Inklusion durch Sport: Freundschaft zwischen HTCW und den Ballbusters

Sport verbindet: Klara Albert, Nina Rolfs und weitere Mädels vom HTC Würzburg hatten beim gemeinsamen Rollstuhlhockey-Spiel mit Sven Haas und den Ballbusters vom VdR Würzburg einige Mühe, aber auch sichtlich großen Spaß. (Foto: NO LIMITS)
Mareike Menschick spielt Hockey, seit sie denken kann: „Sicher schon seit 17 Jahren.“ Doch dieses besondere Match bedeutete für sie eine gewaltige Herausforderung. Zum ersten Mal bediente die 22-Jährige ihren Schläger vom Aktivrollstuhl aus.

„Das ist eine faszinierende Erfahrung“, lacht die junge Frau, die beim ersten gemeinsamen Training des Hockey- und Tennis-Clubs Würzburg (HTCW) und der Würzburger Ballbusters (VdR Würzburg) teilnahm.

Beim diesjährigen „NO LIMITS!“-Sportfest auf dem Gelände des Uni-Sportzentrums kamen die beiden Mannschaften miteinander in Kontakt. Mit großem Spaß probierten die Damen vom HTCW während des Sportfestes im Mai aus, wie es ist, einen Rollstuhl auf dem Spielfeld zu steuern, gleichzeitig mit dem Hockeyschläger umzugehen und den Ball zu treffen. „Das ist wirklich schwierig“, gibt Mareike Menschick zu.

Aus der ersten Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft, die von beiden Seiten intensiv gepflegt wird. „Schon dreimal waren wir bei einem Heimspiel des HTCW und feuerten die Mannschaft an“, erzählt Julian Wendel, E-Hockey-Sportler bei den Ballbusters und Mitglied im Organisationsteam von „NO LIMITS!“. Durch regelmäßige Begegnungen soll der Grundgedanke von „NO LIMITS!“ im Würzburger Hockeysport erfüllt werden: „Wir wollen Unsicherheiten im Umgang zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abbauen und Freundschaften anbahnen.“

Julian Wendel spielt seit 26 Jahren Elektrorollstuhlhockey. Auch er war, wie Mareike Menschick, fünf Jahre alt, als er diese weithin unbekannte Sportart entdeckte. Allerdings nimmt Wendel den Schläger nicht wie seine neuen Freunde vom HTCW in die Hand. Das wäre ihm aufgrund seiner Behinderung gar nicht möglich: „Ich kann meine Hände nur minimal bewegen.“ Der muskelkranke 31-Jährige gehört zu jenen Ballbusters-Spielern, die mit einem „Festschläger“ an den Matches teilnehmen. Dieser Schläger ist unten am sportgerechten E-Rollstuhl montiert. Damit fängt Wendel den Ball auf, manövriert ihn über das Spielfeld und befördert ihn ins Tor.

Allerdings gelingt der glatte Durchzug übers Spielfeld zum gegnerischen Tor nur mit raffinierten Pass- und Blockspielzügen. Der Ball ist kaum ein paar Sekunden im Besitz eines einzelnen Spielers.

E-Hockey ist ein rasantes Spiel. „Genau das macht es so spannend“, sagt Richard Loch-Karl. Der 24-Jährige ist seit einem Jahr Übungsleiter beim VdR Würzburg. An jedem Dienstag wird trainiert. Daran dürfen auch Spieler im Aktivrollstuhl teilnehmen. An jedem zweiten Samstag geht es zur Sache. „Unser Ziel ist es, in die 1. Bundesliga aufzusteigen“, sagt Loch-Karl. Bereits seit zehn Jahren spielt die Mannschaft in der 2. Bundesliga. Wobei sie es zwischendurch für zwei Jahre sogar schon mal in die 1. Liga geschafft hat.

Mareike Menschick findet es bewundernswert, wie die Ballbusters mit ihren Einschränkungen umgehen – im Alltagsleben, aber auch im Sport: „Von der Willensstärke dieser Spieler können wir eine Menge lernen!“

Stichwort: „NO LIMITS!“
„NO LIMITS!“ wird vom Netzwerk Inklusionssport Mainfranken organisiert, in dem auch die Stadt Würzburg und ihre Behindertensportvereine Mitglieder sind. Ein „NO LIMITS!“-Stand wird auch auf der Mainfrankenmesse im Bereich der Uni rund ums Thema „Inklusion im und durch Sport“ informieren. Mehr Hockey: www.ballbusters.de und www.htcw.org
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.