Neue Hoffnung für Herzpatienten

Die weltweit kleinste Herzunterstützungspumpe kann mit einem vergleichsweise gefahrlosen Eingriff in der Nähe des Schlüsselbeins implantiert werden. Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz in Würzburg ist die einzige Klinik in Süddeutschland, wo dieser Eingriff durchgeführt wird. Bild CircuLite
 
Prof. Ivan Aleksic

Erstmals in Süddeutschland: Deutsches Herzzentrum Würzburg implantiert Mini-Herzpumpe

Der 67 Jahre alte Mann wartet schon lange auf ein neues Herz. Irgendwann wird seine Lage kritisch – und immer noch gibt es kein Spenderherz für ihn. Das kleine Wunder: Heute geht es dem Mann wieder gut – auch ohne ein neues Herz. Professor Ivan Aleksic hat ihm vor einigen Wochen eine Mini-Herzunterstützungspumpe eingesetzt. „Der Patient ist nach der Operation wieder wohlauf und berichtet von einer deutlichen Besserung seiner Beschwerden. Er kann wieder ohne Luftnot laufen und die Nierenfunktion, die durch die Herzschwäche sehr eingeschränkt war, hat sich völlig normalisiert".

Premiere im OP-Saal
Die Operation war also ein Erfolg – und eine Aufsehen erregende Premiere: Im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz in Würzburg wurde erstmals an einer Klinik in Süddeutschland einem Patienten die weltweit kleinste Herzunterstützungspumpe eingesetzt. Professor Dr. Ivan Aleksic hat die OP durchgeführt; er ist  Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW).
Transplantationspatienten müssen auf ein Spenderherz oft mehrere Jahre warten. Herzunterstützungspumpen sind dann eine von wenigen Möglichkeiten, die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken. Die neue Pumpe ist kaum größer als eine Mignon-Batterie (AA) und wiegt nur 25 Gramm. Trotzdem kann das Gerät bis zu vier Liter Blut in der Minute pumpen. Das sind 80 Prozent der Pumpleistung eines gesunden Herzens.

Herzpumpe unter der Haut
Wegen seiner geringen Größe kann das System, ähnlich wie ein Herzschrittmacher, unter der Haut in der Nähe des Schlüsselbeins implantiert werden. Bisher war für das Einsetzen solcher Herzunterstützungssysteme die Öffnung des Brustkorbs unter Verwendung einer Herz-Lungenmaschine nötig. „Die Operation zum Implantieren der kleinen Herzunterstützungspumpe ist sehr viel schonender. Dadurch können wir das Operationsrisiko für die Kranken deutlich senken", schildert Prof. Aleksic.
Das neue Verfahren wird am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz von einem Expertenteam aus Herzchirurgen, Anästhesisten, Intensivmedizinern und Kardiologen durchgeführt. Die Mediziner sind auf die Behandlung von Patienten mit besonders starker Herzschwäche spezialisiert. Gemeinsam führen sie die Voruntersuchungen, die Implantation und die Nachbetreuung der Patienten durch. „Wir setzen unsere ganze interdisziplinäre Erfahrung ein und hoffen, mit diesem System die Lebensqualität schwer herzkranker Menschen weiter zu verbessern", sagt Prof. Dr. Rainer Leyh, Sprecher des Transplantationszentrums des Universitätsklinikums.


Der Würzburger Herzspezialist Prof. Ivan Aleksic im Interview
"Normal leben mit der Mini-Pumpe"

Im Zentrum für Herzinsuffizienz an der Würzburger Uniklinik wurde erstmals an einer Klinik in Süddeutschland die weltweit kleinste Herzpumpe eingesetzt: Professor Dr. Ivan Aleksic hat die OP durchgeführt.

primaSonntag: Die Mini-Herzpumpe bekommen schwerkranke Herzpatienten, um die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken. Kann mit der Pumpe auch ganz auf ein Spenderherz verzichtet werden?
Prof. Ivan Aleksic: Das ist genau der Punkt! Unser Patient kam mit knapp 65 Jahren auf die Warteliste. Das Verfahren, um zu einem Spenderherz zu gelangen, ist genau festgelegt: Ein Gremium aus einem Vertreter der chirurgischen Fachabteilung, ein Kardiologe und ein Vertreter des Ärztlichen Direktors der Universitätsklinik müssen sich einig sein, bei der Vermittlungsstelle für Organspenden, Eurotransplant, einen Antrag auf hohe Dringlichkeit für ein Spenderherz zu stellen. Bei unserem Patienten wurde so ein Antrag nicht gestellt, weil er so lange nicht hätte warten können. Seine Optionen: Entweder er bekommt ein „Kunstherz“, ein großes Pumpsystem, das nur mittels einer „großen“ Operation und unter zur Hilfenahme einer Herz-Lungen-Maschine implantiert werden kann. Oder er setzt auf die Mini-Herzunterstützungspumpe. Hier dauert die OP maximal 45 Minuten dauert, es wird keine Herz-Lungen-Maschine benötigt. Unser Patient hat sich dafür entschieden.

Bleibt der Patient trotz der erfolgreichen OP auf der Warteliste?
Aleksic: Ja, aber er kann auch sagen: Mir geht es mit dieser Mini-Pumpe so gut, dass ich kein Spenderherz mehr möchte. Das Einsetzen einer neuen Pumpe ist ein relativ unproblematischer Eingriff. Mit entscheidend  ist auch: Wie will der Patient leben? Mit der Pumpe kann er normal spazieren gehen oder auch einkaufen - aber er kann beispielsweise keinen anstrengenden Sport treiben.
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