Leben ohne Heizung und Strom: Viele Würzburger können ihre Energierechnungen nicht mehr zahlen

Schuldnerberater berichten: Viele Würzburger können ihre Energierechnungen nicht mehr zahlen
 
Schuldnerberater Robert Morfeld schildert Pfarrer Werner Schindelin die jüngsten Fälle, bei denen Energieschulden eine Rolle spielen.
Ihre Schulden hatten Rosa Lenz völlig in die Sackgasse manövriert. So jedenfalls empfand es die 38-Jährige selbst. Seit längerem fühlte sie sich von Inkassobüros gejagt. Sie konnte sich und ihren Kindern längst nicht mehr alles kaufen, was sie unbedingt zum Leben benötigten. Und jetzt war ihr auch noch der Strom abgestellt worden. „Zum Glück lieh mir ein Bekannter einen Campingkocher“, sagt sie unter Tränen zu Robert Morfeld von der Schuldnerberatungsstelle der Christophorus-Gesellschaft.

Dosensuppe vom Campingkocher
Rosa Lenz erfährt mit der Stromsperrung eine der krassesten „Nebenwirkungen“ ihrer Schulden. Je tiefer es in den Herbst hineinging, umso weniger konnte sie ihre Wohnung nutzen. Es war darin kalt. Es war dunkel. Nur umständlich konnte sie sich und ihre beiden sechs und acht Jahre alten Kinder ein warmes Essen zubereiten – Suppe oder Ravioli aus der Dose.

Der kalte Winter vorletztes Jahr, der sich bis weit ins Frühjahr hineinzog, stand am Anfang der Misere. Er führte dazu, dass Rosa Lenz im Frühjahr 2014 eine saftige Nachzahlung ins Haus flatterte: 600 Euro sollte die Alleinerziehende, die keinen Beruf erlernt hatte und sich mit einem Teilzeitjob durchschlägt, auf einmal berappen. Die Zahlungsaufforderungen stapeln sich, es kam zur letzten Mahnung. Zur Ankündigung der Sperrung. Dann wird der Strom abgestellt. „Das ist nun sechs Wochen her“, sagt sie zu Robert Morfeld. Der weiß, wie es der Klientin zumute ist. Denn Rosa Lenz ist kein Einzelfall.

Steigende Energiekosten stellen eine große finanzielle Belastung für Menschen ohne Geld dar. Energieschulden waren im Jahr 2014 ein Dauerthema für das Team der Christophorus-Gesellschaft. Mindestens jeder zehnte der rund 1.300 Klienten hat unter anderem Schulden bei seinem Energieversorger. Bei den 550 Überschuldeten, die 2014 neu zur Christophorus-Gesellschaft kamen, war der Anteil noch wesentlich höher.

Die Konsequenzen der Stromsperrung sind meist drastisch. So war es auch bei Rosa Lenz: Wie soll man in einer kalten, dunklen Küche den Lernstoff wiederholen? Wie sich auf die Rechenstunde vorbereiten? Ihr ältester Sohn verschlechterte sich merklich in der Schule. Die Lehrerin sprach sie irgendwann darauf an, doch Rosa Lenz sagte nichts. Zu groß war ihre Scham.
Schuldenberater Robert Morfeld begann unverzüglich, die Sache zu regeln. Weil Rosa Lenz dringend Strom benötigte, trieb er sogar eine Spende für sie auf. Damit war das allerwichtigste von einer ganzen Reihe von Problemen gelöst. Danach ging Rosa Lenz systematisch mit dem Berater daran, ihre finanzielle Situation zu ordnen.

Die Fälle, mit denen es die Schuldnerberater zu tun haben, sind deshalb so komplex, weil Menschen in finanzieller Not, so auch Rosa Lenz, meist erst spät zur Beratung kommen. Dadurch werden die einzelnen Beratungen zeitaufwändig und kompliziert. Und die Menschen leiden stark unter völlig verfahrenen Situationen.

Eine private wirtschaftliche Krise muss nicht zum „Worst Case“ führen. Das zeigt das Vorgehen bei Menschen, die wohnungslos zu werden drohen. Im Fall anstehender Wohnungsräumungen wird sofort das zuständige Amt eingeschaltet. Dadurch kann der Verlust der Wohnung in vielen Fällen verhindert werden. Genau so etwas müsste es auch bei Energieschulden geben, denken Günther Purlein und der evangelische Pfarrer Werner Schindelin, der eng mit der Christophorus-Gesellschaft kooperiert.
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