Verschwindet BR-Klassik ins digitale Radio-Nirvana?

Verschwindet BR-Klassik in der digitalen Welt? Bild: BR/Markus Konvalin (Foto: Bild: BR/Markus Konvalin)
Würzburg Wenn am 1. Mai mit dem Würzburger Journalisten Martin Wagner ein neuer Hörfunkdirektor in München seinen Dienst antritt, wird er sogleich mit einem Thema konfrontiert, das auch in seinem Heimatbezirk Unterfranken Wellen verursacht: Die vom BR geplante Ausradierung des bei Freunden der klassischen Musik beliebten Hörfunkprogramms BR-Klassik aus der UKW-Landschaft bis Ende 2015. Nach dem Willen des Bayerischen Rundfunks soll, so heißt es, BR-Klassik seinen Sendeplatz zugunsten des Jugendkanals „Plus“ räumen und ab 2016 nur noch digital zu empfangen sein. Die Entscheidung soll unseren Informationen nach bei einer Sitzung des BR-Rundfunkrats am 22. Mai erfolgen.

„Der BR hat einen Kulturauftrag, dem er in allen Sparten gerecht werden muss. Seine Aufgabe ist nicht, möglichst hohe Quoten zu erzielen“, sagt der Würzburger Musikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Konrad auf Anfrage. Dabei zeigt der Leiter des Instituts für Musikforschung an der Universität Würzburg durchaus Verständnis, wenn der BR versuche, mit den Entwicklungen der Technik Schritt zu halten und damit auch eine gewisse Modernität zeigen zu wollen.

Prof. Ulrich Konrad: "Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich entschieden dagegen"
Dabei, so Prof. Konrad, „wird natürlich die klassische Musik ins Abseits gedrängt“. Der BR-Hörer könne ohne Digitalradio nicht mehr klassische Musik hören, insbesondere nicht im Auto: „Nur neun Prozent der bayerischen Haushalte verfügen über digitale Empfänger. Was mich ärgert“, so der Würzburger Musikwissenschaftler, sei, „dass der BR als öffentlich-rechtlicher Sender diesen Sendeplatz im UKW-Bereich aufgeben will zugunsten eines Gammel-Senders“. Auf die Dauer werde sich, so Prof. Ulrich Konrad niemand gegen digitalen Radioempfang sperren. „Aber zum jetzigen Zeitpunkt gerade Bayern-Klassik aufzugeben – da bin ich entschieden dagegen.“

Täglich verfolgen 260.000 Hörer das Programm
Noch im Juli 2013 hat bei der Präsentation einer Umfrage (media analyse), bei der von fünf unabhängige Marktforschungsinstituten deutschlandweit rund 67.000 Menschen befragt wurden, BR-Hörfunkdirektor Dr. Johannes Grotzky gesagt: „Die ausgezeichneten Ergebnisse der media analyse belegen erneut, dass die BR-Radioprogramme für die Menschen in Bayern unverzichtbar sind. BR-Klassik bleibt der Taktgeber für das klassikinteressierte Publikum. Täglich verfolgen 260.000 Hörer das Programm der einzigen reinen Klassikwelle in Deutschland. Damit erreicht BR-Klassik an einem Tag mehr Klassikfans als alle Konzerte in Deutschland innerhalb eines Monats.“

Musikrat startete Online-Petition „BR-Klassik muss bleiben!“
Der Bayerische Musikrat hat eine Online-Petition „BR-Klassik muss bleiben!“ gestartet. An der Stelle von BR-Klassik soll, so der Musikrat, mit einer „Jugend-Popwelle Massenware auf den starken UKW-Frequenzen Einzug halten“. Damit trete der BR in Konkurrenz zu privaten Medienhäusern, die ein Jugendradioprogramm anbieten und sich ausschließlich über Werbung finanzieren müssen: „Eine klare Verzerrung des Wettbewerbs“. Berthold Rüth, MDL/CSU, (Präsidenten des Musikverbandes Untermain) fordert Klassikliebhaber auf, die Petition zu unterzeichnen (weitere Infos: www.openpetition.de/petition/online/br-klassik-muss-bleiben). Seiner Meinung nach müsse BR-Klassik im UKW-Bereich „mindestens bis 2020 auch über UKW empfangen werden können.“

"Viele werden private Sender werden aufgeben müssen"
Dem BR gehe es allein darum, seinen eigenen Marktanteil gegen die Privaten zu erhöhen. Wegen dieser „Expansion des BR werden viele private Sender aufgeben müssen – und mit Ihnen verschwinden auch die Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region“, sagt Philipp von Martius (Geschäftsführer Studio Gong, Bayerischer Lokalradio Werbung und Radio Next Generation). Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte, „die Erfüllung des Kultur- und Bildungsauftrages ist die Voraussetzung für seine Existenz. Es ist deshalb geradezu widersinnig, dass der Bayerische Rundfunk den wichtigsten analogen Verbreitungsweg für BR-Klassik abstellen will und damit einen massiven Hörerverlust in Kauf nimmt.“ Der Deutsche Kulturrat ist der Spitzenverband der Bundeskulturverbände.
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