Katholische Jugend: „Auf dem Weg zum fairen Handy“

Viele wertvolle Erze verbergen sich unter dem Deckeln von Handys und Smartphones. Foto kjg-haus, Schonungen
„Handys und Smartphones sind wie kaum ein anderes Produkt in der Lebenswelt der Jugendlichen verankert“, sagt Manuel Koch, Diözesanvorsitzender des Bundes der deutschen katholischen Jugend, BDKJ. Doch kaum jemand wisse, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe für Handys abgebaut würden oder welche Arbeitsbedingungen in den Zuliefererfirmen herrschten. Deshalb bietet die Jugend-Umweltstation im Haus der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) in Schonungen seit Dezember 2013 den Workshop „Ist mein Handy Gold wert?“ an. Sechs Schulklassen aus dem Bistum Würzburg buchten erstmals diesen Workshop in der Vorweihnachtszeit.
„Er ist sehr gut angekommen und nun Teil unseres Standardprogramms“, sagt Vera Bellenhaus, Umweltbildungsreferentin von der Jugend-Umweltstation KjG-Haus Schonungen. Fairer Handel und kritischer Konsum, das ist für Koch eines der zentralen Themen der Jugendverbände. So stehen beim Workshop der Jugend-Umweltstation der Lebenszyklus eines Handys der Rohstoffabbau und das Recycling im Mittelpunkt.
Das Erz Coltan beispielsweise sei ein wichtiger Bestandteil von Handys. Anhand des Films „Blutige Handys – Die unmenschliche Coltan-Gewinnung“ werden die brutalen Arbeitsbedingungen in einer Mine im Kongo gezeigt. Der Film über den Abbau des Coltanerzes habe die 14jährigen Teilnehmer an den Workshops zwar geschockt. Für sie, so Bellenhaus, sei das Markenbewußtsein aber noch sehr hoch, während die 16jährigen für die Problematik „etwas offener“ seien.
Das Unternehmen Fairphone will die heute in einem Handy verbauten Rohstoffe Schritt für Schritt durch zertifizierte Rohstoffe aus konfliktfreien Regionen ersetzen. Manuel Koch hat sein bisheriges Smartphone gegen ein neues „Fairphone“ eingetauscht: „In einem Handy werden rund 30 Materialien verbaut“, erklärt Koch. Doch die Abbaubedingungen und Vertriebswege seien „sehr komplex und somit auch schwer nachvollziehbar“ heißt es in einer Pressemitteilung der Ordinariats. „Darum sind bisher nur zwei Rohstoffe nachweislich fair: Zinn und Coltan.“ Zudem habe das Unternehmen einen chinesischen Hersteller unter Vertrag, der Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen zugesichert hat, wie zum Beispiel höhere Löhne, eine Arbeitswoche mit maximal 60 Stunden sowie einen Ruhetag in der Woche. „Es ist kein 100-prozentig faires Handy“, sagt Koch: „Aber man will jetzt schon ein faireres Handy machen“.
Die deutschen Verbraucher sollen zu Hause rund 106 Millionen ausgemusterte Mobiltelefone aufbewahren, statt sie dem Recycling zuzuführen. Das hat der Hightech-Verband Bitkom auf Basis einer neuen Umfrage des Marktforschungsinstituts Aris hochgerechnet, teilt das Unternehmen im Internet mit. Die Zahl der gelagerten Altgeräte sei damit knapp ein Viertel höher als noch vor einem Jahr, als 85,5 Millionen errechnet wurden. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder: “Handys enthalten viele wertvolle Rohstoffe, die in die Wertstoffkreisläufe zurückgeführt werden sollten.”
„Ist mein Handy Gold wert?“ ist ein praxisorientiertes Klimobil-Programm das insbesonders von Schulen aber auch sonstigen Gruppen angefordert werden kann. Es dauert drei bis vier Schulstunden und ist ab der 7. Klasse geeignet. Weitere Informationen zu dem Workshop der Jugend-Umweltstation gibt es unter www.kjg-haus.de unter dem Bereich „Klimobil“.
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