Mozart-Areal: Präsentation im Stadtrat und Gespräch mit OB geplatzt

Kommt da noch was? Das Mozart-Areal aus der Luft
Würzburg Die von Oberbürgermeister Christian Schuchardt in der Sitzung des Stadtrats am 3. Juni angekündigte nichtöffentliche Präsentation eines Entwurfes für die künftige Bebauung des Mozartgeländes durch den derzeit noch vorgesehen Investor mit anschließender öffentlichen Diskussion findet nicht statt. In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es dazu, der Investor „überarbeitet derzeit seine Konzeption für das Objekt. Gleichzeitig lässt der mögliche Investor zur Veranschaulichung seines Vorhabens Zeichnungen und Skizzen erstellen, die dem Stadtrat vorgelegt werden sollen. Diese Vorarbeiten benötigen jedoch mehr Zeit als veranschlagt …..“.

Der Vorgang ist wenig hilfreich, wenn man die Frage aufwirft, was läuft da eigentlich ab? Es gibt einige wenige Anhaltspunkte, die aber im Endeffekt lediglich die Feststellung erlauben: eigentlich eher nichts. Der Investor – dessen Namen zwar viele kennen aber ihn nicht öffentlich nennen dürfen - präsentierte am 18.12. vergangenen Jahres dem (alten) Stadtrat (nichtöffentlich) einen ersten Entwurf seiner Baupläne, Strichzeichnungen. An demselben Tag beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, mit dem Bieter zu verhandeln. Das wäre nicht besonders schlimm, aber aus dem Protokoll der Sitzung des Stadtrates ist auch zu entnehmen, dass durch den Wahlkampf zur Frage möglicher „Teilerhalt von Gebäudeteilen des ehemaligen Mozartgymnasiums“ Bewegung gekommen ist.

Teilerhalt von Gebäuden des alten Gymnasiums: Kein Totalabriss mehr
Zwar hat der Stadtrat vor Jahren einen Abriss-Beschluss gefasst. So richtig dafür kämpfen will heutigen Beobachtungen nach nur noch eine Minderheit im (teilweise neuen) Stadtrat. Und da zu Beginn des Jahres Wahlkampf war – und nebenbei die Bürgerinitiative „Rettet das Moz“ mit inzwischen mit fast 8.000 gesammelten Unterschriften sehr erfolgreich auf einen Bürgerentscheid zusteuern – schien wohl die Gelegenheit für die Parteien, Gruppierungen und Oberbürgermeisterkandidaten gekommen zu sein, sich öffentlich neu zu positionieren. Stadtbaurat Prof. Christian Baumgart drückte dies sehr fein in der Stadtratssitzung am l2. Februar so aus: dass dem Thema Teilerhalt von Gebäudeteilen der alten Schule dadurch „ein größerer als der ursprünglich gewünschte Stellenwert eingeräumt werden soll“ (Sitzungsprotokoll). Im Klartext: Kein Totalabriss mehr.

Die Verwaltung bekam im Februar vom Stadtrat auch den Auftrag, eine juristische Stellungnahme dazu erarbeiten zu lassen. Am 20. März lag sie vor. Der Stadtrat soll informiert worden sein. Doch Weiteres geschah nicht, auch nicht, nachdem der Investor dem Rathaus recht deutlich gemacht hat, dass er sich mit einem Teilerhalt nicht anfreunden könne. In einer Pressemitteilung der Stadt mit Datum 03.06. hieß es dazu, dass beim Oberbürgermeister zu dieser Sache ein Schreiben eingegangen wäre, woraus sich „eine Reihe von Nachfragen ergeben“.

Was sind elf Millionen Euro wert?
Ein Gespräch zwischen Stadt und Investor wäre da sicher hilfreich. Nicht verhandelbar ist offenbar die Summe von elf Millionen Euro, die haushaltsmäßig als Kaufpreis für das Grundstück zur Stadt fließen sollen, wobei noch gar nicht klar sei, so heißt es in Kreisen des Stadtrats, was diese Millionen „wert“ sei. Im Kleingedruckten der Verträge steht nachzulesen, dass das Grundstück Mozartschule dem Investor baufertig übereignen werden muss, also ohne die Schüler, die jetzt den Bau noch bevölkern, abgerissen und befreit von möglichen Altlasten. Das dürfte Aufgabe der Stadt sein – und kostet diese Geld. Für den möglicherweise irritierten Investor wäre es eine Gelegenheit, herauszubekommen, wie der Oberbürgermeister sich einen Teilerhalt vorstellt. Zudem kommt, dass neben der Bürgerinitiative im Wartestand auch der Denkmalschutz ein schwerwiegendes Wort zum Abriss des Denkmals zu sagen hat: Er ist absolut dagegen.

Sollte es unter Einbezug des Stadtrats schon im Vorfeld, unter den heute gegenüber dem Abrissbeschluss und der Ausschreibung des Projekts im Oktober 2010 also teilweise veränderten Bedingungen, Einvernehmen ergeben, könnte ein Kaufhaus auf dem Mozartgelände gegenüber der Residenz wohl schnell vom Tisch sein. (ser)
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