Uniklinik Würzburg: Führen Budgetkürzungen zur Rationierung von Leistungen?

Sehen mit dem Entwurf des Krankenhausstrukturgesetzes viele Finanzierungsprobleme auf die deutschen Universitätskrankenhäuser zukommen: Die Kaufmännische Direktorin Anja Simon und Prof. Christoph Reiners, der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Würzburg. (Foto: Uniklinikum Würzburg)
Würzburg Tritt das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) so in Kraft, wie es jetzt als Entwurf vorliegt, drohen den Krankenhäusern in Deutschland – allen voran den Universitätsklinika – massive Budgetkürzungen. „Eine Reihe von Regelungen sind geeignet, den Universitätsklinika praktisch von seinem Inkrafttreten an drastische Verluste zu bescheren“, kritisiert Anja Simon. Die Kaufmännische Direktorin des Uniklinikums Würzburg (UKW) schätzt, dass diese Einbußen für ihr Haus in einer Größenordnung von jährlich 17 Millionen Euro liegen werden.

Im Rahmen einer Pressekonferenz verdeutlichte Prof. Christoph Reiners, der Ärztliche Direktor des UKW: „Auch wenn wir in den letzten Jahren erfreulicherweise noch zu den wenigen Universitätsklinika in Deutschland mit positiven Bilanzen zählten, würde uns dieses Geld natürlich schmerzlich in der Patientenversorgung fehlen“. Deshalb müsse der Gesetzentwurf an mehreren Stellen erheblich verbessert werden.

Beispiel sei die geplante Regelungen zu den Extremkostenfällen: „Als Krankenhaus der Maximalversorgung behandeln das UKW mehr Patienten mit hochkomplexen Erkrankungen als die meisten anderen Krankenhäuser. Im Jahr 2014 versorgten wir rund 4000 solche überdurchschnittlich aufwändige Fälle. Die als Durchschnittspreise kalkulierten Fallpauschalen reichen nicht immer aus, um diese oft teuren Behandlungswege zu finanzieren“, schildert Anja Simon.

In Summe fehlen den 33 Uniklinika in Deutschland allein dadurch pro Jahr gut 100 Millionen Euro. Deshalb schlugen die Uni-Krankenhäuser ergänzend zu den Fallpauschalen einen Zuschlag vor, der diese Finanzierungslücke schließen soll. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe habe diesen Vorschlag abgelehnt – er setze weiter auf Anpassungen bei den Fallpauschalen. „Das Problem wird dadurch nicht gelöst, sondern einfach nur fortgeschrieben, sagte Anja Simon.

Ein weiteres Problem: „Das UKW versorgt immer mehr Patienten, zum Beispiel in den stationären Notaufnahmen oder in auf bestimmte Krankheiten hochspezialisierten Zentren. Es unterhält zahlreiche solche Hochleistungszentren, wie u. a. das Comprehensive Cancer Center Mainfranken oder das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz. Eine Reihe der UKW-Zentren bietet zudem eine Notfallversorgung in Netzwerken an – wie das Traumazentrum im Trauma-Netzwerk, das Herzzentrum im Herzinfarkt-Netzwerk, das Schlaganfallzentrum im Netzwerk Transit Stroke und das Strahlenunfallzentrum im Netzwerk der Regionalen Strahlenschutz-Zentren der Berufsgenossenschaft.

„Obwohl die Krankenkassen wie auch die gesundheitspolitisch Verantwortlichen diese Konzentration von Kompetenzen und die regionale Vernetzung wünschen, müssen wir dafür bezahlen, dass unsere Patientenzahlen wachsen“, führt Prof. Reiners aus. Für die Versorgung sei das laut dem Ärztlichen Direktor kontraproduktiv. „Als auch wirtschaftlich verantwortliche ‚Gesundheitsunternehmen‘ müssten wir auf diese drohende Situation mit budgetbedingten Rationierungen unserer Leistungen reagieren, wie sie die Patienten ja schon seit Jahren aus dem Bereich der niedergelassenen Ärzte kennen. Eine Folge davon wären dann zum Beispiel verlängerte Wartezeiten bei aufschiebbaren Behandlungen“, skizziert die Kaufmännische Direktorin.
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