Kinderbetreuung muss flexibler werden

Die optimale Kinderbetreuung sollte immer an das Kind angepasst sein. Diese Mädels haben Spaß im Kinderhaus Sonnenblume. (Foto: Claudia Penning-Lother)
 
Das städtische Kinderhaus Sonnenblume kooperiert mit IKEA. Das Möbelhaus hat zehn Belegplätze gekauft. Unternehmen arbeiten immer häufiger mit Kindergärten zusammen oder finden andere Formen der betrieblichen Kinderbetreuung. (Foto: Claudia Penning-Lother)
Monika Kraft, Leiterin der städtischen Fachabteilung Kindertagesbetreuung, fordert: „Nicht das Kind muss sich der Umgebung anpassen, sondern die Umgebung dem Kind“

Was braucht mein Kind? Eine große Frage, die sich Eltern in allen Lebenssituationen stellen sollten. Gerade auch wenn es um die Wahl der Betreuung der Kleinen geht. Die Möglichkeiten der Betreuung sind vielfältig. Sie umfassen Kindertagesstätte, betrieblichen Kindergarten, Tagesmutter, Kurzzeitbetreuung während der Ferien, Familiendienstleistung oder auch nur ein Spielzimmer im Betrieb, in dem Mama arbeitet. Entscheidend ist, das Richtige für das Kind zu wählen. Ein Einjähriges braucht vielleicht nicht unbedingt den Kontakt zu vielen Gleichaltrigen im Hort. Vielleicht wäre für gerade dieses Kleinkind der Nestcharakter, den eine Tagesmutter bieten kann, passender.

Mittlerweile gibt es neben den zahlreichen kommunalen, kirchlichen und freien Kindertagesstätten auch Tagesmütter und betriebliche Angebote. Die Stadt Würzburg beispielsweise bietet ihren Mitarbeitern Kinderbetreuung in Form von Kindertagespflege. Eine Erzieherin, angestellt als Tagesmutter, betreut fünf Kinder. „Wir hätten Bedarf für zehn Kinder und überlegen die Betreuung zur Großtagespflege auszubauen - wenn die Raumfrage geklärt ist“, sagt Monika Kraft, Leiterin der städtischen Fachabteilung Kindertagesbetreuung. „Vorteil der Großtagespflege wäre auch, dass Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren betreut werden können. Außerdem können freie Plätze in den Ferien anderen Mitarbeitern angeboten werden.“

Betriebliche Kinderbetreuung
„So flexibel wie der Arbeitnehmer heute sein muss, so flexibel müssen auch Betreuungsangebote sein und damit auch Unternehmen“, fordert Monika Kraft – und tritt verstärkt mit Unternehmen in Kontakt, um diese bei der Einrichtung der Kinderbetreuung zu beraten. Die Zahl und das Alter der zu betreuenden Kinder sind ebenso ausschlaggebend wie die Art der Betreuung, der Ort, die Zeit und ob regelmäßig oder punktuell.

Regelmäßige Angebote sind beispielsweise die Betriebskindertagesstätte, eine Kooperation von mehreren Unternehmen, der Erwerb von Belegplätzen in bestehenden Kindergärten, Unterstützung von Elterninitiativen, Zusammenarbeit von Tagespflegepersonen oder Beauftragung von Familiendienstleistern. Ein rein punktuelles Angebot ist zugeschnitten auf Notfallbetreuung (Spielecke, Still- und Wickelzimmer, Eltern-Kind-Zimmer), umfasst Notfallplätze in lokalen Einrichtungen oder Angebote während der Ferienzeiten. „Sind Unternehmen zu klein, um eine eigene Betreuungsform auf die Beine zu stellen, bietet sich der Zusammenschluss benachbarter Firmen an“, weiß Monika Kraft Rat.

