Hier wächst Würzburgs Urwald von Morgen

Kommunalreferent Wolfgang Kleiner präsentiert einen: "Methusalem-Baum": Diese Bäume dürfen im Stadtwald uralt werden, genießen einen besonderen Schutz.
Würzburg Es gibt „Biotopbäume“ und „Totholz“, „Methusalem-Bäume“ und nun kommen noch „Altholzinseln“ dazu. Die ersteren sind ökologisch besonders wertvoll. Totholz, stehende abgestorbene oder liegende Bäume, bieten beispielsweise Insekten wie dem Hirschkäfer, Nahrung. Methusalem-Bäume dürfen uralt werden und sollen künftigen Generationen zeigen, was ein gesunder Wald auf die Beine stellen kann. Altholzinseln sind Altholzbäume, die quasi als Inseln erhalten bleiben sollen und damit „Bewohnern“ bessere Chancen als am Einzelbaum zu geben. Die Rede ist vom Würzburger Stadtwald.

Kommunalreferent Wolfgang Kleiner, zuständig für den Stadtwald, hat im Mai dem Stadtrat vorgeschlagen, Altholzinseln einzurichten. Exemplarisch lässt sich daran das Motto Würzburger Waldbewirtschaftungspolitik aufzeigen: Mit der Einrichtung von einem Dutzend solcher Altholzinseln fällt die dafür vorgesehene aus der Fläche aus der wirtschaftlichen Verwertung heraus. „Wir nehmen dafür einen Ernteverzicht in Kauf, verkaufen für etwa 17.000 Euro weniger Holz“. Alles in allem nimmt die Stadt aus der ökonomischen Nutzung des Waldes nach Mitteilung des Referenten rund 200.000 Euro ein – die Ausgaben für die nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung des Stadtwaldes betragen 300.000 Euro.

Stadtwaldfläche von rund 800 Fußballfeldern
Insgesamt beläuft sich der Einnahmeausfall durch die Waldnaturschutzmaßnahmen nach Würzburger Modell auf derzeit 41.000 Euro. Wolfgang Kleiner weiß es zu schätzen, dass der Stadtrat diese Art der Waldbewirtschaftung unterstützt. Von den rund 1000 Hektar Stadtwald liegen knapp 600 Hektar - eine Fläche von etwa 800 Fußballfeldern - im Irtenberger Forst und im Guttenberger Wald. Dieser Teil ist eingebettet in ein „Schutzgebietsnetzwerk“, das den europaweiten Auftrag hat, die „Biodiversität in Buchen- und Eichenwäldern auf der Fränkischen Platte“ zu erhalten. Weltweit soll dieses Programm „mit laubbaumreicher Verjüngung und stufigen Waldstrukturen den Artenschwund stoppen.

Motto: Gewinn durch Verzicht
Die Stadt schließt damit beispielsweise Kahlschläge zur Holzgewinnung aus, fördert stattdessen ein Nebeneinander von verschiedenen Baumarten, „dicken, dünnen, alten und jungen Bäumen in Verbindung mit Waldbiotopen, Tümpeln und Biotopbäumen, einen Waldnachwuchs aus natürlicher Ansamung von Mutterbäumen und einer Anreicherung mit seltenen Baumarten, ohne den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden“, umreißt Wolfgang Kleiner anschaulich die Zielsetzung. 2011 sei im Rahmen des internationalen Jahr des Waldes das Konzept, „die Erholungsfunktion des Waldes und den Waldnaturschutz gleichberechtigt zu stellen neben die ökonomisch Nutzung des Holzes“ als „vorbildlicher Kommunalwald gewürdigt worden“ nach dem Motto: „Gewinn durch Verzicht“.

Holzeinschlag: Nicht mehr als pro Jahr zuwächst
Andererseits weist der Referenten darauf hin, dass „für einen gesunden Wald mit einer gesunden Mischung von jungen und alten Bäumen der Nachwuchs junger Bäume gefördert werden muss“. Der auch dafür notwendige Holzeinschlag müsse allerdings „umsichtig und mit der richtigen Wahl der technischen Möglichkeiten“ durchgeführt werden – „wenn es nicht anders geht, nehmen wir auch einmal ein Pferd, um einen Baum herauszuziehen“. Der Grundsatz beim Holzeinschlag müsse heißen, „ich ernte, was im Jahr im Wald zuwächst – ernte ich mehr, bleibt mein Wald nicht erhalten“.

Überhaupt nicht bewirtschaftet wird ein anderes Stück aus dem Stadtwald. Aus der städtischen Waldabteilung Reichenberger Grund wurde zusammen mit einem angrenzenden Stück aus dem Staatswald ein Naturwaldreservat ausgewiesen. Mit einer Größe von etwas über 70 Hektar sei das bereits 1999 beschlossene Projekt „das erste genügend große Naturwaldreservat in Bayern gewesen, das gemeinsam von Staatswald und Kommunalwald in einem so typischen Gebiet wie auf der Fränkischen Platte geschaffen wurde: „So entsteht vor Würzburgs Toren der Urwald von Morgen“. ser
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