Kommentar: Mut zur Korrektur - kein Abriss der Mozartschule!

Würzburgs historische Kulturachse - von der Residenz zur Festung // Foto Christian Weiß
Der Stadtrat hat vor Weihnachten einem Investor grünes Licht zur Weiterentwicklung seiner Planungen für das Mozartgelände gegeben. Der Name des Investors ist nicht wichtig. Es geht auch nicht darum, wer im Wettbewerb um die Nutzung des Mozartgeländes gewinnt, und wer verliert: Kommerz oder Kultur. Einzig wichtig und nicht nur diskussionswürdig, sondern diskussionspflichtig mit der Bürgerschaft wäre - von Anfang an gewesen -, ob das Areal des ehemaligen Mädchengymnasiums der angemessene Platz für ein Kaufhaus in Würzburgs historischem Zentrum sein kann, sein darf. Würzburg ist wichtig. Deshalb hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die einen Volksentscheid herbeiführen will.

Mozartareal nie favorisiert

Fast ein halbes Dutzend Gutachten gab es seit 1994 zu dem Thema – aber keines favorisierte das Mozartareal. Sicher: Der Stadtrat hat über 20 Jahre zusammen mit der Verwaltung diese Frage diskutiert. Aber nicht mit den Bürgern. Nein. Der Bürger bekam und bekommt gesagt: Da kommt ein Kaufhaus hin. Der Stadtrat will es so. Da macht die Stadt ein gutes Geschäft, heißt es, Euromünzen auf die Augendeckel geklebt.
Dazu kommt der aufgebauschte Druck: Endlich müsse etwas passieren in Würzburg. Was interessiert da schon, dass sich über die vielen Jahre Diskussion hinweg das soziale Umfeld verändert haben könnte: Dass Bürger von moderner (?) Architektur am Oberen und auch am unteren Markt die Nase voll haben. Dass jede „Verdichtung“ der Bebauung gleichzeitig Freiräume der Bürger oder für Bürger vernichtet. Man tut in der veröffentlichen Meinung so, als versäume die Stadt das Gelbe vom Ei, wenn dort nichts – also kein Kaufhaus – entsteht.

Belieferung durch die Hofstraße?

Man stelle sich beispielsweise einmal vor, wie die Belieferung des Kaufhauses funktionieren könnte. Sollen die 40-Tonner nachts oder sehr früh, durch die Maxstraße donnernd, irgendwo im Untergrund verschwinden? Oder dieselben Brummer über die Hofstraße rückwärts ihr unterirdisches Ziel anpeilen und der ganze Abfall einer unterirdischen Entladezone wird tagsüber vom Wind durch die Hofstraße geweht. Zwischen Dom und Residenz?
Kein Würzburger bestreitet, dass der Blick vom Weltkulturerbe Residenz zum Dom, vorbei am Museum der Kirche und am Rathaus, über die Alte Mainbrücke bis hoch zur Festung die zentrale, die historische Meile der Geschichte Würzburgs markiert. Vor über 650 Jahren wurde die Erstgründung der Universität im Hof „Zum großen Löwen“, im Neumünsterschen Dechanteihof, und im Hof „Zum Katzenwicker“, untergebracht, wobei letzterer dort stand, wo heute das umstrittene Mozartareal ist, von Kaiser Barbarossa 1172 nach seiner Heirat im Dom erworben.

Stadtrat: Motz wäre Standort für staatliches Museum

Dass die zentrale Historie dieser Meile von der Residenz zum Dom dem Stadtrat bewusst ist, hat spätestens die Bewerbung für ein Museum der Bayerischen Geschichte gezeigt: „Dieses Quartier. Dieser Ort in Würzburg. Was für ein mutiger, integrativer, zukunftweisender Standort für ein Museum“ – wohlgemerkt, ohne Abriss des Motz. So steht es euphorisch in der Bewerbungsschrift der Stadt für den Standort Würzburg. Ein staatliches Museum hätte der Staat bezahlt, eine kulturelle Nutzung der Gebäude müsste die Stadt bezahlen (mit staatlicher Hilfe). Vieles, was in einer vom Gymnasium zu einem Residenz-Forum (Dr. Hans Steidle) mutierten Schule für die Weltkulturerbe-Stadt entwickelt werden könnte, wird der Abriss ein für alle Mal verhindern. Doch Abriss?
Nein. In dieser Ecke ist Würzburger Kultur zu Hause. Hier ist kein Platz für ein Kaufhaus. In der festgelegten und zu schützenden Pufferzone rund um die Residenz ist dieser Bau abwegig. Daran festhalten zu wollen heißt, an einem historischen Irrtum im Hinblick auf die Zukunft der Stadt festzuhalten. Kommunalwahlen als Messlatte sind fehl am Platze - ebenso wie die Aussagen der Oberbürgermeisterkandidaten. Sie entscheiden dies nicht.

Bröckelt die Mehrheit im Stadtrat für ein Kaufhaus?

Entscheiden wird der Stadtrat. Sein vorerst letzter Beschluss zeigte, dass die Zeit offensichtlich vorüber ist, in der für das Mozart-Kaufhaus Einstimmigkeit herrschte. 31 stimmten für den Neubau, nur sechs Stimmen weniger - und die Mehrheit des 50köpfigen Gremiums für das Kaufhaus ist dahin. Der Stadtrat könnte aber den Mut finden, Korrekturen anzubringen, wenn die Beschlusslage aus dem 20. Jahrhundert sich im 21. Jahrhundert als falsch erweist - und im Grunde noch alles möglich ist. Würzburg würde gewinnen – der Stadtrat auch.
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