Mozartgelände im Stadtrat: OB Schuchardt legte sich nicht fest

Herumgeeiere in bester Lage: Die Stadt weiß nicht, was sie mit dem Mozart-Areal anfangen soll. In würdevollem Gleichmut direkt nebenan harrt die Residenz der Dinge, die da kommen - oder auch nicht.
Würzburg Oberbürgermeister (OB) Christian Schuchardt hat am frühen Donnerstagabend dem Stadtrat einen Vorschlag vorgelegt, wie zu verfahren sei, um mit einer neuen Nutzung des Geländes der Mozartschule (MOZ) voranzukommen. Dafür soll es ein sogenanntes „Ratsbegehren“ geben. In der dem Stadtrat vorgelegten Beschlussvorlage heißt es dazu, Grundlage des Ratsbegehrens sei die „eindeutige Ausrichtung auf eine bauliche Neugestaltung des MOZ“. Das Ratsbegehren soll die Alternative zu dem Bürgerbegehren abgeben, zu der die Bürgerinitiative „Rettet das MOZ“ über 8.000 Unterschriften gesammelt habe. Ihr Ziel ist die Erhaltung des Gebäudes der alten Schule. Der Stadtrat hat am Donnerstagabend nach mehrstündiger Diskussion ein Ratsbegehren fast einmütig beschlossen.

Mit einer zweiten Stimmabgabe, „getrennt von dem Ratsbegehren stattfindend“, soll dann herausgefunden werden, welche der „verschiedenen Varianten eines/r möglichen Neubaus/Neugestaltung“ die Mehrheit bekommt. Dies soll in der Form einer „Bürgerbefragung“ abgewickelte werden. Der Stadtrat soll sich in diesem Zusammenhang eine „freiwillige Selbstbindung“ auferlegen: „Eine jede Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger wird vom Stadtrat akzeptiert“, steht in der vom Oberbürgermeister unterzeichneten Vorlage. Welche Vorstellungen über die Nutzung des MOZ Christian Schuchardt hat, ist nicht erkennbar. Dezidiert hat er – wie fast alle Fraktionen im Stadtrat auch - sich im Wahlkampf für einen „Teilerhalt“ ausgesprochen, für die er eine Mehrheit im Stadtrat suchen will.

Bürgerbefragung über zwei bauliche Varianten
Für die Bürgerbefragung stehen zwei Varianten an: Variante 1 zielt auf Abriss und Komplettneubau auf Mozartareal und Kardinal-Faulhaber-Platz mit einem Einkaufszentrum. Unter dem Areal, dreigeschossig unter dem Mozartareal, zweigeschossig unter dem Kardinal-Faulhaber-Platz, soll eine Tiefgarage mit 490 Stellplätzen gebaut werden. Gegen acht Stimmen, insbesondere aus der SPD-Fraktion und der ZfW (Zukunft für Würzburg), wurde auch eine "Bürgerbefragung" beschlossen. Einig war man sich nach der Diskussion weitgehend, dass zur Vorbereitung der Abstimmung noch viel Arbeit investiert werden müsse, um den dann gefragten Bürgern verständliche Informationen vorlegen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch der vom Oberbürgermeister vorgeschlagene Termin Ende April/Mai noch nicht definitiv.

Variante 2: Bebauung ohne "Hufeisen" - Schwerpunkte Wohnbau und Hotel
Die Variante 2 soll eine Bebauung des MOZ bis zum „Hufeisen“, also bis zum südlichen Teil der ehemaligen Schule an der Hofstraße, mit Schwerpunkt Wohnungen ermöglichen (ca. 6.200 Quadratmeter Baufläche), und im Bau auf dem Kardinal-Faulhaber-Platz soll über mehrere Stockwerke, auf etwa 6.500 Quadratmeter Fläche, eine Hotelnutzung den Schwerpunkt setzen. Das „Hufeisen“ selbst kann entweder beim Abriss der Schule stehenbleiben und saniert oder aber mit abgerissen und als „Rekonstruktion“ wieder neu errichtet werden. So wurde bei der Neubebauung des ehemaligen Hypo-Vereinsbank-Geländes an der Eichhornstraße der Hof Emmering seiner Denkmalwürde beraubt.

Gymnasium steht unter Denkmalschutz
Überhaupt ist erstaunlich, dass der Denkmalschutz bei dem ganzen Geschiebe mit Ratsbegehren und Bürgerbefragung, Abriss oder Erhalt oder Teilerhalt des ehemaligen Mozartgymnasiums aus Sicht des Oberbürgermeisters in der Beschlussvorlage keine Rolle spielt. Steht doch das alte Gymnasium, bis auf den Anbau 1968, als Ganzes unter Denkmalschutz. Dass die Landesdenkmalschutzbehörde daran keinen Zweifel lässt, zeigen schriftliche Stellungnahmen in den letzten Jahren gleich mehrfach. In der europaweiten Auslobung des Projekts Überbauung des MOZ klar und deutlich festgelegt, dass die Bebauung nur in Übereinstimmung mit dem Landesamt für Denkmalschutz durchgeführt werden könne.

Da tun sich nun Fragen auf. Beispielsweise: Warum findet sich in der Beschlussvorlage kein Wort über diesen Sachverhalt. Oder: Kann das Ratsbegehren so ohne weiteres die Festlegungen der Stadt bei der europaweiten Auslobung ignorieren? Oder letztlich: Wie kommt das Rathaus mit dem rostigen Nagel „Teilerhalt“ so einfach daher, wo es weder Kriterien noch Kompetenz hat, das staatlich festgelegte Gesamtdenkmal in denkmalwürdige und nicht denkmalwürdige Teile aufzuspalten?

"Ein fauler Kompromiss"
„Ein fauler Kompromiss, aber typisch Würzburger Kommunalpolitik in Fortsetzung des Satzes, den der frühere Stadthistoriker Heiner Reitberger als Titel eines Büchleins vor Jahrzehnten schrieb: ‚Nach den Bomben - vor den Baggern', offenbar bis ins 21. Jahrhundert. Pünktlich zum heurigen 70. Jahrestag der Bombardierung der Stadt. Welch eine peinlicher Vorgang um die Würde dieses Bauplatzes gegenüber dem Weltkulturerbe Residenz.“ -ser
1 Kommentar
Oliver Kastner aus Würzburg Stadt | 28.01.2015 | 20:43   Melden
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