Masterstudiengang für Produktion von Knochen, Muskeln, Nerven, Haut

Prof. Dr. Jürgen Groll forscht an Biomaterialien, die neue Wege in der Medizin eröffnen können. Die Europäische Union stellt ihm dafür rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Das Forschungsprojekt, das unter dem Namen Design2Heal läuft, arbeitet an Implantaten, die den Heilungsprozess und das Wachstum neuen Gewebes fördern sollen. (Foto: Gunnar Bartsch)
Würzburg Es hört sich ein wenig an wie Science Fiction: Unfallopfer bekommen Ersatz für ihre zerstörten Knochen, der exakt an die defekte Stelle passt. Das Material stammt aus dem 3D-Drucker und wurde dort schichtweise mit Hilfe spezieller Biomaterialien aufgebaut, in denen sich anschließend Zellen des Patienten ansiedeln konnten. Im kommenden Wintersemester geht ein neuer, internationaler Masterstudiengang an den Start, in dessen Mittelpunkt exakt dieses Forschungsgebiet steht: BIOFAB (Biofabrication Training for Future Manufacturing).

In dem Studiengang werden die Teilnehmer auf einem zukunftsträchtigen Gebiet ausgebildet: der Produktion von Knochen, Muskeln, Nerven, Haut und möglicherweise ganzen Organen, individuell und passgenau auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten. Tatsächlich ist dieses Szenario schon seit einiger Zeit Realität – zumindest, wenn es darum geht, Knochendefekte zu heilen. Doch die Wissenschaftler sind zuversichtlich, dass sie in wenigen Jahren in der Lage sein werden, mit Hilfe der 3D-Technik beispielsweise Frauen nach einer Brustkrebs-OP das Brustgewebe wieder aufbauen zu können oder gleich ganze Organe zu produzieren, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität.

Masterstudiengang „Biofabrikation"
Der offizielle Startschuss für diesen weltweit ersten internationalen Master-Studiengang „Biofabrikation“ erfolgte am 9. Mai in der Residenz des australischen Botschafters in den Niederlanden. An dem Programm sind zwei Universitäten aus Australien beteiligt, aus den Niederlanden kommt das University Medical Center Utrecht, aus Deutschland die Universität Würzburg dazu. Finanziell unterstützt wird der Studiengang von der Europäischen Union und der Regierung von Australien. Jeweils zehn Studierende werden die vier beteiligten Universitäten in das Masterprogramm aufnehmen.

Universität Würzburg hat "hervorragende Kompetenz"
„Die Universität Würzburg verfügt seit einiger Zeit über eine hervorragende Kompetenz im Bereich des 3D-Drucks menschlicher Gewebe und im Tissue Engineering“, sagt Professor Jürgen Groll. Groll leitet seit August 2010 den Würzburger Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe in der Medizin und der Zahnheilkunde. Eines seiner Spezialgebiete ist es, aus biokompatiblen Polymeren feinste Fäden zu produzieren und damit Netze zu spinnen, die als Implantate Verwendung finden. Mit einer bislang in Europa einzigartigen Technik, dem sogenannten Melt Electrospinning Writing, kann Groll in einer Art Tintenstrahldrucker eine Polymerschmelze durch eine Düse auf einem Träger verteilen und dabei jede gewünschte Struktur erzeugen.

Professor Paul Dalton, der das Programm maßgeblich organisiert, ist einer der führenden Pioniere auf dem Gebiet des Melt Electrospinning Writings. In seinem Labor am Institute of Health and Biomedical Innovation der Queensland University of Technology hat er diese Technik entwickelt und vorangetrieben. Er wird den neuen Masterstudiengang auch für die Universität Würzburg mitbetreuen.

Gefragt: Wissen in Chemie, Physik, Biologie, Medizin, Robotik, Informatik
„Biofabrikation ist ein Forschungsgebiet, das viele Disziplinen einschließt“, sagt Dalton. Wer auf diesem Gebiet arbeiten möchte, sollte sich unter anderem mit Chemie, Physik, Biologie, Medizin, Robotik und Informatik auskennen. „Die Masterstudenten erwartet ein Studium, das stark forschungsorientiert ist mit einem hohen Anteil an Laborarbeit. In den vier Semestern werden sie in Europa und Australien in den besten Labors im Bereich der Biofabrikation forschen, mit den führenden Experten zusammen arbeiten und dabei internationale Kontakte knüpfen. Die Absolventen dieses Studiengangs werden international gesuchte Spezialisten sein“, verspricht Dalton.
Weitere Informationen: www.biofabdegree.net
Kontakte: Prof. Dr. Jürgen Groll, T: +49 (0) 931 - 201 73610; office@fmz.uni-wuerzburg.de, Prof. Dr. Paul Dalton, daltonlab@gmail.com
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