Persönliches, Politik und Perspektiven: OB-Kandidat Muchtar Al Ghusain im Interview

Muchtar Al Ghusain (Foto: Hans Hummel)
Muchtar Al Ghusain bewirbt sich um das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Würzburg und ist gemeinsamer Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD. Im Falle seines Wahlsieges wäre Al Ghusain der erste Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund in Deutschland.

primaSonntag: Wer ist Muchtar Al Ghusain?
Muchtar Al Ghusain: Auch wenn man es nicht vermutet: Ich bin Würzburger von klein auf. Mit meiner Heimatstadt verbinde ich zahllose Erinnerungen an Kindheit, Schulzeit, Studium, an meine kirchliche Jugendarbeit in Gerbrunn und auf der Sieboldshöhe, meine Zeit im Sportverein, meine ersten musikalischen Auftritte und vieles mehr. Heute lebe ich mit meiner Frau und unseren beiden Kindern auf der Keesburg.

Woher kommt der ungewöhnliche Name?
Al Ghusain: Meine Mutter kam Anfang der 1950er Jahre mit ihren Eltern von Erfurt nach Würzburg. Sie und mein Vater, der aus der Nähe von Jerusalem stammt, lebten nach ihrer Heirat zunächst in Kuwait, wo ich geboren wurde. Einige Jahre später zogen wir nach Gerbrunn in das Haus meiner Großeltern. Ich habe in Würzburg Abitur gemacht, Zivildienst geleistet und Musik studiert. In Hamburg habe ich zusätzlich ein Diplom in Kulturmanagement erworben, war danach Leiter der Städtischen Musikschule und dann des Kulturbüros der Stadt Schwäbisch Gmünd. Bevor ich nach Würzburg zurückkehrte, war ich sechs Jahre Referatsleiter im niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover. Seit 2006 bin ich in unserer Stadt Kultur-, Schul- und Sportreferent.

Sie möchten Würzburgs OB werden. Welche Motivation steht dahinter?
Al Ghusain: Ich möchte gestalten und mit meiner Erfahrung, meinem Wissen, der nötigen Bodenhaftung und im engen Kontakt mit den Menschen die bestehenden Herausforderungen anpacken und zu guten Ergebnissen führen. Ich möchte die Menschen wieder neu für ihre Stadt begeistern. Und: ich glaube, es ist an der Zeit, dass in Deutschland erstmals auch ein Mensch mit Migrationshintergrund Oberbürgermeister werden sollte.

Für welche Inhalte stehen Sie?
Al Ghusain: Für mich stehen Bürgerdialog und Bürgerbeteiligung im Zentrum meines Programms. Auf einem gestärkten Miteinander bauen die inhaltlichen Themen auf: Eine soziale Stadt, wie ich sie mir wünsche, lässt keinen zurück, weder junge noch alte Menschen, weder Alleinerziehende noch Migranten, und auch nicht die ganz „normal“ Arbeitenden, bei denen aber das Monatsgehalt oft nicht einmal reicht, die Miete zu bezahlen oder ihre Familie zu versorgen. Ich wünsche mir ein weltoffenes, freundliches Würzburg, eine Stadt, die Gäste und Neubürger mit offenen Armen begrüßt. Und ich will als Oberbürgermeister unsere Chancen nutzen: Stadtentwicklung am Hubland, in der Innenstadt und den Stadtteilen, Investitionen in unsere Infrastruktur, unsere Verkehrswege und unsere Bildungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Und ich will am Erhalt unserer Umwelt mitwirken. Unsere Kinder sollen auch in vielen Jahren noch in einer gesunden und menschenfreundlichen Umwelt leben können.

