Kehlkopfschrittmacher lindert Atemnot

Prof. Dr. Rudolf Hagen
Im Universitätsklinikum Würzburg (UKW) wurde im Oktober dieses Jahres erstmals einer Patientin erfolgreich ein Kehlkopfschrittmacher eingepflanzt. Von der neuen Technologie erhoffen sich vor allem viele Schilddrüsenoperierte eine bessere Atemluftversorgung. Für die Implantation des Systems hat der Würzburger HNO-Experte Prof. Rudolf Hagen als Weltneuheit ein Verfahren entwickelt, bei dem die Schrittmacherelektrode durch ein Endoskop in den Kehlkopf eingeführt werden kann.
Atmen, Schlucken, Sprechen – die zwei im Kehlkopf untergebrachten Stimmbänder sind an essentiellen Körperfunktionen beteiligt. Werden die sie versorgenden Nerven geschädigt, kann es zu einer Lähmung der Stimmbänder kommen. Hervorgerufen werden solche Nervenschäden zum Beispiel durch Virusinfektionen, Hals- und Brustraumverletzungen oder durch Tumore, aber auch bei Eingriffen an der Schilddrüse. Sind beide Stimmbänder gelähmt, können die Betroffenen durch die dann fast geschlossene Stimmritze meist nur noch schwer atmen.
Hilfe verspricht ein neu entwickelter Kehlkopfschrittmacher. Das System ist in einer Kooperation zwischen den Unikliniken Würzburg, Innsbruck/Österreich, dem SRH Wald-Klinikum Gera sowie dem Medizintechnik-Unternehmen MED-EL - Medical Electronics entstanden. Nach ersten erfolgreichen Implantationen in Gera und Innsbruck gelang nun im Oktober auch in Würzburg die Versorgung einer Patientin mit Stimmbandlähmung mit dem System. Für die Platzierung der Schrittmacherelektrode favorisiert Prof. Dr. Rudolf Hagen, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des UKW, eine von ihm entwickelte endoskopische Technik.
Der Kehlkopfschrittmacher besteht aus einem Implantat, das direkt unter der Haut am Brustbein eingesetzt wird und einer Elektrode, die vom Implantat im Körper bis zum Kehlkopf führt. Ein Prozessor gibt ein regelmäßiges Steuersignal an das Implantat, das in diesem Takt einen Impuls über die Elektrode zum Öffnermuskel gibt. Der Impuls führt zu einer kurzen Kontraktion des Muskels, der damit das Stimmband bewegt und den Atemweg frei macht.
Bei der von Prof. Hagen entwickelten Operationsmethode wird das Ende der Elektrode mit einer Sonde über den Mund- und Rachenraum kommend endoskopisch am Öffnermuskel fixiert. Wie auch bei den Operationsmethoden der anderen Kliniken erfolgt das „Verlegen der Leitung“ zum Implantat am Brustbein minimalinvasiv. „Durch die begrenzten Inzisionen an Hals und Brustbein ist der Eingriff wenig belastend und bietet die Chance auf eine schnelle, komplikationslose Heilung“, schildert Prof. Hagen.
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