Warum Männer nicht ewig Vater werden können

Ein Bild, das immer häufiger zu sehen ist: Männer werden im "dritten Frühling" noch einmal Vater. (Foto: Lucie Kärcher, pixelio.de)
Würzburg Frauen sollten ihre Kinder nicht allzu spät im Leben bekommen. Männer dagegen könnten auch mit 60 noch ohne Probleme Vater werden, heißt es. Wenn Frauen im Alter ab 35 Jahren schwanger werden, steigt das Risiko, dass ihr Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt. Was weniger bekannt ist: „Die Keimzellen der Väter werden mit zunehmendem Alter auch nicht besser“, sagt Professor Thomas Haaf, Humangenetiker von der Universität Würzburg. Dass ältere Männer „risikolos“ Kinder zeugen können, sei ein „Mythos“, der sich hartnäckig halte.

In einer Mitteilung der Pressestelle der Universität heißt es, die Forschung wisse schon länger um das Problem der „alten Väter“. Einer kürzlich von Wissenschaftler aus Schweden und den USA veröffentlichten Studie nach trügen Kinder von älteren Vätern –Männer ab 45 Jahren – rein statistisch ein erhöhtes Risiko für ADHS, Autismus und andere psychische Krankheiten. Bekannt ist auch, dass ihr Intelligenzquotient leicht verringert sein kann.

Bestimmte Faktoren beeinflussen die Alterung der Spermien
Ein epidemiologischer Zusammenhang zwischen alten Vätern und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krankheiten bei den Kindern sei seit längerem klar. Man wisse aber nicht, wodurch er zu Stande kommt, sagt Professor Haaf. Allein mit einer altersbedingten Häufung von Gen-Mutationen in den Spermien sei der Effekt nicht zu erklären. Stattdessen geht der Würzburger Humangenetiker – wie auch andere Wissenschaftler – davon aus, dass hier andere Faktoren wichtig sind: Unter Verdacht stehen epigenetische Veränderungen.

Diese bestehen oft darin, dass kleine Moleküle an die DNA gekoppelt werden und dass die Verpackung der DNA geändert wird. „Das passiert im Lauf des Lebens rein zufällig, aber auch durch Umwelteinflüsse“, sagt Haaf. Man vermutet, dass solche Veränderungen am Erbgut durch Tabakrauch und Chemikalien, aber auch durch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder starkes Übergewicht entstehen können.

Die epigenetischen Veränderungen blieben nicht ohne Folgen: sie verändern die Aktivität einzelner Gene. Werden sie mit einem Spermium an ein Kind weitergegeben, beeinflussen sie durch ihre genregulierende Aktivität womöglich die Entwicklung des Embryos. „Epigenetische Veränderungen in der frühen Entwicklung legen die Grundlagen für die Gesundheit bzw. Krankheit im späteren Leben“, erklärt Haaf.

Humangenetiker sammelten über 1200 Spermaproben
Welche Rolle spielen epigenetische Veränderungen in Spermien tatsächlich? Für das Projekt wurden bereits über 1200 Spermaproben von unterschiedlich alten Männern gesammelt. An ihnen werden die Würzburger Forscher zuerst analysieren, welche epigenetischen Veränderungen in Spermien überhaupt vorkommen. Außerdem untersuchen sie, ob die Epigenetik der Spermien mit zunehmendem Alter variiert und ob die Veränderungen sich häufen. Die Humangenetiker betrachten auch mehrere hundert Proben von Nabelschnurblut, die von den Kindern der Samenspender stammen. So wollen sie klären, ob sich epigenetische Veränderungen von den Vätern auf die nächste Generation übertragen und ob es einen Zusammenhang mit Krankheiten der Kinder gibt.

Die Würzburger arbeiten dabei mit dem amerikanischen Humangenetiker Steve Horvath zusammen. „Er hat ein Instrumentarium entwickelt, mit dem man aus dem epigenetischen Muster von Zellen deren Alter und auch das Lebensalter des Menschen bestimmen kann“, sagt Haaf. Nun interessieren wir uns dafür, ob sich die „epigenetische Uhr“ auch an Spermienzellen ablesen lässt.

Prof. Haaf: Männer über 45 sollen sich über Risiken informieren
Einen Wunsch hat Professor Haaf schon jetzt: „Es wäre gut, wenn Männer ab 45, die Vater werden wollen, sich darüber informieren, welche Krankheitsrisiken für das Kind mit einem erhöhten Vateralter verbunden sind und welche Vorsorgemaßnahmen es gibt. Ein hohes Alter des Vaters oder auch der Mutter ist kein Grund, sich gegen ein Kind zu entscheiden“, so Haaf, „aber man sollte um die möglichen medizinischen Probleme wissen.“

Kontakt: Prof. Dr. Thomas Haaf, Institut für Humangenetik, Universität Würzburg, T (0931) 31-88738, thomas.haaf@uni-wuerzburg.de
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