Wer nimmt die Verzweifelten auf?

Für dieses syrische Mädchen ist die Flucht erst einmal vorbei (Foto: Foto BR/Liora Ben-Heim aus "Zwischen Hoffnung und ..)
Würzburg Hunderttausende fliehen aus den nahöstlichen Kriegsgebieten in die Türkei: „Die Lage ist dort dramatisch. Die Flüchtlinge werden nach Deutschland kommen, nach Bayern und nach Würzburg. Wir heißen sie willkommen und bringen sie in eigener Verantwortung unter“, sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt (OB). Dafür werde die Stadt Unterkünfte organisieren mit meinem „Anspruch, dass die Kriegsflüchtlinge unseren Ansprüchen entsprechend untergebracht werden können. Sie werden uns durch die Regierung von Unterfranken zugewiesen, wir wollen ihnen zeigen, dass sie uns willkommen sind. Die Flüchtlinge, die jetzt kommen, beantragen weitgehend nicht das klassische Asyl, sondern suchen eine Bleibe während des Krieges in ihrer Heimat.“

Nach Zahlen der Regierung von Unteranken müsse Bayern nach einem bundesweit geltenden Verteilungsschlüssel in diesem Jahr 15,2 Prozent der Flüchtlinge und Asylsuchenden, die in die Bundesrepublik einreisen, aufnehmen und unterbringen. Das seien bis zum Ende des Jahres rund 35.000 Menschen. Während die Zahl der Unterfranken zugewiesenen Asylsuchenden im Jahre 2012 lag bei rund 920, stieg sie in 2013 auf 1831 Personen, in diesem Jahr von Januar bis Juli auf 1545 an und soll sich, nach einer Schätzung, im Zeitraum September bis Dezember um weitere 1830 vermehren.

Stadt muss 11,3 Prozent der Unterfranken zugewiesenen Flüchtlinge aufnehmen
Soweit die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in der Veitshöchheimer Straße keine Menschen mehr aufnehmen kann, wurde die Stadt am 3. September von der Bezirksregierung verpflichtet, kurzfristig ab 8. September eine jeweils wöchentlich festgelegt Anzahl von Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen: „45 Personen können wir derzeit unterbringen“, sagte auf der Pressekonferenz der frühere Sozialreferent und jetzige Stadtkämmerer Robert Scheller, genau die von der Regierung geforderten Zahl für die drei Kalenderwochen vom 8. bis 26. September. Die Stadt muss 11,3 Prozent der Unterfranken zugewiesenen Flüchtlingen aufnehmen.

Intensive Suche nach Unterkunftsmögllichkeiten
Scheller führte weiter aus, dass die Stadt zunächst versuche, „eigene Räumlichkeiten“ für die Unterbringung der Flüchtlinge bereit zu stellen. Dazu „requirierte“ sie als erstes das städtische „Selbsthilfehaus“ in der Scanzonistraße: „Die Freude der bisherigen Nutzer war natürlich nicht gerade groß, wenn wir das Haus jetzt mit Flüchtlingen belegen. Aber angesichts der geforderten Solidarität haben diese Priorität“, sagte der OB dazu. Den Selbsthilfegruppen würden geeignete Räume u. a. im Rathaus zur Verfügung gestellt. Die Würzburger Stadtbau bot das „Schäferhaus“ in der Klosterstraße in Heidingsfeld an. Auch Verfügungswohnungen der Stadt in der Sedan- und der Mainaustraße stünden bereit und der Verein „Türkische Islamische Kultur“ in der äußeren Aumühle ebenso wie kirchliche Einrichtungen hätten Unterkünfte angeboten.

Im Notfall Schule: Turnhalle der Burkharder Schule
Als „letzten Ausweg“ und wenn, dann nur „für äußerst begrenzte Zeiträume“, soll im Notfall die Turnhalle der Burkharder Schule genutzt werden können. Ansonsten führe die Stadt eine Vielzahl von Verhandlungen um potentiellen Wohnraummöglichkeiten für die Unterbringung der Flüchtlingen und Asylbewerbern nutzbar zu machen. Mit einer breit angelegten Aktion versucht sie beispielsweise auch Unterkünfte in Hotels und Pensionen und Gasthöfen zu bekommen. Zudem seien Privatpersonen aufgerufen, sich an der solidarischen Aktion zu beteiligen. „Ich selbst“, so OB Schuchardt, „würde mit Einverständnis meiner Familie auch Platz in meinem Haus anbieten. Interessierte Würzburgerinnen und Würzburger, die im Notfall Flüchtlinge bei sich aufnehmen würden, können sich bei der Stadt Würzburg melden
im Fachbereich Soziales bei Thomas Stolzenberg, Tel. 09 31/37-3525 oder unter der Mail-Adresse fb-soziales@stadt.wuerzburg.de

Ehrenamtliche Hilfe durch Rotes Kreuz und anderen Einrichtungen
Auf Ersuchen der Stadt hat das Würzburger Rote Kreuz (BRK) mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und der in Rottendorf stationierten „Schnelleinsatzgruppe Betreuung“ unter dem Druck der Zeit bei der Einrichtung der Notunterkunft im Selbsthilfehaus Hilfe geleistet. Der Katastrophenschutzbeauftragte des BRK, Paul Justice, erläuterte die Aktion und wies insbesondere auf die Hilfsbereitschaft anderer Einrichtungen hin. So habe die Würzburger Jugendherberge Decken gespendet. Das Möbelhaus Neubert habe Decken und Kissen „zu günstigen Sonderkonditionen“ geliefert. Das BRK selbst hat aus seinen Beständen ebenfalls Decken, Kopfkissen und Bettwäsche zur Verfügung gestellt. –ser
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