Uniklinik: Neues Zentrum für Lymphknotenkrebs wird eröffnet

Prof. Hermann Einsele (rechts) und PD Dr. Stefan Knop leiten die neue Wilhelm Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom am Uniklinikum Würzburg. Vor einem stark vergrößerten Knochenmark-Ausstrichpräparat weist Prof. Einsele auf eine der vielen (violetten) Plasmazellen eines Myelom-Patienten hin. Bei Gesunden darf höchstens jede 20. Knochenmarkzelle eine Plasmazelle sein. (Foto: Uniklinikum Würzburg)
Würzburg „Die Heilung des Multiplen Myeloms und seiner vielen Komplikationen ist nach wie vor eine der großen Herausforderungen in der onkologischen Forschung“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Die Klinik zählt zu den europaweit führenden Zentren in der Entwicklung der dafür erforderlichen neuen Behandlungswege. Am Freitag, den 16. Oktober, eröffnet das Uniklinikum Würzburg offiziell mit einer „Wilhelm Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom“ einen Kristallisationspunkt dieser Arbeit.

Beim Multiplen Myelom entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen, beschreibt Prof. Einsele in einer Vorausmitteilung zur Vorstellung des neuen Zentrums die Krankheit. Sie überflute den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrückten durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. In Deutschland erkrankten pro Jahr etwa 3.500 Menschen an dieser bösartigen Variante des Lymphknotenkrebses, für die es noch keine Standardtherapie gebe. Die Würzburger Myelom-Forscher sind allerdings maßgeblich beteiligt an der Entwicklung und der erwarteten Zulassung eines Präparats zur Bekämpfung des Multiplen Myeloms mit im Labor hergestellten Antikkörpern.

Geleitet wird die Würzburger Therapieeinheit von Prof. Einsele: „Im neuen Zentrum entwickeln wir in einer weitgreifend interdisziplinären Zusammenarbeit vor allem neue Untersuchungswege der Erbsubstanz des Tumors, neue Techniken der Bildgebung und letztlich neue Immuntherapieansätze“, so Einsele. Der anerkannte Krebsexperte fährt fort: „Für unsere Patienten besonders wichtig sind die fächerübergreifenden Sprechstunden, da die Krankheit so viele verschiedene Organsysteme umfassen kann. Durch die Einbindung von Kollegen der Hämatologie/Onkologie, der Orthopädie, der Strahlentherapie sowie der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie können wir die Betroffenen noch deutlich besser betreuen.“ Die Krankheit sei bei den meisten Patienten nicht heilbar und könne zu erheblichen Komplikationen führen.

Der Name der Therapieeinheit leitet sich ab von der Wilhelm Sander-Stiftung, die die neue Zentrumsstruktur mit rund drei Millionen Euro fördert. Sie widmet sich der medizinischen Forschung in Deutschland und der Schweiz, insbesondere Projekten zur Krebsbekämpfung. Das Geld stammt aus den Nachlasserträgen des deutschen Unternehmers Wilhelm Sander, der im Jahr 1973 verstorben ist.

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos zu besuchen. Wichtig ist allerdings eine Anmeldung unter E-Mail: Schaefer_B@ukw.de oder Tel: 0931-20140001.
Sie beginnt um 14 Uhr im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) an der Oberdürrbacher Straße mit einem etwa einstündigen Festakt. Die Schirmherrschaft der Eröffnungsveranstaltung übernahm die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Danach schließen sich von 15:30 bis 17:00 Uhr sechs wissenschaftliche Vorträgen an. Experten der Würzburger Universitätsmedizin informieren allgemeinverständlich zu aktuellen Forschungsergebnissen und aussichtsreiche Therapieoptionen zu dieser bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks und ihren Behandlungsmöglichkeiten. Als weitere Informationsquelle präsentieren sich an Ständen im Foyer vor dem Hörsaal Selbsthilfe- und Patientengruppen sowie die Wilhelm Sander-Stiftung.
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