Mozart-Areal: Geht es jetzt voran?

Veräußerungsverfahren kommt in Schwung –Stadtrat befasst sich im Juni damit

Ein neues Einkaufszentrum für die Würzburger Innenstadt, ein Kaufhaus vielleicht oder ein gemischtes Angebot aus Einzelhandel, Gastronomie, Kultur, Hotellerie u.a. - die Stadt hat schon manchen Anlauf dafür am Bahnhof,  auf dem Gelände der WVV in der Bahnhofstraße gemacht – und jetzt: Ein gemischtes Angebot an einem sensiblen Platz in der Innenstadt, auf dem Gelände des ehemaligen Mozartgymnasiums, gegenüber dem Würzburger Weltkulturerbe Residenz. Eine Bürgerinitiative  will das von der Stadt seit Jahren dem Verfall  preisgegebenen  Gebäude erhalten, kulturell nutzen. Der Stadtrat dagegen will es abreißen und verkaufen.  Dazu hat er europaweit einen Investorenwettbewerb  ausgelobt. Anfang Juni geht der Wettbewerb in die Endphase, bei dessen Abschluss ein Investor als Sieger feststeht – oder auch nicht.
Neun Interessenten haben im Zuge der Auslobung ihren Hut in den Ring geworfen. Jetzt soll diese Zahl auf höchstens fünf, möglicherweise schon auf zwei oder drei, reduziert werden:  Diese müssen  im September Projektplanungen, Konzepte, ihren Kaufpreis für das Gelände und die Belegungsvorstellungen für das neue Haus an die Stadt liefern. Anschließend kommt es zwischen diesen Bewerbern und der Stadt zu Verhandlungsrunden, in denen Vieles verhandelbar ist: Kaufpreis, Planungen, Konzepte, Belegung der Häuser u.a. - Stadt und Bewerber müssen sich einigen, selbst ein neuer Architektenwettbewerb ist möglich. Daraus ergibt sich die Schlusskonstellation: möglicherweise zwei Bewerber mit machbaren Projekten zur Auswahl, einen Sieger und einen Zweitplatzierten, der notfalls einspringen kann. Sämtliche Entscheidungen trifft in dem ganzen Verfahren der Stadtrat.
Im Rathaus geht man davon aus, dass bis Mitte nächsten Jahres der Sieger feststeht. Wenn die Stadt mit dem potentiellen Partner und dem Zweitplatzierten einig ist, das Landesamt für Denkmalpflege mitspielt und auch die UNESCO keine Einwendungen hat (Weltkulturerbe Residenz), kann der Kaufvertrag unterschrieben  werden. Die Stadt erhofft sich einen Erlös von etwa zehn bis zwölf Millionen Euro für das Baugelände. Vom Käufer wird eine Sofortzahlung von einer Millionen Euro an die Stadt fällig – zur Sicherheit.  Zwei Jahre später sollen dann die in enger Zusammenarbeit zwischen Stadt und Investor  zu erarbeitenden baurechtlichen Voraussetzungen (Bebauungsplan)  für das Projekt erstellt sein und 2017/2018 könnte der neue Mozartbau hingestellt werden.
Ohne Zweifel sind beim „Reizwort“ Denkmalpflege schwierige Verhandlungen zu erwarten. Tatsache ist, dass der Stadtrat 2007 einstimmig den Abbruch des Denkmals Mozartschule beschloss – ein Ergebnis, das heute noch gilt aber eher umstritten ist. „Ausgangsbedürfnis“ sei damals nicht der Abriss des Gebäudes gewesen, so Stadtbaurat Prof. Christian Baumgart, sondern: „Der Stadtrat wollte wissen, was dort baulich machbar ist“. Denkbar wäre, so Baumgart, dass man jetzt im Zuge der Planung eine „Mischlösung“ findet, „also dass man sagt, wir bebauen den Kardinal-Faulhaber-Platz  und den nördlichen Flügel des Mozartgymnasium zusammenhängend“. Damit könnte ein Teil des alten „Moz“erhalten bleiben. Tatsache ist, dass das Landesamt für Denkmalpflege bis heute die Genehmigung zum  Abriss verweigert. Bleibt das Münchner Amt so beinhart, müsste sich möglicherweise die Staatsregierung damit befassen – was bislang für Würzburg noch nie der Fall war.
Doch während das Landesamt in das Verwaltungsverfahren qua Amt entscheidend einbezogen ist, gibt es eine andere Organisation, die nicht auf dem Verwaltungsweg Einfluss nehmen kann: Die UNESCO, deren Aufgabe in diesem Zusammenhang ist, das Weltkulturerbe Residenz zu schützen. Sie interessiert nicht der Abriss, sondern was gegenüber der Residenz neu aufgebaut wird und dieser, ihren Sichtachsen oder dem Stadtbild schaden könnte. Ihr Knüppel bei städtischer Unbotmäßigkeit ist letztlich ein Entzug des Prädikats Weltkulturerbe – wie es vor wenigen Jahren Dresden passierte, nach dem Bau ihrer  Elbtal-Brücke.
Die Stadt präferiert auf maximal 14.500 Quadratmeter Verkaufsfläche eine Vielzahl von Einzelhandelsgeschäften  – im Gegensatz zu einem Großkaufhaus. Ergänzt werden soll der Einzelhandel durch Einrichtungen aus den Bereichen Hotellerie, Wohnen, Gastronomie und Dienstleistung, auch Büros, Praxen und Kanzleien wären willkommen.
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