Warum das Lernen nie endet

Regina Egetenmeyer lehrt und forscht in Würzburg. Foto privat

Neue Expertin für Erwachsenenbildung an der Universität Würzburg

Lebenslanges Lernen und Erwachsenenbildung im internationalen Vergleich: Das sind zwei Forschungsschwerpunkte von Regina Egetenmeyer. Seit diesem Semester ist sie Professorin für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Uni Würzburg.
Eine Ausbildung absolvieren, vom Betrieb übernommen werden und 45 Jahre später mit einer goldenen Uhr in den Ruhestand verabschiedet werden: Solche Lebensläufe gibt es heutzutage nur noch selten. „Menschen wechseln ihren Arbeitsplatz und ihren Arbeitgeber mehrfach im Laufe ihrer Karriere. Auch die privaten Interessen und das Engagement in Familie, Vereinen und Initiativen ändern sich im Laufe eines Lebens“, sagt Regina Egetenmeyer. Deshalb könne Bildung nicht mehr nur auf einen bestimmten Lebensabschnitt begrenzt sein.
Gefragt ist: lebenslanges Lernen. Das ist ein Forschungsschwerpunkt von Regina Egetenmeyer. Lernen Erwachsene anders als Jugendliche? „Es verändert sich vor allem die Art und Weise, wie Menschen mit zunehmendem Alter lernen“, sagt die Professorin. So nehme mit steigendem Alter das Lerntempo ab, und die reine Aufnahme neuer Informationen falle schwerer. Zum Ausgleich nehme jedoch die Effektivität zu. „Menschen wählen mit zunehmendem Alter aus, was sie lernen möchten und was nicht. Sie knüpfen an ihre Lebenserfahrung und an ihr Vorwissen an“, so Egetenmeyer. Der Anschluss an Bekanntes und der potenzielle Nutzen des Erlernten seien für Ältere wichtiger als für Jugendliche.

Recht auf Bildung – auch im Alter
Eine Alternative zum lebenslangen Lernen sieht Regina Egetenmeyer nicht. „Unsere Lebenswirklichkeit ändert sich ständig. Dadurch entstehen neue Anforderungen, aber auch Möglichkeiten“, sagt sie. Der Einzug moderner Informationstechnologien in unsere Gesellschaft und die damit beschleunigte Wissensproduktion, steigende Ausgaben von Staat und Wirtschaft in Forschung und Entwicklung, der demographische Wandel: Dies alles sind ihrer Ansicht nach Faktoren, die Weiterbildung und Weiterdenken auch bis ins hohe Alter erforderlich machen. „Die Gesellschaft sollte daher jedem das Recht auf Bildung ermöglichen“, sagt sie.
Teilnahme an Bildung bedeute letztlich gesellschaftliche Teilhabe. Bildung geschieht nicht automatisch, wo es nicht Routine ist, sagt die Wissenschaftlerin. Wer frühzeitig negative Erfahrungen im Bildungswesen gemacht hat – sei es in der Schule, sei es in der Ausbildung –, der sei später kaum noch dazu bereit, am außerinstitutionellen lebenslangen Lernen teilzunehmen. Lebenslanges Lernen habe tiefe emotionale und innere Züge: Wann sich jemand dafür, wann dagegen entscheide, hänge stark vom persönlichen Selbstbild und den persönlichen Zumutungen ab. „Angesicht unserer demografischen Entwicklung wird es eine Herausforderung für uns alle darstellen, möglichst alle zu integrieren“, sagt Egetenmeyer. Aufgabe für das Bildungswesen sei es deshalb, Menschen für lebenslanges Lernen zu begeistern. Denn: „Bildung und lebenslanges Lernen sind untrennbar miteinander verbunden.“
Mehr Info: www.erwachsenenbildung.uni-wuerzburg.de
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