Wohin bloß mit dem zentralen Busbahnhof?

Im Visier: Die Stadt möchte Parkplätze und mindestens ein Teil des Zentralen Omnibusbahnhofes auf dem nördlich der Gleise, unterhalb der Nordtangente, liegenden Gelände der Bahn entwickeln. (Foto: Stadt Würzburg)
Würzburg Ein Gespenst hat sich dieser Tage wieder in die Würzburger Kommunalpolitik geschwungen: Es geht der Stadt darum, einen Einstieg zu finden in die Nutzung des nördlich Teils des Bahngeländes zwischen den dortigen Gleisen und der Nordtangente, rund 70.000 Quadratmeter. Die Stadt denkt dabei in erster Linie daran, Fläche zu bekommen, auf der sie ihr Verkehrsproblem rund um den Bahnhof hofft lösen zu können: ein Zentraler Busbahnhof, ausreichend Fläche zum Parken. In diesem Zusammenhang müsste eine bis zu ca. 170 Meter lange Personenunterführung an den Tunnel angehängt werden, der derzeit im Zuge der Sanierung des Bahnhofes, 80 Meter lang, gebaut wird, extrem teuer. Dieser verbindet die Bahnhofshalle mit den Gleisen für den Personenverkehr.

Alte Lokschuppen und Ruinen
Etwa vor sieben bis acht Jahren, im Zusammenhang mit dem damals geplanten Bau der Würzburger Arkaden am Bahnhof, kam diese Idee auf. Das Gelände im Norden, gleich versehen mit einem Namen, „Nördliche Entwicklungsfläche“, gleicht heute einem Konglomerat aus Brachfläche, abgerissene und einsturzgefährdete Bauten, aber auch Häuser, die von der Bahn noch genutzt werden oder auch das Stellwerk. Die nördliche Grenze ist unmittelbar die Nordtangente, die südliche Grenze der Entwicklungsfläche sind Gleisanlagen, die dem Rangieren von Zügen dienen und zudem den Güterverkehr um den Bereich Personenverkehr herumleiten.

Bundesbahn: Können "nur schwer auf Flächen verzichten"
Die Bundesbahn könne „nur schwer auf Flächen verzichten. Man brauche eher noch mehr, als vorhanden. Definitiv sei die Fläche von einem der Ringlokschuppen entbehrlich, die wiederum mitten in der bahneigenen „Entwicklungsfläche“ liegt und somit für die Stadt u. a. nicht erreichbar ist. Dies ergab damals eine sogenannte „Prüfung der Entbehrlichkeit von Flächen“, in diesem Fall eine interne Veranstaltung der Bahn 2008, im August. Schon damals meinte der amtierende Oberbürgermeister Georg Rosenthal zur Entzerrung der Verkehrsströme müsse ein Teil des Zentralen Omnibusbahnhofs unmittelbar irgendwie neben der Bahnhofshalle entwickelt werden, ein weiterer Teil auf der „Entwicklungsfläche“.

"Rahmenvereinbarung" zwischen Bahn und Stadt
Ein Jahr vorher, 2007: Im Zuge der Überlegungen des Stadt und der Bahn zur Gesamtentwicklung des Bahnhofs wurde 2007 nach Verhandlungen die Herstellung einer „Masterplanung, Entwicklung des Würzburger Hauptbahnhofes und seines städtebaulichen Umfeldes“ in einer „Rahmenvereinbarung“ festgelegt, in dem penibel geregelt ist, wie was und wann passieren und wer es bezahlen soll. Neben Vertretern der Bahn unterzeichnete für die Stadt die damalige Oberbürgermeisterin Pia Beckmann die Rahmenvereinbarung. Die Stadt ließ ein Frankfurter Architektenbüro, Albert Speer und Partner, einen Masterplan errichten, was viel Geld kostete.

Entbehrlichkeitsprüfung: Bahn hat keine nennenswerte Fläche übrig
Dann kam die obengenannte „Prüfung der Entbehrlichkeit von Flächen“. Die Stadt fiel durch und mit ihr verschwand das gesamte Projekt. Was hieß: die Jahre vergingen bis heute diskussions- und ereignislos. Es tat sich gar nichts mehr, gespenstisch. Die Diskussionen um das Parkhaus Quellenbach kamen nicht weiter, die Frage wohin mit einem Zentralen Omnibusbahnhof verharrte auf der Stelle. Was sich allerdings wandelte waren die Möglichkeiten der Stadt, ihre Wünsche auf dem Bahngelände südlich des Bahnhofs zu realisieren. Dort veränderten sich die Eigentumsverhältnisse. Die Bahn verkaufte große Flächen an „Immobilien Bader“. Dabei trat die Stadt entgegen Erwartungen Mancher nicht in Erscheinung.

SPD: Probleme im Bahnhofsumfeld sind nicht gelöst
Nun meldete sich die SPD-Stadtratsfraktion zu Wort: „Die Probleme im Bahnhofsumfeld sind nach wie vor nicht gelöst“, heißt es in einer Mitteilung. Die Partei habe deshalb den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD), nach Würzburg, der die Bahn anhalten soll, der Stadt Entwicklungsflächen nördlich des Bahnhofs zu verschaffen. Auf Anfrage sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt dazu: Der Stadtrat habe die Entbehrlichkeit schon im vergangenen Jahr öffentlich im Stadtrat diskutiert und den entsprechenden Antrag an das Eisenbahnbundesamt gestellt haben. Es allerdings als Allheilmittel zu sehen, sei zu kurz gedacht und zu optimistisch, warnte er. Die Entwicklungskosten seien extrem, zumal es derzeit fraglich ist, ob die Bahn auf ihr Gelände überhaupt verzichten möchte. Das Gespenst hat sich festgebissen. (ser)
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