Hoffnung für schwer traumatisierte Jugendliche: Caritas Don Bosco nimmt unbegleitete Flüchtlinge auf

"Ein Herz für Flüchtlinge" (Foto: Don Bosco)
Am 15. Oktober eröffnete in der Cartias Don Bosco gGmbH Würzburg eine „zentrale Inobhutnahmestelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“. Bereits vor der Eröffnung waren die Plätze komplett belegt. Derzeit wohnen dort zwölf männliche Jugendliche aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Somalia und Gambia im Alter von 15 bis 17 Jahren. Die Jugendlichen bleiben in der „Clearingstelle“ in der Regel zwölf Wochen, dann wird ein langfristiges Zuhause gesucht.

Wichtig ist das Willkommen-Sein
Die Hugendlichen haben häufig einen langen Weg hinter sich und viele Strapazen auf sich genommen. „Wichtig ist, gleich zu Beginn ein Gefühl von Willkommen-Sein zu vermitteln und diese jungen Menschen mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen“, heißt es bei Cartias Don Bosco. Dies bedeute einerseits Kleidung, Lebensmittel und medizinische Versorgung sicher zu stellen, aber auch eine 24-Stunden-Betreuung durch pädagogische Fachkräfte.

Ab dem ersten Tag besteht für jeden Jugendlichen das Angebot am internen Deutschunterricht teilzunehmen. Die Pädagogen gestalten mit den Jugendlichen den Alltag: Sie organisieren Freizeitangebote, unterstützen die Jugendlichen beim Einkaufen und Kochen, helfen bei den Hausaufgaben.

Nachts kommt die Angst zurück
Vor allem nachts bedarf es einer fachlichen Betreuung der Jugendlichen. Aufgrund der Erlebnisse im Heimatland wie Krieg und Verfolgung oder der Erlebnisse während der Flucht sind viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge traumatisiert. Sie leiden unter Schlafstörungen, Angstzuständen und Albträumen – hier ist die Fürsorge und Begleitung von verlässlichen, erwachsenen Bezugspersonen gefragt.

Nachdem durch das Fachpersonal ein pädagogischer Bedarf ermittelt wurde, die ersten gesundheitlichen Abklärungen gelaufen sind und gegebenenfalls eine aufenthaltsrechtliche Empfehlung gegeben wurde, werden durch das Jugendamt Nachfolgeeinrichtungen für die Jugendlichen gesucht. Dort sollen sie langfristig ein Zuhause finden und Perspektiven für ihre Zukunft erhalten.

Nachdem die Platznachfrage aufgrund der enormen Flüchtlingsströme sehr hoch ist, soll die Clearingstelle der Caritas-Don Bosco gGmbH im kommenden Jahr erweitert werden. Bereits für Februar sind zusätzliche Plätze geplant. Letztendlich sollen etwa 40 „Clearing-Plätze“ zur Verfügung gestellt werden.

Amin, 19 Jahre, aus Afghanistan
Als Amin zehn Jahre alt war, kam eine Gruppe vermummter Terroristen in das Haus seiner Eltern und verschleppten und ermordete den Vater, da dieser für die vorherige Regierung gearbeitet hatte. Seine Mutter flüchtete mit ihren sechs Kindern nach Pakistan. Dort verdiente die Familie ihr Geld mit dem Knüpfen von Teppichen; auch die Kinder arbeiteten mehrere Stunden am Tag. Der älteste Bruder kaufte sich ein Taxi und versuchte damit die Familie zu ernähren.

2011, als Amin 16 Jahre alt war, wurde der älteste Bruder auf offener Straße erschossen. Amin sollte als nun ältester Sohn der Familie nach Europa gehen, um in Sicherheit zu sein und von dort aus die Mutter und Geschwister finanziell zu unterstützen.

Mit dem Geld aus dem Verkauf des Taxis machte Amin sich auf die gefährliche Reise nach Deutschland. Er reiste illegal zu Fuß, mit kleinen Transportern, versteckt in LKWs oder unter Bussen viele Wochen durch den Iran über die Türkei bis nach Griechenland. Dort wurde er als illegaler Einwanderer von der Polizei aufgegriffen und ins Gefängnis gesteckt, bis er wieder frei kommen konnte um seine Reise fortzusetzen.

Amin fuhr dann mit einem alten, überladenen Boot von Griechenland nach Italien, ohne selbst schwimmen zu können. Mit dem Zug kam er bis an die Grenze nach Deutschland, wurde dort von der Bundespolizei aufgegriffen und wegen illegaler Einreise verhaftet. Amin legte über 6.600 Kilometer zurück und bezahlte den kompletten Familienbesitz an Schlepper, um seiner Familie und sich eine Zukunft zu geben.

In Deutschland blieb Amin sieben Monate in der Erstaufnahmestelle in München, bis er einen Jugendhilfeplatz bekommen konnte. Er lebte dort mit sieben anderen minderjährigen Jugendlichen unterschiedlicher Nationalitäten in einem Zimmer - insgesamt befanden sich zu diesem Zeitpunkt 140 Flüchtlinge unter 18 Jahren in einer Erstaufnahmestelle, die für 80 Personen ausgelegt ist. Um die endlosen Tage und schlaflosen Nächte zu füllen, versuchte Amin sich selbst Deutsch beizubringen. Jeder dritte Tag bestand daraus, sich für die Essenspakete anzustellen oder sich von 40 Euro monatlichem Taschengeld die lebensnotwendigen Dinge zu besorgen.

Häufig denkt er an seine Familie - es plagen ihn Gewissensbisse, weil er die Rolle des Versorgers für die Familie noch nicht ausfüllen kann und von dem wenigen Geld, das er in seiner Ausbildung verdient, kaum für die allernotwendigsten Kosten wie Miete, Lebensmittel und medizinische Versorgung aufkommen kann. Dennoch sagt Amin über Deutschland: „Ich würde hier gerne für immer leben. Hier gibt es Freiheit, Zukunft und Bildung für alle.“
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