Wer jubelt schon bei Frauenfußball?

Also doch: Wenn die deutschen Fußball-Damen siegen, freuen sich die Männer am dollsten. (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)
 
Nicolo Frezzini findet Fußball im Allgemeinen sehr spannend.

Forscher der Uni studieren die Reaktionen der Fans auf die Spiele der Frauen-WM - Frauen sind am Wettkampf interessiert, Männer am Ergebnis - primaSonntag-Blitzumfrage: Wie finden Sie die Frauen-WM? Schreiben Sie uns einen Kommentar oder eine E-Mail an redaktion@primaso.de

Derzeit läuft in Kanada die Frauen-WM im Fußball. Mit einem hohen Sieg über die Elfenbeinküste und einem Unentschieden gegen Norwegen ist die deutsche Nationalmannschaft ganz gut gestartet. Welche Effekte die Fernsehübertragung der Spiele auf das Publikum haben kann, zeigt eine neue Studie zweier Würzburger Wissenschaftler.

„Eine gigantische Enttäuschung“: So lautete die Schlagzeile vor rund fünf Jahren in der Süddeutschen Zeitung. Obwohl zuvor als haushoher Favorit gehandelt, waren Deutschlands Fußballerinnen bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land mit einem bitteren 0:1 gegen Japan frühzeitig im Viertelfinale ausgeschieden.

Wie sich solche Sportereignisse auf die Stimmung und bestimmte Einschätzungen der Zuschauer auswirken, haben damals zwei Wissenschaftler der Universität Würzburg untersucht: Holger Schramm, Professor für Medien- und Wirtschaftskommunikation am Institut für Mensch-Computer-Medien, und sein Mitarbeiter Johannes Knoll. Jetzt haben sie die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Communication Research veröffentlicht, dem derzeit höchst gerankten Journal im Bereich der Medien- und Kommunikationswissenschaft.

Männer fiebern stärker mit
Die zentrale Aussage der Studie fasst Holger Schramm so zusammen: „Das Ergebnis eines angeschauten Fußballspiels beeinflusst die Stimmung und allgemeine Einschätzungen der Zuschauer merklich – allerdings nur bei fußballverrückten Männern, die sich stark mit dem Team identifizieren.“

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler 180 Fernsehzuschauer jeweils nach einem Sieg und nach einer Niederlage der deutschen Nationalmannschaft während der Frauenfußball-WM 2011 einen Online-Fragebogen ausfüllen lassen. Dabei sollten die Teilnehmer sowohl Angaben zu ihrer aktuellen Stimmung machen als auch Aussagen treffen beispielsweise über ihr Selbstwertgefühl, ihre ökonomische Situation und ihre Zufriedenheit mit der Arbeit ihrer Regierung.

Wie erwartet, waren Fernsehzuschauer, die den Sieg der Frauen-Nationalmannschaft im zweiten Spiel der Vorrunde gesehen hatten, nach dem Spiel besser gelaunt als davor. Umgekehrt sank die Stimmung bei den Zuschauern, die die Niederlage im Viertelfinale gesehen hatten – allerdings nicht auf eine signifikante Art und Weise. Aus diesem Grund konzentrierten sich die Wissenschaftler bei der Auswertung der Daten nur noch auf das gewonnene Spiel. Dabei zeigte sich: Nur Männer, die sich moderat bis stark mit dem deutschen Team identifizierten, zeigten nach dem Sieg eine Veränderung ihrer Stimmung.

Frauen allgemein und Männer, die sich nur wenig mit dem deutschen Team identifizierten, zeigten hingegen kaum Stimmungsveränderungen. „Wir führen diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern darauf zurück, dass Männer stärker an Wettbewerb und am Ergebnis solcher Wettkämpfe interessiert sind als Frauen“, erklärt Holger Schramm. Frauen könnten sich demnach zwar genauso stark mit „ihren“ Teams identifizieren und diese anfeuern wie Männer; am Ausgang dieses Wettkampfs seien sie jedoch in der Regel weniger interessiert.

Männer, die besonders intensiv mit den deutschen Frauen mitfieberten, hatten nach dem Sieg ein höheres Selbstbewusstsein, sie bewerteten ihre ökonomische Situation besser und waren mit der Arbeit ihrer Regierung deutlich zufriedener als noch vor Spielbeginn. Dieser Effekt hielt sogar über drei Tage hinweg an. Kein Einfluss zeigte sich wiederum bei Männern, die sich kaum bis gar nicht mit dem deutschen Team identifizierten, und bei Frauen.

Blitz-Umfrage
Nicolo Frezzini findet Fußball im Allgemeinen sehr spannend und schaut begeistert zu. Der Italiener macht keinen Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Fußball: Er schaut aus diesem Grund die WM der Männer und der Frauen mit gleichem Interesse.

Ursula Hörl aus Wien schaut selbst keinen Damenfußball. "Aber mein Sohn war lange Zeit Co-Trainer einer Mannschaft." Die Spiele findet Sie uninteressant, doch die Interviews danach schaut Sie sehr gerne. "Insgesamt ist es schade, dass die Frauen-WM so im Schatten der Herren-WM steht."

Der Lüneburger Heiner Junghans hat noch nie ein Damen-Fußballspiel angeschaut. Sein größter Kontakt zum Damenfußball war in einem Tatort mit genau diesem Thema. Herrenfußball hingegen schaut er hin und wieder. Er erfreut sich an spektakulären Fouls oder schmerzhaften Unfällen. "Bei Frauen würde mir das nur leid tun."

Der Fußballfreak Josef Paavanic aus Würzburg schaut gerne Fußball aller Art. Er findet, dass der Damenfußball sich in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert hat. "Manchmal sind die Spiele der Frauen schöner anzuschauen als der Herrenfußball."
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