„Totentanz“ und die Liebe zu Würzburg: Die Stadt trauert um den bedeutenden Maler Wolfgang Lenz

So sah er sich selbst: Auf seinem monumentalen Wandgemälde im Ratssaal verewigte sich Wolfgang Lenz mit diesem Selbstporträt.
Die Stadt trauert um den Würzburger Maler Wolfgang Lenz. Zu seinen bedeutendsten Werken gehört das Bild des „Würzburger Totentanzes“: Hier stellt Lenz die Heiligenfiguren auf der Alten Mainbrücke als Skelette dar und klagt so vor dem Hintergrund der Zerstörung seiner Heimatstadt den Wahnsinn des Krieges an. Im Würzburger Rathaus hat er zwei Räume gestaltet: die Laube im Ratskeller und das riesige Wandgemälde im Ratssaal, das die Geschichte der Stadt von den ersten Funden bis heute illustriert. Wolfgang Lenz verstarb am 1. Januar im Alter von 88 Jahren.
„Lenz war einer der herausragenden Würzburger Künstler der Neuzeit“, sagt Bürgermeister Dr. Adolf Bauer. In den Mittelpunkt seines Schaffens hat Lenz oftmals die Geschichte Würzburgs gestellt. „Er war seiner Heimat sehr verbunden und ist Würzburg immer treu geblieben,“ so Bauer. Viele seiner Werke seien „von der Liebe zu Würzburg getragen“.
Für seine künstlerischen Leistungen zeichnete die Stadt Wolfgang Lenz mit dem Würzburger Kulturpreis aus. „Er war ein bedeutender Bürger und Künstler dieser Stadt. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren“, so Bauer.

Neuer Blick auf die Stadtgeschichte
Das Wandgemälde im Ratssaal, das die bewegte Stadtgeschichte in 36 Szenen zeigt - und auch ein Selbstbildnis des Künstlers beinhaltet - wird regelmäßig bei Rathausführungen vorgestellt. Neuerdings können die Besucher des Rathauses auch dann einen Blick auf das Gemälde werfen, wenn der Ratssaal verschlossen ist: Auf dem Flachbildschirm vor dem Sitzungssaal, wo sonst die Tagesordnung dargestellt wird, leuchten täglich von 11 bis 14 Uhr (Freitags von 10 bis 13 Uhr) 19 hochauflösende Fotografien auf. In einer 15-minütigen Animation des freischaffenden Kameramanns und Regisseurs René Anderl kommt der Betrachter so dem monumentalen Werk auch in den Winkeln nahe, die weit über Augenhöhe liegen.
Nach dem Kriegsdienst 1943-45 absolvierte Wolfgang Lenz eine Ausbildung als Maler bei Heiner Dikreiter in der Kunst- und Handwerkerschule in Würzburg. Im Anschluss studierte er bis 1958 an der Akademie der Bildenden Künste in München. Von 1959 bis 1971 dauerte seine Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule in Würzburg, danach war er freiberuflich tätig.
1975 wurde Lenz das Bundesverdienstkreuz, 1989 der Bayerische Verdienstorden sowie 1998 die Medaille „Pro Meritis“ des Bayerischen Kultusministeriums verliehen. Zu seinen Werken zählen unter anderem die Bemalung des eisernen Vorhangs und der Decke im Hessischen Staatstheater Wiesbaden, die Rekonstruktion und Ergänzung aller Hinterglasmalereien des Spiegelzimmers der Würzburger Residenz, das Hochaltarbild für die Asamkirche in Straubing und die Ausmalung der „Fränkischen Weinstube“ der Bayerischen Landesvertretung in Berlin.
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