Werden Würzburger Parkplätze bald teurer?

Ist da was frei geworden? Der Parkplatzsuch-Kreisverkehr belagert den Dom.

Ewiger Parksuchverkehr in der Innenstadt – Kämmerer: Parkverhalten lässt sich „über die Tarife steuern“

Werktags in Würzburg: Eine Autoschlange kriecht aus der Herrnstraße auf den Kiliansdom zu. Die Blechkaravane umkreist die Parkplätze rund um die Mauern des Doms und am Paradeplatz, schleicht weiter in die Hofstraße und verschwindet in der Maxstraße. Ein Beobachter, der sich ein einzelnes Fahrzeug gut einprägt, kann erleben, dass dieses Auto wenig später, durch die Domerpfarrgasse kommend, wieder auf den Paradeplatz einbiegt, den Kardinal-Döpfner-Platz besichtigt, zurückkommt, den Paradeplatz umfährt, um dann, vielleicht die Spiegelstraße, wieder die Herrnstraße aufzusuchen. Kreisen, warten, kreisen, hoffen, sechs Minuten, zehn Minuten lang, Erfolgserlebnis: null. Das ist der Würzburger Parkplatzsuch-Kreisverkehr.
Oberbürgermeister Georg Rosenthal kennt das: „Viele Würzburger sind stets auf der Suche nach preiswerten Parkplätzen, oft auch in der Hoffnung, dass das Falschparken nicht mit einem Strafzettel belegt wird“. Konkrete Zahlen liefert Stadtbaurat Prof. Christian Baumgart: Täglich suchen 3.000 Fahrzeughalter im Quartier um Eichhornstraße und Paradeplatz einen kostengünstigen Parkplatz. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Stadtkämmerer Christian Schuchardt dazu, das Lenken dieser Such-Autoschlangen sei auch eine Tarifangelegenheit: „Das Tarifgefüge beim Parken haben wir in den letzten zehn Jahren nicht angepackt. Im Umfeld dazu wurden Straßenbahn und Busse jährlich um zwei bis drei Prozent teurer. Damit wird die Suche nach günstigen Parkplätzen Jahr für Jahr attraktiver.“ Zudem sind die Parkgebühren in den zentralen Großgaragen, wie beispielsweise in der Marktgarage, mit 1.50 Euro für jeweils die ersten beiden Stunden teurer als der wenige Meter entfernt ausgewiesene, oberirdische Parkplatz für einen Euro pro Stunde.
Seit mehr als zehn Jahren also haben Rathaus und Stadtrat die Preise beim Oberflächenparken nicht angepackt - trotz aller Beteuerungen, in Würzburg für bessere Luft und „mehr Aufenthaltsqualität“ sorgen zu wollen. Ist es die Furcht vor dem öffentlichen Aufschrei der Oberflächenparker, die die Politik daran hindert, zukunftweisende Pläne auch umzusetzen, wie es erst vor wenigen Tagen am Beispiel der Hofstraße zu sehen war? Dabei gibt es doch über alle Parteien hinweg bis zur Rathausspitze eine breite politische Phalanx mit der Absicht, den Parkplatzsuchverkehr in der Stadt und damit den Schadstoffausstoß durch PKWs zu verringern. Eindeutig ist: Ohne eine Verringerung der Oberflächenparkplätze, die Nutzung der verbleibenden für Kurzparker und die Anhebung der Parkgebühren geht tatsächlich nichts weiter.
So zu sehen in diesen Wochen - eine Mehrheit aus den Fraktionen aus CSU, WL, FDP und Bürgerforum hat bei der Entscheidung über die unmittelbare Zukunft der Hofstraße gezeigt, wie schwer dem Parkplatzsuch-Kreisverkehr beizukommen ist. Es ging um 98 Parkplätze, die weg sollten, inklusive  ein paar Plätze an der Hinterseite des Doms – und schon klappt bei dieser Mehrheit das Visier herunter. Die Gegenargumente: Zu wenig Parkplätze, kein Verkehrskonzept im Rathaus. Stadtbaurat Prof. Christian Baumgart sagte dazu auf Anfrage: „Das Verkehrskonzept hat der Stadtrat längst beschlossen. Würzburg ist in dieser Hinsicht besser gerüstet als viele andere Städte: Neben der zentralen Marktgarage (600 Plätze) gibt es innerhalb des Glacis weitere Parkgaragen, Park- und Automatenparkplätze für insgesamt über 4.500 Fahrzeuge, von denen aus man in wenigen Minuten strahlenförmig das Stadtzentrum erreichen kann – wo finden Sie das sonst noch?“
Zudem: Mit breiter Bürgerbeteiligung und der Beteiligung von Gremien und Vertreter aus allen relevanten städtischen Bereichen und Institutionen („Fachbeirat Attraktive Innenstadt“) wurde von 2010 bis 2012 für die Würzburger Innenstadt ein „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK)“ entwickelt. Der Würzburger Stadtrat hat dieses Konzept am 15. März 2012 einstimmig beschlossen. Es sollte „zukünftig als Leitfaden und Handlungsanleitung für alle weiteren Planungen“ dienen. Höchste Priorität hat dabei genau das, was die Stadtratsmehrheit abgelehnt hat: Die Umgestaltung der Hofstraße. Für das 2,6-Millionen-Projekt hat der Bund 1,3 Millionen Euro Fördermittel zugesagt, Wettbewerbe wurden durchgeführt, Ergebnisse vom Stadtrat beschlossen, morgen könnte begonnen werden – allein der politische Wille zur Realisierung fehlt.
Die Autos kreisen weiter.
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