Pavillonbau hängt von Strabaplänen ab - läuft der Stadt die Zeit davon?

Blick auf die südliche Reihe der in den 50er-Jahren gebauten Pavillons auf dem Bahnhofvorplatz. Sie sollen Neubauten weichen – bis zum Beginn der Landesgartenschau im Frühjahr 2018.
In gut zwei Jahren, im Frühjahr 2018, sollen die vom Stadtrat geplanten neuen Pavillons am Bahnhofsvorplatz fertig gestellt sein und den Mietern gebrauchsfertig übergeben werden. Zu den neuen Pavillons gehört zudem die Platzgestaltung. Die recht große Baustelle muss wohl verschwinden, wenn in diesen Tagen in zwei Jahren der gewünschte Ansturm von Besuchern zur Landesgartenschau beginnt.

Die „Planungen des Vorplatzes sind unmittelbar abhängig von den Vorplanungen der Straßenbahn. Nur wenn klar definiert ist, wie die Planung der Linienführung aussehen soll, macht eine städtebauliche Begleitplanung hinsichtlich der Oberflächengestaltung Sinn“. Diese Sätze kann man in einer schriftlichen Expertise von Stadtbaurat Prof. Christian Baumgart nachlesen, die er auf eine Anfrage des ÖDP-Stadtrats Raimund Binder am 3. Juli 2014 im Stadtrat vortrug.

Und weiter sagte damals Baumgart: „Die Planungen der Würzburger Straßenbahn sind ohne verlässliche Aussagen insbesondere zur zukünftigen Ordnung von Taxistellplätzen und Fahrradabstellanlagen nicht weiter zu entwickeln. Aufgrund der gegebenen Platzverhältnisse und der zu berücksichtigenden Randbedingen des Glacis, stellt dies eine große Herausforderung dar“.

Verlässliche Aussagen oder gar Planungen zu den Taxistellplätzen am Bahnhof gibt es bis heute nicht. Ob die Bundesbahn tatsächlich den Bereich von Gleis 1 für Fahrradstellplätze zur Verfügung stellt, ist offen. Sie soll es zwar hin und wieder geäußert haben. Aber schriftlich festgehalten ist nichts. Demnach, dem Stadtbaurat folgend, kann auch die Straßenbahn die Planung ihrer künftigen Linienführung letztlich noch nicht zu Ende gedacht haben.

Die Pavillonplanung laufen derzeit trotzdem in höchster Eile. Bis Juni dieses Jahres sollen Vorplanungen abgeschlossen sein. Nimmt man die Worte des Stadtbaurats von 2014 ernst, kann man nur die Frage stellen: Sind denn die Vorplanungen zur Gleisführung der Straßenbahn ausreichend und auch vom Stadtrat akzeptiert?

Nachdem das nördlich des Bahnhofs gelegene Bahngelände mit dem Posthochhaus und den Posthallen in diesen Tagen von der „Würzburger Beethovengruppe“ gekauft worden ist – wir erinnern uns: das Gelände, auf dem einstmals u. a. das Einkaufszentrum Arkaden gebaut werden sollte, was bei einem Bürgerentscheid abgelehnt wurde – ist die Vorstellung der Stadt, dort einen Omnibusbahnhof bauen zu können, möglicherweise zu den Akten zu legen. Auswirkungen auf die Gleisführung der Straßenbahn?

Die Frage, die sich hier anschließt: Welchen Stellenwert nehmen die Pavillons in diesem Riesenprojekt Entwicklung eines modernen Bahnhofes ein? Was in der Würzburger Stadtrats- und Rathauspolitik derzeit abläuft ist doch: Ohne Planung der grundlegenden Maßnahmen wird mit dem Unwichtigsten, vielleicht gar Überflüssigen, mit den Pavillons, begonnen.

Sie tragen zur Funktionalität des Bahnhofvorplatzes als Verkehrsumschlagplatz nichts bei, stören eher seine irgendwann folgende Entwicklung. Und es wird offensichtlich auch vergessen, dass der vorhandene Platz nicht vergrößerbar ist. Die Kosten belaufen sich derzeit auf 4,3 Millionen Euro. (ser)
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