Kein Klinkenputzen in Kindertagesstätten: Zentrales Kita-Wartelistensystem soll Bewerbungsmarathon ersetzen

Viele Fragen auf einmal: Die Eltern am Telefon wollen von Kita-Leiter Thomas Grob wissen, ob es noch freie Plätze im Kinderhaus Schatzinsel Rottenbauer gibt. Die Kleinen im Büro interessieren sich mehr für die bunten Tintenfische im Bilderbuch. Mit einem zentralen Kita-Wartelistensystem sollen Eltern und Einrichtungen im Bewerbungsverfahren entlastet werden. (Foto: Georg Wagenbrenner)
Manche Eltern in der Region erleben schlaflose Nächte, wenn es um die Frage der Kinderbetreuung geht. Betroffene beklagen einen Mangel an guten Kindertagesstätten und anderen Betreuungseinrichtungen.

Egal, ob dieser Mangel tatsächlich existiert oder nur ein „gefühlter“ Mangel ist: Tatsächlich gibt es unter Würzburgs Eltern einen Wettbewerb um Plätze in besonders begehrten Einrichtungen – mit der Folge, dass manche Erziehungsberechtigte bereits Platzansprüche für ungeborene Kinder geltend machen wollen.

Wettrennen um Kita-Plätze
Entspannung soll ein zentrales Online-Wartelisten-System für Kita-Plätze bringen, kündigt Sozialreferent Robert Scheller an. In Würzburg gibt es 80 Kindertageseinrichtungen, acht Einrichtungen in städtischer und 72 in freier, gemeinnütziger Trägerschaft. Betreut werden hier jedes Jahr rund 8.700 Kinder, von den Kleinsten, die noch nicht ein Jahr alt sind, bis zur Schulkindern in der vierten Klasse.

Bislang bewerben sich die Eltern direkt bei den Kindertageseinrichtungen um freie Plätze. Mehrfachanmeldungen sind gängige Praxis; dies führt zu oft aufgeblähten Wartelisten einzelner Einrichtungen.

Außer zu einem festen Stichtag im September, an dem die Stadt bei allen Einrichtungen einen Zwischenstand abfragt, fehlt derzeit eine wirklich belastbare Übersicht für die ganze Stadt. Damit wird auch die Bedarfsplanung für die Kinderbetreuung sehr erschwert: Es bleibt immer die Frage, ob sich aufgrund von Mehrfach-Bewerbungen eine Warteliste nicht dramatischer darstellt als das wirkliche Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Einer Zusage geht also oft eine nervenaufreibende und verwaltungsintensive Bewerbungsphase voraus.

Maßgeschneiderte EDV-Lösung
Nun soll eine maßgeschneiderte EDV-Lösung eine zentrale Bewerbung und den permanenten Datenabgleich ermöglichen. Im Jugendhilfeausschuss wurde eine Idee vorgestellt, die den Eltern mehr Information, jeder Kita-Leitung eine höhere Effizienz, den freien Trägern eine bessere Vernetzung und der Kommune eine höhere Transparenz bieten soll. Nach einem Träger-Leitungstreffen erarbeitet nun eine elfköpfige Projektgruppe unter der Federführung der Fachabteilung Kindertagesbetreuung das genaue Anforderungsprofil für die Software-Ausschreibung.

Monika Kraft vom Sozialreferat beschreibt die Anforderungen an eine solche zentrale Lösung. „Die Eltern suchen ein bestimmtes Profil, etwa: Ist die Einrichtung in der Nähe meines Wohn- oder Arbeitsortes? Auch die Kita-Leitung hat Rückfragen an die Eltern, zum Beispiel: Hat das Kind eine Allergie, von der wir wissen müssen?“ Nun gelte es, ein möglichst einfaches aber dennoch umfassendes Onlineformular zu entwickeln. Und natürlich wurde auch die Frage aufgeworfen, wie Familien erreicht werden können, die gar keinen Interent-fähigen Computer zuhause haben.

Weil noch viele Detailfragen verzahnt werden müssen und man vor Abschaffung der papiergestützten Bewerbungen einen positiven Testlauf absolvieren möchte, wird das zentrale Wartelistensystem wohl erst im September 2015 eingeführt. „Solide Qualität und die Schulung des Personals haben klar den Vorrang vor einem Schnellschuss. Das neue System soll uns über viele Jahre begleiten und kann nicht ständig im Betrieb nachgebessert werden“, so Sozialreferent Scheller.
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