Kaum bezahlbarer Wohnraum mehr für Arme

Wo immer sich Menschen in Not wiederfinden, bieten die Mitarbeiter der Christophorus-Gesellschaft von Caritas und Diakonie Hilfe an. (Foto: Henning Hraban Ramm, pixelio.de)
Würzburg Wohnen in Würzburg ist eines der großen Probleme: „Für Arme gibt es so gut wie keinen bezahlbaren Wohnraum mehr“, sagt Werner Schühler, Leiter der Zentralen Beratungsstelle für Wohnungslose der Christophorus-Gesellschaft Würzburg. „Auf eine im Internet angebotene Wohnung kommen momentan bis zu 2000 Klicks“, ergänzt Heidrun Volkmann-Hart von der Wohnungsverwaltung der Gesellschaft. Die Vermieter könnten aus einem riesigen Pool potenzieller Mieter auswählen. Die Christophorus-Gesellschaft hat deshalb 42 Wohnungen angemietet, sagt Geschäftsführer Günther Purlein. In diese können Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben, als Untermieter einziehen.

Ein Angebot speziell für Männer ist die Kurzzeit-Übernachtung in der Wallgasse. 2943 Übernachtungen wurden im Jahr 2013 gezählt, das seien rund 190 Übernachtungen mehr als 2012. Im Johann-Weber-Haus, einer sozialtherapeutischen Einrichtung für wohnungslose und strafentlassene Männer, wohnten im vergangenen Jahr 34 Männer – insgesamt 80 hatten laut Jahresbericht um Aufnahme angefragt. „Die Bewohnerstruktur unseres Hauses hat sich stark verändert“, sagt Brigitte Abt, Leiterin der Einrichtung. Ein Drittel der Klienten sei heute jünger als 27 Jahre, viele traumatisiert. Armut und Mangel prägten nach den Worten von Mitarbeiter Tobias Schwalbe das Aufwachsen gerade der jüngeren Bewohner. Wer „nur“ auf der Hauptschule war oder gesundheitlich eingeschränkt ist, habe schlechte Karten.

Jahresbericht der Christophorus-Gesellschaft Würzburg für 2013
Die Zahlen sind dem Jahresbericht der Christophorus-Gesellschaft für 2013 zu entnehmen. Sie wurde von der Pressestelle des Ordinariats, POW, veröffentlicht. Bahnhofsmission, Wärmestube, Schuldner- und Insolvenzberatung: Wo immer sich Menschen in einer Notlage wiederfinden, bieten die Mitarbeiter der Christophorus-Gesellschaft von Caritas und Diakonie ihre Hilfe an. Und diese wird immer mehr nachgefragt, wie der nun vorliegende Jahresbericht zeige. „Unsere Ratsuchenden und Hilfesuchenden haben sich wieder in großer Zahl an uns gewandt“, schreibt der Geschäftsführer der Gesellschaft, Günther Purlein, im Vorwort zum Jahresbericht.

100 Menschen pro Tag kommen zur Bahnhofsmission
Mehr als 100 Menschen suchten täglich die Bahnhofsmission am Hauptbahnhof auf. „In den Gesprächen und Begegnungen geht es sehr oft um existenzielle Fragen“, sagt Leiter Michael Lindner-Jung. Besonders häufig waren finanzielle (25.767 Kontakte) und soziale Schwierigkeiten (25.724). Menschen mit psychischer Beeinträchtigung – wie Depressionen, Suchtproblemen oder suizidalen Krisen – nahmen 7507 Mal Kontakt zur Bahnhofsmission auf. 6739 Mal suchten Menschen mit Migrationshintergrund Hilfe. Zudem wurden 25.750 Mal sogenannte materielle Leistungen – wie Schlafsäcke, Decken und Hygieneartikel, aber auch Lebensmittel – ausgegeben. Der Förderverein Bahnhofsmission unterstützte dieses Engagement.

Schuldnerberatung: Zahl der Klienten verdoppelt sich fast
Ungebrochen groß sei die Nachfrage nach Schuldner- und Insolvenzberatung. So wurden zum Ende des Berichtsjahres 1290 laufende Beratungsfälle gezählt, 543 neue Klienten waren über das Jahr hinzugekommen. Eine Mitarbeiterin berät wöchentlich rund 150 verschuldete Männer und Frauen in der Justizvollzugsanstalt Würzburg. Die häufigsten Gründe für Überschuldung waren Arbeitslosigkeit (22 Prozent), unwirtschaftliche Haushaltsführung (15,13) sowie Trennung, Scheidung oder Tod des Partners (14,73). Rund 170 Klienten wählten die Privatinsolvenz als Ausweg aus den Schulden.

Die Wärmestube zähle im Schnitt täglich 45 Besucher, in der Mehrzahl Männer (81 Prozent). Sie können dort Kaffee trinken, ihre Wäsche waschen oder einfach nur reden, bekommen auf Wunsch aber auch ärztlichen oder juristischen Rat. Die Würzburger Straßenambulanz betreibt dort ein Behandlungszimmer. 2013 initiierte der Förderverein Wärmestube das Bauwagenprojekt „Schmökerkiste“. Menschen, die keine Wohnung haben oder sich in einer prekären Lage befinden, verkaufen hier gebrauchte Bücher. (POW/-ser)
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