Königin des Friedens kommt nach Würzburg

Der Rektor der Marienkapelle, Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand segnete am 1. Mai die neuen Glocken. Foto POW

Neue Glocken für die Bürgerkirche am Marktplatz sollen am 15. August erstmals läuten

68 Jahre nach der Zerstörung Würzburgs erhält die Marienkapelle am Markt  ein neues Geläut. Gegossen am 12. April in der Glockengießerei Perner in Passau,  trafen die sechs Bronzeglocken am 29. April in der Kapelle ein. Bei einem vom bayerischen Fernsehen live übertragenen Festgottesdienst am 1. Mai weihte Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand, Rektor der Marienkapelle, die neuen Glocken. Erstmals sollen sie am 15. August  vom über 70 Meter hohen Turm der Bürgerkirche zum Hochfest Mariä Himmelfahrt läuten. Die Glocken sind bis Ende Mai im Chor der Marienkapelle aufgestellt. Im Juni werden sie über die Empore in die Glockenstube des Turms gebracht.
„Die Marienkapelle ist eine Kirche, die bei der Würzburger Bevölkerung sehr angenommen ist. Die Menschen kommen häufig zur Kapelle, um ihren Tagesablauf zu unterbrechen. Diese Glocken sind Symbole dafür, dass der Glaube eine vernehmbare Stimme braucht, um uns an Gott und genauso an unsere Aufgaben in der Welt zu erinnern. Das Besondere daran ist zudem, dass täglich um zwölf Uhr mittags das fränkische Marienlied ‚O himmlische Frau Königin‘, als Glockenspiel zu hören sein wird, wohl Anfang des 17. Jahrhunderts von dem in Würzburg weilenden (1612-1615) Studenten der Philosophie, Friedrich Spee, geschrieben. Es ist auch schön, dass sich gleich Stifter gefunden haben. Ich hoffe, dass etwas Bleibendes geschaffen wurde“, sagte Generalvikar Dr. Hillenbrand im Gespräch.
Die größte Glocke mit einem Durchmesser von 1,20 Metern wiegt 1190 Kilogramm, die kleinste 240 Kilogramm. Die Namen der neuen Glocken sind Marientiteln der Lauretanischen Litanei entnommen, thematisch passend auch zu den hohen Fenstern in der Apsis. Sie heißen „Königin des Friedens“,  „Hilfe der Christen“, “ Heil der Kranken“, „Zuflucht der Sünder“, „Trösterin der Betrübten“ und „Rosenkranzkönigin“. Letztgenannte Glocke stiftete die Rosenkranzbruderschaft der Marienkapelle und die Erzbruderschaft „Maria Hilf“. Stifter sind darüber hinaus Geschäftsleute aus dem Umfeld der Marienkapelle sowie Freunde und Förderer der Bürgerkirche am Markt. Die Namen der Stifter und der einzelnen Glocken sowie Reliefs der Marienbilder sind auf den neuen Glocken verewigt: Dr. Emil und Maria Feist, Karl Hillenbrand und Kurt Witzel, Kunigunde Popp (Vermächtnis),  Carl  Schlier und das Haus Brandstetter.
Für die Marienkapelle habe es schon im Jahr 2003 Planungen für ein neues Geläut gegeben, die aber dann wieder verworfen wurden, vermeldete der Pressedienst des Ordinariats (POW). Nahezu zehn Jahre später griffen die Verantwortlichen das Projekt wieder auf.  Inzwischen hat seit Anfang 2012 das Bistum mit Katja Engert eine neue „Glockenbeauftragte“ bekommen. Ihre Aufgabe besteht auch darin, auf den Klang der Glocken zu achten, was vor allem dann wichtig wird, wenn neue Glocken gegossen werden.  Sie gibt die Glocken in Auftrag, legt Material, die exakte Größe und die Tonart fest und kontrolliert die Gießerei, ob sie ihren Vorgaben folgt.
So auch jetzt bei der Marienkapelle:  „Damit sich die sechs neuen Glocken in die Gesamtheit der Würzburger Glockenlandschaft klanglich optimal einfügen, gab Engert vor, das neue Geläut am Dom auszurichten. „Die Neudisposition der Marienkapelle bildet in ihrer melodischen Weise die chromatische Ergänzung zur Tonfolge des Domes“, heiße das in der Sprache der Glockenfachleute, sagte Engert.
Insgesamt sechs Turmglocken der Marienkapelle zählt die Glockenbeauftragte  von der ersten Glocke aus dem Jahr 1470 bis zur Marienglocke aus dem Jahr 1887, sagte sie auf Anfrage.  Das Geläut des Hauptturmes der Marienkapelle vor der Zerstörung vom 16. März 1945 habe vermutlich noch aus vier Glocken bestand. Die Glocken von 1625 und 1711 stehen heute im Museum Kartause in Astheim, sind wieder zurückgekommene, nachdem sie bereits auf dem Glockenfriedhof in Hamburg waren. Darüber hinaus befand sich nach Angaben Engerts das Cyriakusglöckchen aus dem Jahr 1248 seit 1853 im seitlichen Treppenturm der Marienkapelle. Aus den Einzelteilen dieses 1945 zerstörten Glöckchens konnte 1971 eine neue Cyriakusglocke rekonstruiert werden. Sie rief in den vergangenen Jahrzehnten als einzige Glocke zu den Gottesdiensten in der Bürgerkirche am Markt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.