„Nowitzki - Der perfekte Wurf“: Interview mit Regisseur Sebastian Dehnhardt

NBA-Star Dirk Nowitzki.
Mit über 35 Regiearbeiten gehört der 46jährige Doku-Macher Sebastian Dehnhardt zu den ganz wichtigen Filmemachern Deutschlands. Neben aufrüttelnden Weltkriegs-Beschreibungen gelang ihm mit dem „Drama von Dresden“ sowie zuletzt einen Film über den Boxer „Klitschko“ auch der große Wurf im Kino. Richard Roetz traf für primaSonntag den vielbeschäftigten Sebastian Dehnhardt vor kurzem in Köln im Schneideraum zum Gespräch.

Sie haben aus über 100 Stunden einen Film von etwa 105 Minuten erstellt. Tut Ihnen das nicht weh, so viel Material ungenutzt zu lassen?
Dehnhardt:
Ich muss Ihnen gestehen, bei der Angabe 100 Stunden habe ich gelogen. Ich glaube, das waren mehrere 100 Stunden. Allein der Schnitt dauerte über 120 Tage. Vieles ist in Slow-Motion gedreht. Dazu kommt das Archivmaterial, das ich zur Verfügung hatte. Der Rohschnitt der ersten Fassung war 180 Minuten lang. Und den dann auf 105 Minuten einzudampfen, das hat brutal wehgetan. Es musste dabei auch viel weggelassen werden, wie Dirk Nowitzkis Engagement bei der Nationalmannschaft und Olympia. Das sind Themen, die eine Geschichte in der Geschichte darstellen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Doku und der Realisierung eines Spielfilms?
Dehnhard:
Ich sehe da gar keinen Unterschied in der Dramaturgie. Für beide gelten die gleichen Gesetzmäßigkeiten. Hier ist es eine Figur, die sich entwickeln muss. Beim Spielfilm hat man vor dem Schnitt ein Drehbuch, nach dem man vorgeht. Und bei einer Doku muss man puzzeln, wobei ich schon einen roten Leitfaden habe. Auf einen Kommentar habe ich verzichtet, wie er bei Fernsehformaten üblich ist. Denn der Nowitzki-Film ist fürs Kino gemacht. Hier ist es wichtig, dass sich alles von selbst erklärt.

Der größte Anteil der Szenen ist in den USA entstanden. Wie kamen Sie mit den Behörden und Vereinen zurecht?
Dehnhardt:
Mit einem Journalistenvisum darf man dort mit dem eigenen Team arbeiten. Wobei es auch Leute vor Ort gibt, die ich kenne, etwa einen Ton-Mann, mit dem ich schon öfters sehr gut zusammen gearbeitet habe. Aber um die Genehmigungen von der NBA zu erhalten, dort in Vereinen und bei den Spielen drehen zu dürfen, bedurfte es einiger Tricks.

Wie kamen Sie an den Besitzer der Mavericks, dem Milliardär Marc Cuban heran?
Dehnhardt:
Das war zunächst nicht einfach. Aber da es um Dirk Nowitzki ging, der für den Verein sehr wichtig ist, hat er unser Filmprojekt unterstützt.

Wie kriegten Sie überhaupt Dirk Nowitzki ins Boot?
Dehnhardt:
Wir haben ihn etwas überrumpelt. Wir begannen zu drehen, bevor er wusste, dass es dieses Projekt überhaupt geben würde. Dahinter steht auch der Spiritus Rector, Holger Gschwindner, sein Freund und Coach und Mentor. Der kannte auch meinen Film „Klitschko“ und fand ihn toll. Er sagte zu mir, wenn der Film über Dirk so werden würde wie „Klitschko“ dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Dirk hatte sein Karrierehoch 2011. Ob das nochmals passiert, wissen wir nicht. Und auch er wird nicht jünger...
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