Wie können wir uns den Bürgerdialog konkret vorstellen?
Al Ghusain: Zum Beispiel durch Bürgersprechstunden – nicht nur im Rathaus, sondern auch in den Stadtteilen. Zum Beispiel durch die Einrichtung einer Stabsstelle Bürgerdialog und Bürgerbeteiligung direkt beim Oberbürgermeister. Öffentliche Sitzungen des Stadtrates könnten live im Internet übertragen werden. Es ärgert mich immer, wenn ich erlebe, wie Politiker an den Menschen vorbei reden, wenn sie langweilen oder unverbindlich reden. Ich habe Freude daran, den Menschen komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären und damit ihre Zustimmung und ihre Motivation für unsere Stadtgesellschaft zu gewinnen. Das gilt ganz besonders für junge Menschen. Ich möchte ihre Identifikation mit unserer Stadt stärken und werde sie deshalb regelmäßig ins Rathaus einladen.

Welche Themen liegen Ihnen außerdem am Herzen?
Al Ghusain: Unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind Motoren für unsere Leistungsfähigkeit und Innovationskraft. Unserer Schulen liefern ihnen dafür die Grundlagen. Ich möchte den Erfindergeist und die Existenzgründer ermutigen: Würzburg ist der richtige Ort für ihr Engagement! Die Wirtschaft, der Einzelhandel, das Handwerk und die Dienstleistungsunternehmen sind dabei meine Partner, ebenso wie die Gewerkschaften. Ich möchte sie stärken und in ihrer Arbeit unterstützen. Das Handwerk braucht dringend qualifizierte Auszubildende! Manche vergessen: Auch ohne Abitur gibt es hervorragende Perspektiven!

Welche Chancen sehen Sie im neuen Stadtteil am Hubland?
Al Ghusain: Der neue Stadtteil am Hubland ist eine Jahrhundertchance. Wir brauchen eine gute Anbindung des Stadtteils an die Innenstadt. Nur eine neue Straßenbahnlinie kann das perfekt ermöglichen. Wo die Planung noch Schwächen hat, müssen wir sie verbessern. Am Hubland werden neue Wohnungen entstehen und es gibt Platz für Gewerbe und Unternehmen. Wir sollten unsere Aufmerksamkeit aber nicht nur auf das Hubland richten. Jeder Stadtteil hat seine Besonderheiten und verlangt nach neuen Ideen. Familien benötigen bessere Angebote für die Kinderbetreuung in Kitas und Schulen, Senioren brauchen Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten in ihrer Nähe und junge Menschen wollen ein attraktives Bildungs- und Freizeitangebot.

Was sollte Ihrer Meinung nach am Mozart-Areal passieren?
Al Ghusain: Historische Gebäude und Straßenzüge geben unserer Stadt ihr Gesicht. Denkmalschutz und Kultur gehören deshalb zu einem modernen Zentrum Mainfrankens. Einen Totalabriss am Mozartareal lehne ich ab. Wünschenswert wäre zur Hofstraße hin eine öffentliche Nutzung des bestehenden Gebäudeteils zum Beispiel mit einem WelcomeCenter als Begegnungsort und Informationszentrum für Einheimische und Gäste sowie eine Ausstellungsfläche für die moderne Stadtgeschichte, für regionale Künstler sowie für aktuelle Themen. Im weiteren Bereich bis zum Faulhaber-Platz wären Hotel, Einzelhandel und Wohnen sicher sinnvoll. Eine Verbindung von Kultur und „Kommerz“ wäre nach meiner Auffassung in jedem Fall das bessere Konzept als Entweder-oder-Lösungen, die die Stadt nur wieder spalten.

Die nächsten Veranstaltungen mit Muchtar Al Ghusain
Montag, 13. Januar: StadtGespräch "Älter werden in Würzburg. Ist Würzburg eine Stadt für
alle Generationen?", Matthias-Ehrenfried-Haus (Bahnhofstr.), 19.30 Uhr
Samstag, 18. Januar: StadtteilSpaziergang: "Was bewegt das Frauenland?", Treffpunkt am Kees-Denkmal, Hans-Löffler-Straße, 14 Uhr
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