Landtagsabgeordneter Rosenthal warnt vor Cyber-Angriff aufs AKW Grafenrheinfeld

Was passiert, wenn sich ein Hacker per Computer Zugriff auf die Steuerungsanlagen eines Atomkraftwerks verschafft? Der Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal fordert die Staatsregierung auf, die Akw-Betreiber zu entsprechenden Schutzmaßnahmen zu verpflichten. Im Bild: das AKW Grafenrheinfeld. (Foto: Waldemar Wiederer)
Grafenrheinfeld: Atomkraftwerk | Nicht erst seit dem Cyber-Angriff prorussischer Hacker auf das Bundeskanzleramt Anfang Januar ist bekannt, dass Attacken aus dem Internet eine wachsende Bedrohung für wichtige Versorgungs- und Sicherheitseinrichtungen darstellen.

Auch die bayerischen Atomkraftwerke sind in Gefahr, warnt der Würzburger Ex-Oberbürgermeister und Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal. Doch die Abwehr von Computer-Attacken befindet sich laut Rosenthal gerade mal in der Aufbauphase: Dies zeige die Antwort auf eine Anfrage an die bayerische Staatsregierung, die der SPD-Abgeordnete kürzlich gestellt hatte. „Die weltweiten Krisen sollten uns in höchste Alarmbereitschaft versetzen“, begründete er seinen Vorstoß. „Fanatische Fundamentalisten kämpfen nicht nur mit Bomben und Sprengstoff.“

Rosenthal: „Eklatantes Versäumnis“
Wie aus der Antwort des Umweltministeriums laut Rosenthal jedoch hervorgeht, sei derzeit weder klar, welche Unternehmen und Einrichtungen genau zur „kritischen Infrastruktur“ zählen, noch gebe es eine zentrale Ansprechstelle einer auf Computer-Angriffe spezialisierten Polizeiabteilung in Bayern. „Eine Meldepflicht für elektronische Angriffe ist gesetzlich nicht geregelt.“

Zudem rege das Schreiben zwar Forschungsprojekte an, die sich mit Bekämpfungskonzeptionen oder der Festlegung von Meldewegen befassen. Gemeinsame Übungen aller Beteiligten werden in Aussicht gestellt. „Wir müssten jedoch längst viel weiter sein“, so Rosenthal. „Hier liegt ein eklatantes Versäumnis der Verantwortlichen vor, das der Bürger hoffentlich nicht auszubaden hat.“

Besorgniserregend sei dies insbesondere im Fall der bayerischen Atomkraftwerke Gundremmingen und Grafenrheinfeld. So gebe es zwar genaue Szenarien, die etwa auf die Folgen eines Flugzeugabsturzes eingehen oder den Ausfall der externen Stromversorgung, nicht jedoch für den Fall, dass sich ein Eindringling per Computer von innen Zugriff auf die Steuerungsanlagen verschafft. Auch die Antwort des Ministeriums schweige zu dieser Frage.
Es bleibe also offen, inwiefern Hacker das Reaktorschutzsystem manipulieren könnten. „Offenkundig sind die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend“, sagt Rosenthal. Er fordert die Staatsregierung darum nachdrücklich dazu auf, die Akw-Betreiber zu entsprechenden Schutzmaßnahmen zu verpflichten.

Abschaltung und Zwischenlager
Die Zeit, in der Terroristen einen Angriff auf das AKW starten könnten, läuft ab: Der Betreiber E.ON Kernkraft will Grafenrheinfeld bereits Ende Mai vom Netz nehmen. Als Grund gibt das Unternehmen die mangelnde Rentabilität an. Nach der Abschaltung soll das Unternehmen umgehend zurückgebaut werden.
Sorge bereitet Rosenthal und manchen Anwohnern allerdings das Zwischenlager auf dem Gelände des Kraftwerks.

Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, hat E.ON im Atommüll-Zwischenlager am AKW derzeit 21 Castorbehälter eingelagert. Das Lager bietet Platz für 88 Castoren und hat eine Betriebsgenehmigung bis 2046. Auch das Zwischenlager könnte ins Visier von Terroristen geraten. Das sieht der Bayerische Verwaltungsgerichtshof allerdings anders: Laut einem Urteil aus dem Jahr 2006 sei „der erforderliche Schutz gegen Terrorszenarien“ im Zwischenlager Grafenrheinfeld gewährleistet.
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