„Mädels sind einfach besser“

Zur Gratulation für die Prüfungsbesten versammelten sich (v.l.): Britta Schmidt, Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL), die Ausgezeichneten Christoph Meixner, Anika Walter und Michael Kohler, ZfL-Vorstandsvorsitzender Thomas Trefzger und Uni-Vizepräsidentin Barbara Sponholz. (Foto: ZfL)

422 angehende Lehrerinnen und Lehrer haben jetzt ihr Studium an der Uni Würzburg beendet. Bei der Abschlussfeier in der Neubaukirche wurden die Prüfungsbesten geehrt. In ihrer Festrede räumte Professorin Margarete Götz mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf.

Sie schreiben schlechtere Noten. Bleiben häufiger sitzen. Sind an Mittel- und Förderschulen überrepräsentiert. Und verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss. Jungs zählen zu den Bildungsverlierern im deutschen Schulsystem. Und wer ist schuld? Die Überzahl an Lehrerinnen! Wie haltlos diese voreilige Analyse bei genauerer Betrachtung ist, zeigte Professorin Margarete Götz bei der akademischen Abschlussfeier für die Absolventen der Lehramtsstudiengänge in diesem Sommersemester auf.

Früher war die Schule in Männerhand
In ihrem Festvortrag legte die Inhaberin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik an der Uni anhand historischer Befunde dar, dass Mädchen schon früher besser waren als Jungs. Und zwar auch schon zu Zeiten, als von einem zu hohen Frauenanteil an Schulen absolut keine Rede sein konnte. So schnitten im Jahr 1878 die Mädchen unter den insgesamt 9.000 Prüflingen der Primarschulen der deutschsprachigen Schweiz besser ab als die Jungs: „Damals war die Schule noch fest in der Hand der Männer.“

Ob ein Junge oder Mädchen in der Schule gut oder schlecht ist, das liegt an vielen Faktoren, aber nicht am Geschlecht der Lehrkraft. Tatsache ist Götz zufolge allerdings, dass Frauen heute die Schule dominieren. Besonders groß ist ihr Anteil an den Grundschulen, so Götz: „Hier sind Männer inzwischen Exoten.“ Aber auch an Realschulen und Gymnasien schreitet die Feminisierung des Lehrberufs fort.

Das Lehrerinnenzölibat
Der Lehrberuf eröffnete nach der Mitte des 19. Jahrhunderts für unverheiratete Frauen einen Weg, sich außerhalb ihrer Familie eine Existenz aufzubauen. Allerdings: In höheren Schulen durften Frauen nicht unterrichten. Sie waren auf die niederen Volksschulen und die unteren Klassen der höheren Mädchenschule beschränkt. Um auf einem Gymnasium unterrichten zu dürfen, musste man studiert haben. Das Studium war Frauen jedoch bis 1903 untersagt.

Wobei das Verbot, zu studieren, nur eines von vielen Hemmnissen für Frauen war. Lehrerinnen, die sich zur Heirat entschlossen, handelten sich dadurch quasi ein Berufsverbot ein. „Denn es gab das sogenannte ‚Lehrerinnenzölibat’“, erläuterte Götz. Lehrerinnen mussten bis in die 1950er-Jahre hinein ledig sein.

Auch die akademische Abschlussfeier, die das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZfL) in der Neubaukirche organisierte, war weiblich dominiert. Von den fünf Prüfungsbesten waren drei Frauen: Anna-Lena Dietrich schnitt als beste Absolventin für das Lehramt an Grundschulen ab, Anika Walter ist Prüfungsbeste für das Lehramt an Realschulen, Julika Rauer, Förderschullehrerin in spe, erzielte die Bestnote in der Sonderpädagogik. Christoph Meixner war der beste Absolvent unter den künftigen Mittelschul- und Michael Kohler Bester unter den künftigen Gymnasiallehrern.
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