Nach Dürrnagel: Was wird aus dem Waldhaus des Verschönerungsvereins?

Das Waldhaus im Steinbachtal etwa um das Jahr 1912. (Foto: Archiv Dürrnagel)
 
Willi Dürrnagel
Würzburg Seit dem 9.April dieses Jahres ist Willi Dürrnagel nicht mehr Vorsitzender des Verschönerungsvereins Würzburg (VVW). Er stellte sich der damaligen Hauptversammlung nicht mehr zur Wahl. Mit ihm vollzogen auch der dritte Vorsitzende des Vereins, Frieder Sünderhauf, und der Vermögensverwalter Florian Jung, denselben Schritt. Zur neuen Vorsitzenden wählte die Mitgliederversammlung Dr. Suse Schmuck. Hintergrund des Vorgangs waren offenbar nicht zu überbrückende Differenzen zu der künftigen Nutzung des denkmalgeschützten Waldhauses im Steinbachtal, dessen Eigentümer die VVW ist. In einem Gespräch mit Dürrnagel fragte primaSonntag nach dem Stand der Dinge zum Zeitpunkt seines Verzichts auf den Vorsitz und stellten der neuen Vorsitzenden schriftlich ebenfalls Fragen.


primaSonntag: Herr Dürrnagel, drei Jahre waren Sie Vorsitzender des VVW. Wie fühlen Sie sich heute, 100 Tage nach Ihrem Verzicht auf? Erleichterung …?

Willi Dürrnagel: … eigentlich schon. Es war ja nicht nur das Waldhaus zu vermarkten. Verwaltet werden mussten auch beispielsweise die dem Verein gehörende „Richtervilla“ oder das historische „Handwerkerhaus“ in der Pleich, das Haus mit Turm auf der Frankenwarte. Der Aufwand an Zeit lag täglich bei drei Stunden. Hilfreich für mich war auch, dass wir zusammen auf eine Wiederwahl verzichteten.


Frage: Frau Dr. Schmuck, Sie sind 100 Tage im Amt. Was sind Ihre ersten Erfahrungen?

Dr. Suse Schmuck: Die Zeit war außerordentlich spannend und vielfältig. Es gab viele Gespräche und vor allem Hilfe und Engagement von vielen Menschen. Diese positive Resonanz ,auch von außen, hat mich sehr ermutigt und gefreut. Wir haben begonnen, liegengebliebene Verwaltungsprobleme anzugehen. Die Bereitschaft von zahlreichen Menschen, ehrenamtlich mitzuarbeiten, macht mich zuversichtlich, dass sich das Image der ewig Gestrigen in den Ruf der nachhaltig Morgigen wandeln wird.


Frage: Herr Dürrnagel, „Verkauf oder Sanierung und erneute Vermietung durch den Verein sind die Alternativen, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, es gibt noch Diskussionsbedarf“, sagten Sie auf Anfrage von primaSonntag im März 2012, als der Mieter Kneipp-Werke den Verzicht auf eine weitere Nutzung der alten Gebäude verkündet hatte. Wie war die Sachlage im April dieses Jahres, als Sie nicht mehr kandidierten?

Dürrnagel: Es war ein zäher Prozess. Entscheidend war für die Interessenten die Möglichkeit einer langfristigen Nutzung. Eine Mitgliederversammlung hatte im September 2013 den Verkauf des Waldhauses ausgeschlossen. Auch für einen Erbpachtvertrag war die Stimmung negativ. Die dritte Alternative war eine Sanierung – Kostenschätzungen ergaben einen Sanierungsaufwand von zwischen 1,2 und 2,8 Millionen Euro, je nach den Vorstellungen eines vorgesehenen Mieters über seine benötigte Ausstattung - und anschließend eine Vermietung durch den Verein.

Frage: Zur Jahreshauptversammlung im April hatten Sie – noch als Vorsitzender – vier sehr ernsthaft interessierte Bewerber um das Waldhaus zum Vortrag über ihrer Pläne geladen …

Dürrnagel: … die in recht rüder Weise in der Versammlung abgefertigt wurden. Die Vier verzichteten auf weitere Verhandlungen und traten als Bewerber zurück. So blieb einzig die Alternative: Der VVW behält die Immobilie, saniert und vermietet sie – möglichst an einen Gaststättenpächter, so die wohl aktuelle Meinung. Für mich und meine beiden Vorstandkollegen war die Sanierung durch den Verein mit einem viel zu hohen finanziellen Risiko verbunden. Der Verein hat derzeit rund 550 Mitglieder.

Frage: Frau Dr. Schmuck, wie ist Ihr derzeitiger Arbeitsplan und welches Ziel haben Sie für die künftige Nutzung des Waldhauses?

Dr. Schmuck: Wir haben für das Waldhaus inzwischen eine grundlegende und solide Bestandsaufnahme und Analyse der einzelnen Bauten erarbeitet. Der VVW, der seit 1895 die Steinbachtal-Anlage und 1908 das Waldhaus in eigener Regie und mit großem mäzenatischem Einsatz realisierte, will dieses Denkmal-Ensemble wieder im Bewusstsein der Würzburger Bürger verankern und möchte die Wald-Park-Anlage als attraktives Naherholungsgebiet mit dem Waldhaus als Höhepunkt revitalisieren. (ser)
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