Passantin: „Die Straße gehört jetzt uns“

Die Spiegelstraße wurde zur Fußgängerzone umgewidmet. Damit werden die bislang rund 4000 Kraftfahrzeuge verbannt, die tagtäglich innerhalb 24 Stunden nach Parkmöglichkeiten auf den knapp zwei Dutzend Parkplätzen suchten.
Würzburg Wer hätte das gedacht: Seit zwei Wochen haben wir in Würzburg in der Spiegelstraße eine Fußgängerzone. Drei entsprechende Verkehrszeichen sind an der Einfahrt zur Spiegelstraße am Kardinal-Faulhaber-Platz angebracht, eine durchgehende Linie gezogen worden: Stündlich, so sagte Werner Balko, Mitarbeiter des städtischen Verkehrsüberwachungsdienstes, seien 60-80 Kfz in die neue Fußgängerzone eingefahren – und da kein anderer Ausweg war, drehten sie an der Kreuzung Spiegel-/Eichhornstraße eine Runde und fuhren wieder zurück. Am Mittwoch letzter Woche wurde es dann ernst. Das Einfahren von Nichtberechtigten (berechtigt: Garagenbesitzer, Lieferanten für die Geschäfte, Taxi u.a.) in die Straße wurde gebührenpflichtig. Und auch nicht nur vorübergehend bis Weihnachten, sondern dauerhaft.

Dabei ist es nicht so, dass die Spiegelstraße morgen zur Baustelle wird: Die Zeitplanung zur Fußgängerzone Eichhornstraße/Spiegelstraße sieht vor, dass sie als letzter Bauabschnitt voraussichtlich 2016/2017 entstehen wird. In der Eichhornstraße, so der städtische Projektleiter Holger Döllein, sehe vor, dass – nachdem der Bauabschnitt zwischen Martinstraße und Herrnstraße weitgehend abgeschlossen ist –vor Weihnachten noch die nördliche Seite der Eichhornstraße entlang der bereits verlegten straßenmittigen Rinne bis zur Herzogenstraße mit Platten belegt wird. Auf der südlichen Seite werde der Straßenbau - wetterabhängig - noch so weit vorangetrieben, dass Ende November dort zwar voraussichtlich noch keine Platten gelegt sind, aber ein ansehnliches Provisorium dem weihnachtlich gestimmten Publikum barrierefreies Bummeln und den uneingeschränkten Zugang zu allen Geschäften gewährleiste, versprach Döllein.

"Wir wollen, dass sich alle entspannen können"
Genau da dockt auch die Idee an, jetzt schon die Spiegelstraße als Fußgängerzone zu bestimmen. „Wir wollen, dass sich alle entspannen können“, sagte Projektleiter Holger Döllein, die Bauarbeiter mit ihren Maschinen, die Baustellenzulieferer, die Geschäftsleute und die Fußgänger: „Wer die vergangen Wochen die Baustelle für die Fußgängerzone in der Eichhornstraße beobachtet hat, sah, dass wir auf einen Verkehrsinfarkt zusteuerten. Für den Autoverkehr in der Eichhornstraße/Spiegelstraße ist kein Raum mehr vorhanden und zudem verzögerte er den Baustellenverkehr.“

Auch der Sprecher der „Straßengemeinschaft in der Eichhornstraße“ (Eichhörnchen), Joachim Drescher, sieht das ähnlich. „Wenn so gewährleistet ist, dass der Baufortschritt zügiger werden kann, sagen wir Geschäftsleute dazu ja“. Und nicht zuletzt eine ältere Fußgängerin, die mitten auf der Spiegelstraße einen Autofahrer durch das offene Seitenfenster freundlich aber bestimmt anraunzte: „Die Straße gehört jetzt uns“.

2017: Fußgängerzone wird fertiggestellt
Die weiteren Planungen, so Holger Döllein, sehen so aus: 2015 sei vorgesehen, den Platz Eichhornstraße/Spiegelstraße herzurichten. Bereits jetzt wurden die ersten Grabungen begonnen, in denen später Versorgung- und Entsorgungsrohre verlegt werden. Auch die Archäologen sind vor Ort – wie immer, wenn es in die Tiefe geht. 2016 ist der Ausbau der Fußgängerzone in der Eichhornstraße bis zur Theaterstraße vorgesehen und 2017 soll die Spiegelstraße folgen. Die geplante Fußgängerzone wäre dann fertiggestellt.

Knapp zwei Wochen Präsenz an der Einfahrt zur Spiegelstraße am Kardinal-Faulhaber-Platz hat laut Werner Balko dazu geführt, dass weit mehr als 4.000 Autofahrer die in die neuen Fußgängerzone einfahren wollten, informiert wurden, gebührenfrei. Was allerdings nach dem Ende der Gebührenfreiheit am Mittwoch (Knöllchen) durchaus noch eine ansehnliche Zahl von Autofahrern nicht davon abhielt, die Einfahrt trotz der Präsenz der Verkehrsüberwacher noch einmal zu versuchen. Insgesamt aber, so Balko, sei die Zahl deutlich verringert worden.

Stadtrat: Wichtiger Beitrag zum Klimaschutz der Stadt
Der Stadtrat hat Anfang Juli dieses Jahres beschlossen, die Fußgängerzone Eichhornstraße nach Osten bis zur Theaterstraße und eine Fußgängerzone in der Spiegelstraße zu erstellen. Allein die Buslinien 6 und 16 sollen nach der Fertigstellung der beiden Fußgängerzonen über die beiden Straßen - ohne Behinderungen - wieder in Richtung Dominikanerstraße fahren können. Im Bereich der Spiegelstraße entfallen fünf durch die Stadt bewirtschafteten Parkplätze, in der Eichhornstraße deren 18 und ein Behindertenstellplatz. Darum stritten sich täglich rund 4000 Kraftfahrzeugfahrer. Insgesamt sieht der Stadtrat mit den Baumaßnahmen neben eine Stärkung des dortigen Einzelhandels „eine erhebliche Lärmentlastung, weniger Schadstoffe in der Luft und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz der Stadt“. –ser
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.