„Klare Ziele statt Blütenträume“: OB-Kandidat Christian Schuchardt plädiert für eine Kommunalpolitik mit Realitätssinn und Augenmaß

 

Als gemeinsamer Kandidat von CSU, FDP und Würzburger Liste bewirbt sich Christian Schuchardt um das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Würzburg. Schuchardt engagiert sich seit seinem 16. Lebensjahr in der Kommunalpolitik, studierte Verwaltungswissenschaft und ist derzeit Kämmerer und Personalreferent der Stadt.

primaSonntag: Sie sind wie Ihr Hauptmitbewerber Muchtar Al Ghusain nicht gebürtiger Würzburger. Wie gehen Sie damit um?
Christian Schuchardt: Es ist doch egal, aus welchem Land und aus welchen Verhältnissen jemand stammt: Die Herkunft allein sagt nichts über die Qualifikation aus. Eine städtische Verwaltung funktioniert wie ein großes Unternehmen. Da kommt es darauf an, vom Fach zu sein und sein Handwerk zu verstehen. Die Würzburger sind weltoffen - und manche sagen, wer von außen kommt, der kann sich freier bewegen. Auch mein Vorgänger stammt nicht aus Würzburg, sondern aus Duisburg. Selbst Tilman Riemenschneider, der auch Bürgermeister war, kam aus Heiligenstadt. Wichtig ist, ob der künftige OB einen durchdachten Fahrplan und auch den nötigen Realitätssinn hat. Blütenträume hatten wir genug.

Welche sozialen Herausforderungen kommen auf Würzburg zu?
Schuchardt: Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel, Wohlstand und Armut driften auseinander. Wir müssen Würzburg miteinander voranbringen, damit diese Stadt allen Einwohnern ein gutes Leben ermöglichen kann. Das betrifft die Arbeitsplätze, das Miteinander von Jung und Alt, und auch die Integration ist wichtig. Denn in Würzburg haben 20 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Damit die Menschen sich in unserer Stadt wohlfühlen können, müssen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Zeitgemäßes Wohnen ist ein zentrales Thema - hier muss viel nachgeholt werden. Klimaschutz und klimafreundliche Mobilität sind weitere Leitthemen.

Was muss sofort angepackt werden?
Schuchardt: Wenn ich Oberbürgermeister werde, versammle ich als erstes die Mitarbeiter. Wir haben die gemeinsame Chance, die Stadtverwaltung nach vorne zu bringen, und dafür brauche ich ihre Ideen und Vorstellungen. Dann werde ich auf die politischen Mitbewerber zugehen, damit wir gemeinsam für das Wohl der Stadt arbeiten. Kommunalpolitik ist schließlich außerhalb des Wahlkampfes mehr Sach- als Parteipolitik. Selbstverständlich suche ich parallel den Dialog mit den zahlreichen Interessensvertretern. Betroffene Bürger sollten wissen, dass ihre Anliegen ein offenes Ohr finden.
Es gibt für uns viel zu tun: Wir müssen endlich unsere Schulen in Ordnung bringen. Da geht es nicht nur um einzelne Schulsanierungen, sondern auch um viel Detailarbeit. Es darf beispielsweise nicht sein, dass Kabel aus den Decken hängen oder, dass die Toiletten in einem inakzeptablen Zustand sind. Die Schulleiter sollten mit Bordmittel einfache Renovierungsarbeiten beauftragen können. Weitere Baustellen sind die Schwimmbäder und das Theater – die müssen wir auf Vordermann bringen, und zwar mit Augenmaß. Wenn wir das in sechs Jahren schaffen, haben wir viel erreicht. Eine Aufgabe, für die es einen längeren Atem braucht, ist die Erschließung des Hublands, sei es mit oder ohne Straßenbahn. Es gibt Mitbewerber, die versprechen hier das Blaue vom Himmel..

Apropos Versprechungen: In der Faschingszeit gibt es den schönen Spruch: „Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld.“
Schuchardt: Würzburg ist eine reiche Stadt – kulturell reich. In Sachen Finanzen zählt sie aber zu den weniger wohlhabenden bayrischen Großstädten. Ingolstadt oder Regensburg haben regelmäßig fast doppelt so hohe Gewerbesteuereinnahmen wie Würzburg. Das heißt: Wir müssen immer haushalten. Immerhin konnten wir in den letzten Jahren den Schuldenstand um 10 Prozent auf 223,8 Millionen Euro zu reduzieren. Zum Investieren bleiben aber pro Jahr nur 30 Millionen inklusive Fördergelder, und zwar für alle Schulen, Kindergärten, Straßen und was eine Stadt sonst noch so braucht. Da muss man realistisch sein und klare Prioritäten setzen.

Schon jetzt haben Sie einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag. Bleibt da noch Zeit für ein Privatleben?
Schuchardt: Im Moment kaum. Neben meiner Arbeit als Kämmerer und Personalreferent kostet die Kandidatur als OB viel Zeit. Da finden wichtige Veranstaltungen statt, Gespräche müssen geführt und Wahlplakate gestaltet werden und ähnliches. Dabei hat mir meine Mutter, die Ärztin war, den Rat gegeben: Nimm deine Patienten nicht mit nach Hause! Wenn ich also tatsächlich mal Luft habe, koche ich gerne oder arbeite im Garten. Unser Hund will auch im Regen ausgeführt werden, so bin ich viel an der frischen Luft. Eigentlich male ich gerne, dazu muss man aber tiefenentspannt sein. Das geht nicht auf Knopfdruck.
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