Kein Kaufhaus, weniger Geld, Gelände weg?

Das "Hufeisen", dahinter in der Mitte, im Eckhaus Balthasar-Neumann-Promenade/Hofstraße, sitzt die Musikhochschule.
Würzburg Und nun - was jetzt? So kann man die aktuelle Situation um die Verwertung das sogenannten „Mozart-Areal“ umschreiben. Herausgefordert zu Meinungsäußerungen vor den Kommunalwahlen legten sich nahezu alle Fraktionen und Oberbürgermeisterkandidaten auf einen „Teilerhalt“ des alten Gymnasiums fest. Aufregung gab es dieser Tage: Pläne, vom potentiellen Investor der Stadt vorgelegt, zeigten, dass viele Rathauspolitiker die Rechnung Teilerhalt ohne den Wirt, den Investor, gemacht haben. Schon am kommenden Donnerstag kann im Stadtrat der Tag sein, an dem die Hosen heruntergelassen werden müssen.

Elf Millionen Euro für die Stadtkasse
Die Stadt will seit Jahren das Gelände des ehemaligen Mozartgymnasiums ursprünglich großflächig bebauen. Das Projekt mit u. a. 14.500 Quadratmetern Einzelhandelsflächen wurde 2012 europaweit mit einem Bieterwettbewerb ausgeschrieben. Die Stadt ging auf Investorensuche. Von großer Bedeutung war die Zahl elf: So viele Millionen sollte der Wettbewerbssieger (Investor) in die Stadtkasse für den Kauf des Geländes liefern.

Was gegen ein Großkaufhaus auf dem Mozart-Areal spricht
Dagegen scheinen jetzt die vor der Wahl getroffenen Festlegungen der Wahlkämpfer auf „Teilerhalt“, die großartigen Aktivitäten der Bürgerinitiative „Rettet das Moz“ (BI) mit deutlich mehr als 8.000 Unterschriften gegen den Abriss der Gebäude (Bürgerentscheid), die deutschlandweit sehr kritischen Diskussionen über solche riesige Kaufhäuser und deren mäßiger Zukunft in einer mittelgroßen Stadt wie Würzburg und die Projektablehnung durch den Denkmalschutz zu einer Situation mit einem riesengroßen Fragezeichen für die Zukunft des Mozartareals geführt haben, untermauert noch von der zunehmenden Diskussion in Würzburg über eine neue Lebensqualität für die Innenstadt.

Teilerhalt "Hufeisen" und die Folgen
Nach der Festlegung der Kommunalpolitiker im Wahlkampf fokussierte sich in der Zwischenzeit die Zustimmung zum Teilerhalt auf den südlichen Teil des Gebäudes, hin zur Hofstraße („Hufeisen“ genannt), eine Lösung, die explizit auch von Oberbürgermeister Christian Schuchardt vertreten wird. Auf dieser Basis sollte der Investor nun überlegen, was mit dem Rest der Fläche und dem Kardinal-Faulhaber-Platz noch entwickelt werden könnte. Dies war Wunsch des Stadtrates.

Dem nachkommend, erzählte der Investor dieser Tage dem Vernehmen nach dem „Lenkungsgremium“, Fraktionsvorsitzende und Mitgliedern der Stadtverwaltung, was aus dem Gelände ohne das „Hufeisen“ noch zu machen sei. Zunächst: Die Stadt müsse sich ein großes Kaufhaus an dieser Stelle abschminken. Dann: Von den elf Millionen Euro, die in das Stadtsäckel wandern sollten, würde etwa die Hälfte übrig bleiben, erzählt man sich. Die Bebauung des nördlichen Restgrundstücks sehe im Wesentlichen „hochwertige Stadthäuser und -wohnungen“ vor. Die Zuhörer sollen zutiefst erschrocken gewesen sein: Kein Kaufhaus, weniger Geld für die Stadtkasse, das Gelände weg. Ratlosigkeit. Die Rede soll auch über einen Bürgerentscheid gewesen sein.

Räume für die Musikhochschule?
Wie es weiter hieß, seien die Konsequenzen des „Hufeisen“ - Erhalts von den Kommunalpolitikern nicht bedacht gewesen. Das „Gewicht der Erhaltung des Denkmals in der heutigen Diskussion sei zudem inzwischen noch gewachsen“, sei „stadtrelevant“ geworden, habe es geheißen. Dazu kommt, dass es schon im September zu einer Begehung des alten Gymnasiums gekommen ist. Die Musikhochschule, seit langem auf der Suche nach Räumen, habe sich einen Teil der Südseite zur Deckung ihres Bedarfs vorgestellt. Dabei hat man wohl, so wird in die Öffentlichkeit kolportiert, erneut die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die CSU-Regierung in München habe dem Vernehmen nach abgewunken. Über Gründe dürfe man in Würzburg die CSU fragen.

SPD-Fraktionsantrag in der Sitzung des Stadtrats in dieser Woche
Einig sei man sich in dem Gremium darüber gewesen, dass die Fraktionen des Stadtrats derzeit keine Anträge im Rathaus stellen, die sich auf das Mozartgeländes beziehen. Doch kann die gewünschte Ruhe- und Bedenkzeit durch die routinemäßige Behandlung eines Antrags der SPD-Fraktion, gestellt am 21. Oktober, im Stadtrat kommenden Donnerstag durchkreuzt werden. Darin zielt die SPD auf einen Beschluss hin mit dem Ziel, das „Hufeisen“ zu erhalten, städtisch zu nutzen und den „Schwerpunkt des Einzelhandels auf dem Kardinal-Faulhaber-Platz“ zu entwickeln. Die Fraktion will, dass das Gebäude mit seiner „wesentlichen Bedeutung für die Touristenachse Residenz-Dom“ in der Hofstraße und seiner Denkmalwertigkeit erhalten bleibt. -ser
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