Wie gefährlich ist das Ebola-Virus? Würzburger Tropenmediziner zum Krankheitsausbruch in Guinea

Prof. Dr. August Stich, Chefarzt der Tropenmedizin in der Missionsärztlichen Klinik. (Foto: Inline Internet & Werbeagentur)

Aktuelle Ebola-Fälle in Guinea erregen die öffentliche Aufmerksamkeit. Die Fakten: Ein hoch ansteckendes, meist tödliches Virus, kein Gegenmittel und schneller Krankheitsverlauf. Ein Grund zur Panik? „Nein“, sagt Chefarzt Prof. Dr. August Stich, Leiter der Tropenmedizin der Missionsärztlichen Klinik Würzburg.

primaSonntag: Was wissen wir über das Virus?
Prof. Dr. August Stich:
Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern, die wir überhaupt kennen. Es ist hoch ansteckend bei direktem Kontakt mit Körperflüssigkeiten von infizierten Menschen und Tieren. Bei mehr als zwei Dritteln der Patienten führt es in wenigen Tagen zum Tode. Beim Ausbruch der Erkrankung kommt es zu hohem Fieber und zunehmend zu Blutungen. Bisher gibt es kein Mittel gegen das Virus. Allerdings ist es in seiner Verbreitung auf die Tropen der Alten Welt beschränkt.

Seit wann gibt es diese Krankheit?
Prof. Dr. August Stich
: Das Ebola-Virus gibt es sicher schon seit langem. Bekannt wurde es das erste Mal durch einen Ausbruch im Kongo in den 1970er Jahren. Seither kommt es immer wieder zu einzelnen Fällen oder gar Ausbrüchen in verschiedenen Ländern, besonders in Uganda und im Kongobecken. Die Region in Guinea, wo das Virus aktuell ausgebrochen ist, ist zum ersten Mal davon betroffen.

Gibt es eine Impfung?
Prof. Dr. August Stich:
An einer Impfung wird aktuell geforscht, ebenso an wirksamen Medikamenten. Aktuell kann man aber gegen das Ebola-Virus noch nicht impfen.

Wie kann man sich anstecken?
Prof. Dr. August Stich:
Eine Ansteckung ist nur durch direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeiten von erkrankten Menschen und Tieren möglich. Deshalb müssen Mitarbeiter in Krankenhäusern und die nächsten Angehörigen von Patienten, die mit der Pflege von Kranken und der Bestattung von Toten betraut sind, besonders geschützt werden. Ebola wird glücklicherweise nicht über die Luft oder das Trinkwasser übertragen. Deshalb besteht für Touristen und Geschäftsreisende, auch wenn sie sich an einem Ort aufhalten, an dem Ebola gemeldet ist, keine Gefahr der Ansteckung.

Ist es möglich, dass die Krankheit zu uns nach Deutschland kommt?
Prof. Dr. August Stich:
Es besteht immer die Möglichkeit, dass infizierte oder kranke Menschen nach Europa reisen und Ebola hier diagnostiziert wird. Darauf sind wir aber vorbereitet. Wenn man die notwendigen Isolationsmaßnahmen für Patienten zum Einsatz bringt, besteht keine Gefahr der Übertragung des gefährlichen Virus auf andere oder gar ein Übertritt auf die Bevölkerung. Auch in der Missionsärztlichen Klinik haben wir eine solche Isolierstation mit einer Schutzausrüstung für geschultes Personal. Ebola ist zwar berühmt wegen seiner hohen Todesrate. Es ist aber keine Krankheit, die sich wie eine Seuche flächenhaft ausbreiten kann und eine Gefahr für Deutschland darstellt.
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