Kein Ticket, kein Pardon

Ticket schon gelöst? Blick über den nun bahneigenen Parkplatz mit DB-Ticketautomat.

Wer am Bahnhof parkt, sollte besser ein Parkticket lösen

Jahrelang galt der Parkplatz am Hauptbahnhof als sicherer Hafen für Schwarzparker. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Manche ertappten Parksünder ärgern sich mächtig über die neuen Parkgebühren am Bahnhof, die Deutsche Bahn dort kassiert. Nicht über die 70 Cent, die für eine halbe Stunde fällig werden – doch wenn man vergisst, ein Parkticket am Automaten der DB zu lösen oder wenn die Parkzeit überschritten wird, winken nunmehr Knöllchen im Bereich von 37 Euro. Nun rächt es sich, dass vor dem 18. August, als die Bahn das Regiment übernahm, über fünf Jahrzehnte hinweg die Parkerei am Bahnhof kostengünstig war und eher lasch überwacht wurde. Wer ohne gültiges Parkticket erwischt wurde, musste nie mehr als zehn Euro bezahlen. In diesen seligen Zeiten hatte die Stadt das Sagen.
Proteste bei der städtischen Parküberwachung über die Kostenexplosion werden laut, von „Abzocke“ ist die Rede. Allerdings ist es nicht mehr Sache der Stadt, darauf zu reagieren.  Deutlich macht dies ein Sprecher der Deutschen Bahn: Sie sei im Gegensatz zur Stadt ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Während die städtischen Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung beim Ausstellen des Strafzettels an den bundesweit einheitlichen Bußgeldkatalog gebunden sind, sei dies bei privatwirtschaftlichen Unternehmen anders. Wer ohne Parkticket oder bei überzogener Parkzeit auf dem Privatgelände der Bahn parkt, verursache Überwachungskosten, die sie einfordern müssen. Genau dies müsse die „Conti Park GmbH“ (Berlin) im Auftrag der Bahn zur Einhaltung der Parkregeln umsetzen - in Würzburg wie an allen anderen ähnlichen Parkplätzen der Bahn auch.
Das als Parkplatz genutzte Gelände am Bahnhof gehört zu einem großen Teil der deutschen Bahn. Deren Politik ist, solcherlei einträgliches Gelände zunehmend selbst zu bewirtschaften. Etwa 140 Parkplätze sind es in Deutschland bislang, sagt ein Sprecher der Bahn auf Anfrage. So auch in Würzburg.
Seit 1961 konnte die Stadt aufgrund eines Vertrages mit der damaligen Bundesbahn am Bahnhof auf dem Gelände Kurzparkplätze einrichten, Parkdauer 30 Minuten. Der Vertrag wurde zum 31. Juli dieses Jahres gekündigt. 68 Parkplätze, die bislang die Stadt bewirtschaftet hat, würden nun, so heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Stadt und Bahn, von der „Bahntochter DB BahnPark“ bewirtschaftet. Die unter städtischer Regie erlaubte Höchstparkzeit wurde von 30 Minuten auf bis zu zwei Stunden verlängert. Der Parkschein muss an einem der zwei DB-Automaten bezogen werden, die neben Münzen auch Kreditkarten akzeptieren. Die Fläche direkt an den Bahngebäuden werde  im Zuge der Baumaßnahmen am Bahnhof noch als Logistikfläche gebraucht, was vorübergehend zu einer Reduzierung der vorgesehenen 68 nun bahneigenen Parkplätzen führe.
Freude herrscht ob dieser Entwicklung bei der Stadt nicht. Sie hätte den Parkplatz am Bahnhof gerne selbst weiter bewirtschaftet, deutet Pressesprecher Christian Weiß an. Für die Stadt steht nach der am 19. August eingeführten Regelung nur noch der südliche Teil der Fläche zur Verfügung, dort wo die Schlange der Taxis auf Kunden warten bis einschließlich der ersten darauf folgenden Parkreihe. Sie hat auf dieser Fläche zunächst den Fahrradparkplatz erweitert, der im Wesentlichen von Bahnpendlern benutzt wird. Der Pressesprecher der Bahn hält diese Entwicklung auch für richtig. Die Bereitstellung von Fläche für Taxen oder für kostenloses Abstellen von Fahrrädern sei Aufgabe der Stadt.
Übrig geblieben sind im Moment sieben städtische Kfz-Parkplätze, die nun mit Parkscheibe für maximal 30 Minuten genutzt werden können. Kostenlos.
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