Herzschmerz eines Brasilianers: Warum sich Mateus Adolfi nicht über die WM freuen kann

Mateus Adolfi in einem Aquariumsraum des Biozentrums. An Medaka-Fischen forscht der Doktorand über die Art der Geschlechtsbestimmung. (Foto: Robert Emmerich)

Mateus Adolfi kommt aus Brasilien und macht seine Doktorarbeit im Biozentrum. Der 27-Jährige liebt Fußball und sein Land – aber auf die Fußball-WM kann er sich trotzdem nicht freuen.

Seine Heimat ist die 20-Millionen-Metropole São Paulo, das wichtigste Wirtschafts- und Kulturzentrum Brasiliens. Dort ist Mateus Adolfi mit fünf Geschwistern in einer Mittelschichtfamilie aufgewachsen, dort hat er Biologie bis zum Master studiert.

Fußball ist für Mateus – wie für die meisten seiner Landsleute – eine Herzensangelegenheit. „Ich habe immer hobbymäßig gespielt“, sagt er, „ganz einfach auf der Straße. Man braucht so wenig für Fußball: Nur ein paar Schuhe, um das Tor zu markieren, und viele Socken, aus denen man sich einen Ball macht.“

Samba-Klischees passen nicht
Seit Anfang 2012 ist der Brasilianer als Doktorand am Biozentrum der Uni Würzburg. Hier spielt er weiterhin regelmäßig Fußball; auch beim Hochschulsport ist Mateus schon Richtung Tor gestürmt. Dort dachten die anderen zuerst, dass er als Brasilianer ein besonders raffinierter Spieler sei – doch Mateus musste sie enttäuschen: „Ich spiele nicht besonders gut“, sagt er und lacht.

Gängige Brasilien-Klischees erfüllt der 27-Jährige auch nicht mit seinem Musikgeschmack. Er ist kein glühender Fan von Samba und Bossa Nova, sondern mag am liebsten Hardrock, Power Metal und Progressive Metal.
Warum der junge Biologe nach Würzburg gekommen ist? In seiner Masterarbeit an der Universität São Paulo hat er sich mit seinem Lieblingsthema befasst, der Evolution von Fischen. Die meisten wissenschaftlichen Publikationen, die er zu seinem Thema fand, kamen aus Würzburg – aus der Arbeitsgruppe von Professor Manfred Schartl am Biozentrum.

Viel über Brasilien nachgedacht
Seit er in Würzburg ist, hat Mateus sich viel mit Brasilien beschäftigt. „Warum laufen manche Dinge in Deutschland so gut, die in seiner Heimat nicht funktionieren? Warum ist das brasilianische Gesundheitssystem nicht gut? Warum sind die staatlichen Schulen so schlecht?“ Und auch diese Frage hat ihn umgetrieben: „Was bringt die Fußball-WM meinem Land?

Eigentlich mag Mateus ja Sportturniere. Nachdem er aber viele Berichte über das Gebaren der brasilianischen Politik und des Weltfußballverbands Fifa gelesen hat, geht ihm jegliche Sympathie für diese WM ab: „Ich kann mich nicht mehr darauf freuen“, sagt er.

Damit steht er nicht alleine da: „Umfragen haben gezeigt, dass anfangs 80 Prozent der Brasilianer die WM wollten und dass es jetzt nur noch 49 Prozent sind. Denn viele Leute haben gemerkt, dass sie mehr verlieren als gewinnen“, sagt Mateus. Er selber ist aufgrund vieler Tatsachen zum Kritiker geworden: So regt es ihn zum Beispiel auf, dass der brasilianische Staat fast die gesamten Kosten der WM aus Steuergeld bezahlt, dass die Fifa aber die Gewinne komplett für sich einstreicht – prognostiziert sind mehr als drei Milliarden US-Dollar. „Und dafür muss die Fifa in Brasilien nicht einmal Steuern bezahlen!“
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