Irritationen um ein Denkmal

Das alte Posthaus in der Virchowstraße soll mit einem Penthaus aufgestockt werden.

Das ehemalige Posthaus in der Virchowstraße sorgte in diesen Tagen für Diskussionen: Auf der Tagesordnung einer Sitzung des Bau- und Ordnungsausschusses tauchte es unter dem Punkt „Abbruch des Dachgeschosses mit Neuerrichtung als Penthouse-Geschoss sowie Anbau eines Außenaufzugs“ auf. Doch wenige Tage vor der Sitzung verschwand der Punkt wieder von der Tagesordnung.
Nun liegt es in Würzburg nahe, bei solchen Ereignissen zunächst zu fragen: Ist das Postgebäude vielleicht ein Denkmal? Die Denkmalliste der Stadt weist es als solches aus: „Postamt, fünfgeschossiger Walmdachbau der Neuen Sachlichkeit, 1929/32, von H. Götzger, A. Lehr und v. Ohlen.“
Der Bauantrag war indessen nicht neu, schon 2008 lag er zur Genehmigung vor. Auf einem „nicht öffentlich“ ausgezeichneten Beiblatt zur aktuellen Beschlussvorlage ist nachzulesen, dass das Landesamt für Denkmalpflege damals eindeutig „Nein“ zu dem Bauvorhaben am ehemaligen Posthaus gesagt hat.
Auf den damaligen Bauwunsch bezog sich auch die jetzige Ablehnung des Landesamtes zu dem aktuell anstehenden zweiten Genehmigungsverfahren. Stadtbaurat Christian Baumgart sprach von „persönlich eher missverständlichen Äußerungen des Landesamtes“ im aktuellen Zusammenhang, die sich auf seine Haltung gegenüber dem Bauvorhaben auf den Stand von 2008 bezogen hätten. Der aktuelle Bauantrag sei „anders“. Zu diesem müsste allerdings dann eine Begutachtung des Stadtheimatpflegers vorliegen, was 2008 noch nicht sein musste, weil es damals noch keinen Stadtheimatpfleger in Würzburg gab. Ein Gutachten zum aktuellen Bauantrag lag aber ebenfalls nicht vor.
Zudem gibt es noch Ungereimtheiten mit einem geplanten Aufzug. Er sei „darauf aufmerksam“ gemacht worden, so der Stadtbaurat, dass mit dem geplanten Aufzug auf der Rückseite des Gebäudes nur die Penthouse-Wohnung erreicht würde. Seiner Meinung nach könne der Aufzug nur genehmigt werden, wenn mit ihm alle Stockwerke des Hauses barrierefrei erreichbar seien. Auf jeden Fall gibt es eine Befreiung von der Festsetzung der Zahl der Vollgeschosse laut Bebauungsplan: „zulässig: vier, vorhanden: fünf, geplant: sechs“. Doch Christian Baumgart ist zuversichtlich: „Das geht ganz einfach. Wir werden nachholen, was notwendig ist, dann diskutieren wir es im Bauausschuss und stimmen ab. Sonst nichts“.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.