„Niemand soll allein gelassen werden“

Bange Frage: Was die Zukunft wohl bringt?
Würzburg Überfallartig brach die Frage der Unterbringung im September über die Stadt herein – wie über alle anderen Städte und Landkreise in Bayern auch. Nahezu binnen weniger Tage musste das Rathaus Unterbringungsmöglichkeiten für rund 40 Flüchtlinge schaffen – notgedrungen musste die Stadt auf eigene, schnell zu realisierende Projekte zurückgreifen und bestimmte ebenso überfallartig das Selbsthilfehaus in der äußeren Pleich als erstes Projekt für die Unterbringung zugeteilter Flüchtlinge. Da gab es einige Wallungen – jetzt ist um dieses Verfahren wieder Ruhe eingekehrt. Die Stadt hat – was in diesem Zusammenhang eine Frage der Zeit war – gelernt, bereitet vor und informiert bei Neuanmietungen in Bürgerversammlungen die im Umfeld Wohnenden über ihr Vorhaben.

Enge Zusammenarbeit: Regierung und Stadt Würzburg
Diese Arbeitsweise fand denn auch den Beifall der Mitglieder des Sozialausschusses des Stadtrats in seiner letzten Sitzung in der vergangenen Woche: Ein Tagesordnungspunkt in der von Bürgermeisterin Marion Schäfer geleiteten Sitzung, in der (Noch-) Sozialreferent und Stadtkämmerer Robert Scheller einen Bericht gab über die Maßnahmen der Stadt zur Unterbringungen von Flüchtlingen und auch zu der Zusammenarbeit mit der Regierung von Unterfranken. Von den 38 Plätzen der Stadt sind derzeit 32 belegt. Die Stadt plant weitere Unterkunftsmöglichkeiten, mit denen sie dann in der Lage ist, ab Januar „in eigener Verantwortung“ insgesamt 102 Plätze anbieten zu können, im Heidingsfelder Schäferhaus (20) und am Prager Ring 2 auf dem Heuchelhof (40). Weitere 100 Plätze sind in Vorbereitung.

Informationsabend für das Haus Prager Ring 2
Wie bei der Auswahl des Schäferhauses wurde – am Donnerstag vergangener Woche - ein Informationsabend für das Haus Prager Ring 2 veranstaltet. Das Konzept, so Robert Scheller, sehe vor, Sorge dafür zu tragen, „dass niemand allein gelassen wird, die im Umfeld wohnenden Bürger nicht und auch die Flüchtlinge nicht“. Am Donnerstagabend gab es denn auch ausführliche Informationen zur aktuellen Flüchtlingssituation in Würzburg und das geplante Wohnungs- und Nutzungskonzept in der neuen Unterkunft. Es werde für die Flüchtlinge ein „Ansprechpartner rund ums Wohnen“ geben und eine Sozialarbeiterin werde für Fragen des Alltags vor Ort sein. Die Stadt Würzburg ist auch für 103 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zuständig. Diese sind teilweise in Stadtgebiet (bspw. im Don – Bosco) untergebracht, teilweise auch in einem größeren Umfeld der Stadt).

Mit einer anderen Seite der aktuellen Flüchtlingsunterbringung befasst sich in enger Zusammenarbeit mit der Stadt die Regierung von Unterfranken. Nachdem sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat, dass der Freistaat mit dem Erstaufnahme von Flüchtlingen in Zirndorf und mit der Münchner Notunterkunft nicht mehr in der Lage ist, alle Ankommenden aufzunehmen, wurden die Bezirksregierungen angehalten, sich um Notunterkünfte in den bayerischen Bezirken zu kümmern.
Eingebunden sind dazu in Würzburg die Gemeinschaftsunterkunft in der Veitshöchheimer Straße, eine Unterkunft bei den Erlöserschwestern und eine in der Aula des ehemaligen Technikums auf dem Heuchelhof.

Geplant in Schweinfurt: Weitere Aufnahmestelle für Bayern
In diesen Räumlichkeiten sollen die ankommenden Flüchtlinge im Grunde höchstens eine Woche bleiben. Sie werden erfasst, medizinisch betreut und werden dann umgehend an ihren Bestimmungsort weitergeleitete, der auch in einem anderen Bundesland sein kann. Die Aula im Technikum als Notunterkunft geht auf eine Initiative der Stadt im Oktober zurück. Regierungspressesprecher Johannes Hardenacke machte in einem Gespräch mit dieser Zeitung deutlich, dass die Regierung über diese Initiative sehr dankbar sei. Inzwischen muss die Regierung weiter für hunderte Flüchtlinge in Unterfranken Unterkünfte suchen. Geplant ist offenbar, in Schweinfurt eine weitere Aufnahmestelle in Bayern einzurichten.

Dieses Jahr: 4.000 Asylbewerber für Unterfranken
In Unterfranken leben derzeit über 4.100 Asylbewerber. Sie sind nach einer Mitteilung der Regierung von Unterfranken in 25 Gemeinschaftsunterkünften und über 120 dezentralen Unterkünften der Städte und Kreisverwaltungsbehörden untergebracht. Bis Ende Oktober sind in diesem Jahr etwa 2.900 Asylbewerber neu nach Unterfranken gekommen, allein im Oktober rund 820, davon 540 aus der Aufnahmeeinrichtung Zirndorf und 280 im Wege der Notaufnahme aus der überfüllten Aufnahmeeinrichtung München. Die Regierung rechnet insgesamt für dieses Jahr mit 4.000 neuen Asylbewerbern in Unterfranken. –ser
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