Mädchen kicken eben anders: Regionale Vereine wollen weibliche Talente besser fördern

(Foto: Peter Zettler, pixelio.de)
Fünf Vereine aus Stadt und Landkreis starten gemeinsam mit dem Sportzentrum der Uni die Fußballtalentförderung nur für Mädchen. Damit schaffen sie eine echte Innovation in Bayern.

Die deutschen Fußballerinnen sind mit acht Europa- und zwei Weltmeistertiteln sowie regelmäßigen Champions League-Siegen international sehr erfolgreich. Da stellt sich die Frage, ob die Talentförderung junger Spielerinnen noch weiter optimiert werden kann.

Fünf Vereine aus Würzburg und Umgebung (TSV Gerbrunn, SC Heuchelhof, TSV Lengfeld, SV Veitshöchheim und ETSV Würzburg) sind gemeinsam mit dem Sportzentrum der Uni Würzburg der Auffassung, dass noch an einigen Stellen Verbesserungsbedarf besteht. Sie haben deshalb in einem bayernweit einzigartigen Projekt das Nachwuchsförderzentrum (NFZ) Unterfranken für den Juniorinnen-Fußball gegründet, in dem junge Talente unter wissenschaftlicher Anleitung von Bundesliga-Spielerinnen gefördert werden.

Das Potenzial besser ausschöpfen
„Wir wissen, dass sich Mädchen und Jungen in vielen leistungsrelevanten Aspekten stark unterscheiden. Das führt im Leistungssport häufig dazu, dass Mädchen und Jungen getrennt gefördert werden“, erläutert Dr. Olaf Hoos, wissenschaftlicher Leiter des Sportzentrums, die Gründungsidee. Da bei der üblichen Talentförderung durch den Fußballverband aber beide Geschlechter gemeinsam trainiert werden und die Zahl an Mädchen in den Verbandsstützpunkten eher gering sei, wolle man hier gegensteuern.

Das Konzept sieht vor, die von den Mitgliedsvereinen vorgeschlagenen, talentierten Mädchen einmal wöchentlich durch ein besonderes Training zu fördern. Dann soll neben Fußball auch die sportartübergreifende und koordinative Förderung im Mittelpunkt steht.

„Wir sind sicher, dass eine Talentförderung nur für Mädchen das besondere Potenzial der jungen Spielerinnen besser ausschöpft als eine gemeinsame Förderung mit Jungen“, erläutert der Sportliche Leiter des NFZ Unterfranken, Gernot Haubenthal. Das Leistungsprofil kennt Haubenthal aus der eigenen Praxis als Bundesliga-Coach und in der Arbeit mit dem Fußball-Leistungsteam der Uni. Dessen Spielerinnen, die selbst Bundesliga-Erfahrung mitbringen, bilden den Kern des Trainerinnen-Teams und werden ergänzt durch Leistungssportlerinnen aus den Bereichen Leichtathletik, Handball oder auch Judo.

Dabei spielt die enge Zusammenarbeit mit den Vereinen und der Fördergemeinschaft Leistungssport Mainfranken (FLM) eine entscheidende Rolle. Die Vereine sind ebenfalls Träger des NFZ und die Trainerinnen und Trainer der Mitgliedsvereine TSV Gerbrunn, SC Heuchelhof, TSV Lengfeld, SV Veitshöchheim sowie ETSV Würzburg werden regelmäßig durch die Wissenschaftler des Sportzentrums fortgebildet.

Zudem beraten sich das NFZ und die Vereinstrainer regelmäßig über die sportliche und soziale Entwicklung der Mädchen. Das FLM wird den Spielerinnen ein Umfeld für die soziale Betreuung bieten und durch seine Netzwerkpartner die Talentkarriere der Mädchen begleiten.

Ein Modell für Bayern
„Die Akzeptanz für Fußball und die Motivation der Mädchen ist deutlich höher, wenn die Mädchen unter sich trainieren, aber gegen Jungen im Spielbetrieb antreten“, erläutert Heinz Reinders die Erfahrungen. Der Jugendleiter beim SC Heuchelhof und Bildungsforscher an der Universität hat gemeinsam mit seiner Frau die Initiative zum NFZ gestartet.

In Deutschland gebe es bereits einige Fußballverbände, die den Ansatz der reinen Mädchenförderung verfolgten. „Daher sind wir zuversichtlich, auch für Bayern ein Modell entwickeln zu können, das eine noch bessere Möglichkeit bietet, im Breitensport Talente für die Spitzenförderung zu identifizieren“, ist sich Reinders sicher. Außerdem, so der Bildungsforscher, fehle der deutschen Frauen-Nationalmannschaft ja noch Olympisches Gold.
Bild: www.pixelio.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.