen öffentlichen Aufträgen, Wand- und Hinterglasmalereien schuf Lenz Ölgemälde, Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen und Bühnenbilde. „Mit technischer Perfektion und akribischer Genauigkeit schuf er eine faszinierende Scheinwirklichkeit, indem er die Eingebungen seiner regen Phantasie mit einer bis ins kleinste Detail exakten Naturanschauung verband. Seine Bilder sind bis ins letzte ausgearbeitet, nichts erweckt den Eindruck des Zufälligen oder Halbfertigen“, so der Bürgermeister.

„Sein Werk wird nicht in Vergessenheit geraten“
„Den“ Geschichtsmaler seiner Heimatstadt würdigte Professor Stefan Kummer in seinem Gedenkvortrag „Wolfgang Lenz – sein Lebenswerk.“ Professor Kummer hatte von 1987 bis 2013 den Lehrstuhl für mittlere und neuere Kunstgeschichte an der Julius-Maximilians-Universität inne. Zudem ist er eng mit der Familie des Malers befreundet. Kummer resümierte, Lenz lasse sich nicht in eine Schublade stecken, doch mit der Neuschöpfung des Spiegelkabinetts in der Residenz und mit der Ausmalung des Ratssaales habe er sich so tief in das Gedächtnis der Nachwelt eingegraben, „dass sein Lebenswerk nicht in Vergessenheit geraten wird.“

Neben Witwe Hella Lenz, Tochter Barbara, zahlreichen Freunden und Stadtratsmitgliedern erwiesen dem Maler auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Armin Grein als Vertreter des Bezirkstagspräsidenten, der ehemalige Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Walter Eykmann, die Landtagsmitglieder Volkmar Halbleib, Oliver Jörg und Georg Rosenthal noch einmal die Ehre im Würzburger Ratssaal.

Lebensweg eines herausragenden Künstlers
Wolfgang Lenz wurde am 17. März 1925 in Würzburg geboren. Nach dem Kriegsdienst absolvierte er eine Ausbildung als Maler bei Heiner Dikreiter, studierte bis 1958 an der Akademie der Bildenden Künste in München und kehrte nach einem Jahr in Rom nach Würzburg zurück. Wolfgang Lenz erhielt für sein herausragendes künstlerisches Wirken zahlreiche hohe Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, den Bayerischen Verdienstorden, den Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung und die Medaille Pro Meritis des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.