Wird Mietern der Pavillons am Bahnhofvorplatz im Dezember gekündigt?

Der Bahnhofvorplatz soll ein neues Gesicht bekommen: Den Mietern der in den 50er-Jahren gebauten alten Pavillons soll noch im Dezember gekündigt werden. Voraussetzung ist ein Beschluss des Stadtrats, der sich in seiner Sitzung am 3. Dezember mit dem Thema befasst. Mit drei Neinstimmen hat am Donnerstag letzter Woche der Hauptausschuss dem Vorhaben zugestimmt.
Der Würzburger Stadtrat will die alten Pavillons auf dem Bahnhofvorplatz abreißen und neue bauen, die zum Beginn der Landesgartenschau im Frühjahr 2018 fertiggestellt und mit neuen Mietern besetzt sein sollen. Dafür hat der Hauptausschuss des Rats in seiner Sitzung am Donnerstag vergangener Woche einen Zeitplan und das weitere Vorgehen beraten. Der dargestellte Zeitplan sei „außerordentlich ambitioniert aufgestellt“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Das Szenario, steht da weiter, beschreibe einen „für alle Belange erwarteten ‚besten Fall‘“, was bedeutet, dass die Zeit für die Realisierung des Vorhabens mehr als knapp ist: „Es ist deutlich darauf hinzuweisen, dass bei Abweichungen von diesem Zeitplan eine Fertigstellung und Inbetriebnahme der Pavillons bis zur Landesgartenschau 2018 nicht machbar sein wird“, droht die Verwaltungsvorlage den Stadträten.

Dabei zeigt die Vorlage für die Begutachtung noch eine Reihe ungeklärter zentraler Fragen. Beispielsweise ist die Finanzierung noch nicht ausgehandelt. Nach wie vor soll Stand der Verhandlungen sein, dass zu den Baukosten in Höhe von 4,3 Millionen Euro die zuständige Tochter der Bundesbahn AG, die „Station & Service AG“, lediglich zwei Millionen Euro an „Mietkostenvorauszahlung“ als Investitionskostenzuschuss an die Stadt zuschießen will, diese aber gerne mehr möchte. Bislang geführte Verhandlungen haben dem Vernehmen nach an diesem Sachverhalt offenbar bislang nichts geändert.

Die Stadt bevorzugt der Bahn die neuen Pavillons als „Generalmieterin“ zu übergeben, die diese dann an die Endmieter (Geschäfte) untervermietet. Verhandlungsgegenstand sind dabei noch die Höhe der Mietpreise (die per Gutachten gefunden werden soll) und die Aufteilung der Mieteinnahmen zwischen Bahn und Stadt. Zudem will die Stadt eine Vertragslaufzeit von 20 Jahren. „Sollte nicht zeitnahe eine Verständigung erreicht werden, vermietet die Stadt selbst“, untermauert sie ihr Vorhaben, die Pavillons bis zum Beginn der Landesgartenschau - notfalls bei vollen zeitlichen und wirtschaftlichen Risiken - auf den Bahnhofvorplatz zu stellen.

Einen wesentlichen Vorteil sieht die Stadt im Rahmen einer Partnerschaft mit der Bahn, darin, dass diese für einen „Standort Bahnhof“ ein „etabliertes Mieterportfolio“ bereitstellt und damit, heißt es in der Unterlage, ein „ausgewogenes und abgestimmtes Gesamtangebot“ parat hat. Wie dieser Folio zusammengestellt ist, kann man auf jedem deutschen Bahnhof sehen: Filialisten. Vermietet die Stadt selbst, müssten die zur Vermietung feilgebotenen Pavillons ausgeschrieben werden wobei beispielsweise auch die Inhaber der jetzigen alten Häuschen die Möglichkeit hätten, sich zu beteiligen. Dadurch wäre es möglich, dass die Bahn in der Bahnhofshalle mit ihren Kaufangeboten durch den einen oder anderen Pavillon auf dem Bahnhofsvorplatz Konkurrenz bekommt, was ihr wohl nicht gefällt: „Es ist daher vorgesehen, dass die Stadt die neuen Pavillons in enger Abstimmung mit der Bahn als künftigem Mietpartner erstellt“.

Im Einzelnen sieht der Zeitplan vor, dass unmittelbar nach dem Beschluss des Stadtrats in seiner Sitzung am 3. Dezember den jetzigen Mietern der Bestandspavillons die Verträge gekündigt werden sollen mit dem Ziel, dass nach weiteren Planungen ab Juli 2016 der Abbruch der Pavillons beginnen und gleichzeitig technische Arbeiten wie Leitungserneuerungen, Fernwärme u.a. an Angriff genommen werden sollen. Schon im August nächsten Jahres soll mit dem Bau der neuen Pavillons begonnen werden. Ab September 2017 ist im Wesentlichen geplant, die Oberfläche um die Pavillons herum herzurichten und die Neubauten so weit fertigzustellen, dass sie ab Oktober 2017 an die neuen Mieter übergeben werden können. Diese hätten dann bis um Februar 2018 Zeit, die Pavillons technisch für die vorgesehene fachliche Nutzung (Innenausbau, Außenwerbung) aufzurüsten. (ser)
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