„Gerade für Kleinkinder und ihre Eltern bietet die betriebliche Betreuung unschätzbare Vorteile: Die Mutter ist ganz in der Nähe und kann auch mal schnell zu ihrem Kind, falls es nötig ist. Zudem weiß sie das Kind gut betreut und hat während der Arbeit den Kopf frei. Für Unternehmen bedeutet es, die Mutter vielleicht schon wieder nach einem halben Jahr nach der Geburt in den Arbeitsablauf integrieren zu können. Dazu braucht es natürlich flexible Arbeitszeitmodelle und die Flexibilität in den Köpfen der Menschen.“

Die Stadt Würzburg ist seit 2006 Mitglied im Bündnis Familie und Arbeit, das für neue Ideen und Projekte familienbewusster Arbeitswelt sowie deren praktische Umsetzung steht. Ziel des Bündnisses ist es, Familienfreundlichkeit in der Region Würzburg als feste Größe zu verankern und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf positiv zu beeinflussen. Unternehmen oder Eltern, die auch Rat hinsichtlich betrieblichen Betreuungsangeboten von Kindern suchen, können sich gerne melden unter kinderbetreuung@stadt.wuerzburg.de.

Sonnenblume mit zehn IKEA-Belegplätzen
Mit den zahlreichen Betreuungsmodellen hat der gute alte Kindergarten auf keinen Fall ausgedient. Manche Unternehmen kooperieren mit Kindergärten, wie das Juliusspital mit dem Elisabethenheim oder das Missionsärztliche Institut mit St. Barbara. IKEA beispielsweise hat im städtischen Kinderhaus Sonnenblume Auf der Schanz in Lengfeld zehn Belegplätze gekauft, fünf davon in der Krippe, fünf im Kindergarten. Das Unternehmen zahlt einen fünfstelligen Betrag pro Jahr, dafür bleibt das Kinderhaus bis 20 Uhr für die IKEA-Kinder geöffnet und nimmt sie auch am Samstag in Obhut. Abgabe- und Abholzeiten der Kinder sind frei wählbar.

In der Umsetzung funktioniert dies einfacher als es sich anhört: Die Eltern, die den gleichen Betrag zahlen wie die anderen Eltern, melden ihre Dienstpläne dem Kindergarten, der Kindergarten passt die Dienstpläne der Erzieherinnen daran an. „Natürlich kann es kurzfristig zu Änderungen kommen, wenn ein Kind krank wird, wenn Eltern kurzfristig zu anderen Dienstzeiten einspringen oder wenn die Oma den Enkel unvorhergesehen betreuen kann. Das ist alles lösbar und funktioniert ganz gut“, sagt Christine Amrhein, die Leiterin des Kinderhauses Sonnenblume.

Das muss auch so laufen, denn „IKEA-Kinder“ werden nicht täglich um 7 Uhr gebracht und um 20 Uhr abgeholt. Ein Kind kommt morgens um 8, das nächste um 11 Uhr, das nächste wird um 15 Uhr abgeholt, das andere wieder erst um 19 oder 20 Uhr. Unbürokratisch und unkompliziert.

Das Kinderhaus Sonnenblume ist ein gutes Beispiel für Flexibilität in der Betreuung: Für alle Kinder ist täglich von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Während manche Kindergärten rund 30 Tage im Jahr schließen und häufig in den Sommerferien ein paar Wochen am Stück, bleibt der Kindergarten des Kinderhauses Sonnenblume in Lengfeld durchgehend geöffnet – für alle Kinder. Krippe und Schülerbetreuung hingegen werden in dieser Zeit nicht benötigt. Wie es zu dieser flexiblen Handhabung kam? Der städtische Kindergarten hat sich, wie so viele andere Kindergärten auch, einfach an die Bedürfnisse angepasst: „Traditionell hatte Lengfeld früher viele Kinder aus Landwirtschaftsfamilien und gerade zum Höhepunkt der Erntezeit mussten die Kinder betreut werden“, erinnert sich Christine Amrhein.

Heute sind übers Jahr 75 Kinder im Kindergarten, 24 in der Krippe und 40 bei der Schülerbetreuung angemeldet. Während der Sommerferien besuchen 40 bis 45 Kinder drei Gruppen des Sommerkindergartens. „Wir machen Ausflüge und unternehmen viel im Freien“, erklärt Christine Amrhein. Das Gelände des Kinderhauses lädt dazu ein. Der Garten bietet viele kleine Erlebnisstellen mit Hochbeet, Sandkasten, Schaukeln, einem kleinen Wasserspielplatz. Und wenn es sehr heiß ist, wird mit Hilfe einer Plane eine Wasserrutsche aufgebaut. Die Umgebung passt sich dem Kind an, so wie es ein Zitat von Maria Montessori fordert.
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