Wie viele Kinder sind ohne Krippenplatz? Online-Warteliste soll Klarheit schaffen

Christine Amrhein, die Leiterin des städtischen Kinderhauses Sonnenblume in Lengfeld, mit einigen der Kleinsten. 140 Kinder werden dort betreut: 24 in der Kinderkrippe, 75 im Kindergarten und 40 in der Schülerbetreuung. (Foto: Claudia Penning-Lother)
 
Tolle Architektur lockt auch immer Bewunderer an: Baumeister und Gutachter im Kinderhaus Sonnenblume. (Foto: Claudia Penning-Lother)
Während Mama und Papa arbeiten, wird die kleine Marie liebevoll in der Kinderkrippe betreut. Mit ihren zehn Monaten ist sie eine der jüngsten „Kundinnen“ im Kinderhaus. Frisches Obst am Vormittag, ein Nachmittagsschläfchen in kuscheligen Betten, Spielen, Basteln oder Toben im Sportraum und Garten: Kindergärten und Kindertagesstätten bieten abwechslungsreiche, intensive und individuelle Betreuung und Eltern wissen ihre Kids gut aufgehoben.

Insgesamt bietet die Stadt Würzburg 4.092 Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahren in 68 Kindertageseinrichtungen und bei 48 Kindertagespflegepersonen. Dem stehen 5.656 in Würzburg lebende Kinder in diesem Alter gegenüber. Basis dieser Zahl sind die in der Stadt im Zeitraum zwischen September 2014 und August 2015 gemeldeten Kinder in der Altersgruppe bis sechs Jahre. „Wir erfüllen den Rechtsanspruch für die Drei- bis Sechsjährigen“, erklärt Monika Kraft, kommissarische Leiterin der Fachabteilung Kindertagesbetreuung. Über 56 Prozent dieser Kinder erhalten in Würzburg einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte, Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Bei Kindern bis drei Jahren liegt der Gesamtversorgungsgrad bei 38,2 Prozent. Zum Vergleich: In Bayern sind Kinder unter drei Jahren lediglich zu 27,5 Prozent mit Betreuungsplätzen versorgt.

Doppelt und dreifach angemeldet
Bleibt die Frage: Wie viele Eltern bekommen keinen Betreuungsplatz für ihr Kind? Das sei schwer zu beantworten. „Als Grundlage für Berechnungen sind die Wartelisten der Kindertageseinrichtungen nicht geeignet. Sie bergen aufgrund von Doppel- oder Dreifachanmeldungen Unsicherheiten“, so die Stadt. „Eltern fragen natürlich in mehreren Kindertageseinrichtungen an, lassen sich auf die Wartelisten setzen, melden sich aber nicht immer wieder ab, wenn sie einen Betreuungsplatz gefunden haben.“

In der Regel fragen Eltern bereits sehr früh nach einem Betreuungsplatz - häufig sogar schon vor der Geburt des Kindes. Kommen Eltern alleine nicht weiter, steht die städtische Fachabteilung Kindertagesbetreuung helfend zur Seite. Dazu stimmen sich die Fachberatung Kindertageseinrichtung und die Fachberatung Kindertagespflege mit den Kindergärten und -tagesstätten ab. So manche Eltern finden dann die für ihr Kind beste Betreuungsform auch nicht in einer Kindertagesstätte oder einem Kindergarten sondern bei einer Tagesmutter.

Überblick über steigenden Bedarf
Um Unschärfen wie Dreifachanmeldungen auszugleichen und Eltern mehr Sicherheit zu geben, wird ein online gestütztes Informations- und Vormerksystem „InVo-Sys“ eingerichtet. In diesem können Eltern ihre Kinder online vormerken lassen, sich eine KiTa aussuchen und werden, sobald das Kind aufgenommen wurde, von der Bedarfsliste gestrichen. „Damit erhalten wir einen exakten Überblick über den Bedarf – aber auch nur, wenn sich alle Kindertages-Einrichtungen an diesem System beteiligen“, sagt Monika Kraft.
Ziel von „InVo-Sys“ sei, alle Zahlen und Bedarfe in einer zentralen Anlaufstelle abzugleichen. Die Plätze werden in eigener Verantwortung von den Einrichtungen vergeben. „Wir sind mit der Bedarfsplanung und der Beratung auf einem richtigen Weg, aber das neue Online-System wird Klarheit schaffen“, so Monika Kraft. Im InVo-Sys werden Eltern bis zu acht Vormerkungen vornehmen, ihre Wünsche zu Betreuungszeiten und Aufnahmetermin eingeben können. Der Stadt sollen so genauere und schnell abrufbare Zahlen für eine aussagekräftigere Bedarfsplanung zur Verfügung stehen.

Aber mit einem attraktiven Angebot steigt die Nachfrage. Es müssen weitere Betreuungsplätze geschaffen werden. Zudem werden immer mehr Kinder in Würzburg geboren: Die Geburtenentwicklung stieg im gesamten Stadtgebiet von 954 im Jahr 2013 auf 1.057 (2014) und 1.118 (2015). Besonders viele Kinder wohnten 2015 in der Altstadt, im Frauenland und in der Sanderau. Die höhere Geburtenrate spiegelt sich auch in vermehrten Nachfragen von Eltern nach Betreuungsplätzen in diesen Stadtbezirken wider.

Es wird weiter ausgebaut

Der Ausbau der KiTas in Würzburg geht stetig voran. 2015 wurden zehn Plätze in Lengfeld, 32 Plätze in der Sanderau und 20 Plätze im Grombühl geschaffen. 2016 werden im Frauenland und am Hubland 25 Plätze und in der Zellerau 30 Plätze neu entstehen. Für 2017 sind neue Plätze geplant in der Lindleinsmühle (zwölf), in der Zellerau (24), in Versbach (24), im Frauenland (24 Krippen-, 50 Kindergartenplätze). Der Katholische Kindergarten St. Sebastian wird generalsaniert.
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