„Schülergartenbewegung“ in Würzburg: Gärten für die Arbeit und die Ferien

Schulkinder bei der Arbeit. Postkarte aus der Sammlung von Erwin Schmollinger, um 1930
Würzburg Sie hatte in den 1890er-Jahren ihren Ursprung in Österreich, kam dann über die Schweiz auch nach Deutschland: Die „Schülergartenbewegung“. Dabei wurden die größten Arbeitsschulgärten in Leipzig und Hannover bereitgestellt. Auch in Würzburg war man in dieser Angelegenheit aktiv, denn bereits 1908 wird ein kleiner Garten an der Schillerschule erwähnt.

Allerdings: Lange bevor die eigentliche „Schülergartenbewegung“ nach Deutschland überschwappte, beschäftigten sich Landesfürsten mit dem Thema Gartenbau in der Schule. Im Hochstift Würzburg tat sich dabei Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) hervor. Unter ihm wurde Franz Oberthür Schuldirektor, der für durchgreifende Reformen auf dem Bildungssektor sorgen sollte. Unter anderem begann man, Lehramtsanwärter auch auf dem Gebiet „Obstbau- und Gemüsezucht“ zu schulen. Zur praktischen Betreibung dieses Lehrfaches stand damals der Hofgarten (!) zur Verfügung.

Erwin Schmollinger sammelt Material für Buch "Würzburger Schülergärten"
Dies fand bei seinen Recherchen der Keesburger Heimatforscher Erwin Schmollinger heraus. Er sammelt Material zu dem Thema, um für den Naturwissenschaftlichen Verein Würzburg e. V. ein Buch mit dem Titel „Würzburger Schülergärten“ herauszubringen. Dazu ist Schmollinger noch auf Datensuche mit den Fragen: Welcher Schulgarten der Neuzeit wurde noch nicht erfasst? Wer hat noch Wissen oder Bildmaterial aus der Zeit vor 1945? (Telefon 0931/71572).

Unter dem Begriff „Schülergarten“ verstand man im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts einmal den „Arbeitsschulgarten“, welcher den Schülerwerkstätten, den Schulen und deren Klassen vorbehalten blieb. Man meinte damit Gärten, in denen jeder Schüler ein entsprechendes Beet zugeteilt erhält, um es selbstständig zu bebauen. Ein zweiter Aspekt war der Schülergarten als „Ferienkolonie“. Während sich viele Stadtkinder bei Verwandten und Bekannten auf dem Lande schöne Ferientage gönnen konnten, war dies den weniger begüterten Familien nicht möglich. Mit der Schaffung der Ferienkolonien konnten Kinder finanzschwacher Eltern tagsüber in den Gärten aufgenommen und versorgt werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.