„Handlungskonzept Wohnen“ erstellt: Mehr kommunale Daseinsvorsorge

Auf dem ehemaligen Gelände der Abtei Münsterschwarzach zwischen Rottendorfer Straße, Friedrich-Ebert-Ring, St.-Benedikt-Straße und Dürerstraße wurde durch „Nachverdichtung“ neuer Wohnraum geschaffen. Hier entsteht zurzeit der Neubau einer Wohnanlage mit insgesamt 95 Wohnungen. (Foto: Volker Martin, Hausen)
Die Stadt Würzburg will sich wohnungspolitische Ziele geben und mittels einer „gesamtstädtischen Strategie kurz-, mittel- und langfristig die Versorgung aller Bevölkerungsgruppen mit bedarfsgerechtem Wohnraum sicherstellen.“ Hintergrund: Der Würzburger Wohnungsmarkt ist in allen Segmenten bereits seit einigen Jahren angespannt. Gerade Haushalte mit einem geringen Einkommen und mit zielgruppenspezifischen Bedürfnissen haben zunehmend Schwierigkeiten, adäquaten Wohnraum im Würzburger Stadtgebiet zu finden.“ So steht es in einem „Handlungskonzept Wohnen“, das der Stadtrat jüngst beraten hat.

Diese Situation werde sich durch die für Würzburg positiv prognostizierte Bevölkerungsentwicklung, den Trend zur weiteren Singularisierung von Haushalten, den weiteren Zuzug von Studierenden und aktuell von Zuwanderern aus Krisengebieten massiv verstärken, wenn nicht zeitnah in allen Wohnungsmarktsegmenten, vor allem aber im Sozialen Wohnungsbau und im preiswerten freifinanzierten Segment, neuer Wohnraum geschaffen werde, heißt es in der beschlossenen Beschlussvorlage für den Stadtrat.

Das „Handlungskonzept Wohnen“ wurde seit März 2014 im Auftrag der Stadt von einem einschlägigen Hamburger Büro erstellt. Neben der Untersuchung und Analyse der Rahmenbedingungen des Würzburger Wohnungsmarkts, der Erfassung des Wohnungsbestandes und Wohnungsangebotes, ermittelte das Büro auf Grundlage statistischer Daten die Wohnungsnachfrage sowie die Wohnungsmarktprognose und -bilanz für Würzburg bis zum Jahr 2030. In dieser Wohnungsmarktbilanz wird ausgehend von zwei Szenarien der Bevölkerungsentwicklung auch der Bedarf an Flächen für den Wohnungsbau im Stadtgebiet abgeschätzt und beziffert.

Parallel wurde die Erarbeitung des Handlungskonzepts Wohnen durch einen „Lenkungskreis Wohnen“ mit Vertretern verschiedener Dienststellen der Verwaltung, der Stadtbau Würzburg GmbH sowie den Vorständen der Würzburger Wohnungsgesellschaften eng begleitet. Darüber hinaus fanden zwei Zukunftswerkstätten mit den Schwerpunktthemen „Familienwohnen“ und „strategische Entwicklungsziele“ mit politischen Vertretern der Stadtratsfraktionen sowie Experten aus der Wohnungswirtschaft und der ARGE Familien sowie zu dem Thema „Kooperation im Stadt-Umland-Bereich“ mit den Bürgermeistern der Umlandgemeinden statt.

Wohnungspolitische Ziele wurden noch nicht formuliert. Dafür gibt es vier Leitzielen mit einer Vielzahl an Maßnahmeempfehlungen des Hamburger Büros, die im weiteren Prozess konkretisiert und priorisiert werden müssten, um daraus eine konkrete, zeitlich gestaffelte Handlungsstrategie abzuleiten. So heißt es in den Empfehlungen beispielsweise „die hohe Attraktivität Würzburgs als Wohn- und Arbeitsstandort soll für die weitere Wohnungsmarktentwicklung genutzt werden, um allen Bewohnern langfristig bedarfsgerechten Wohnraum mit vielseitigen Nutzungsansprüchen zu bieten und darüber hinaus auch Potenziale für neue Einwohner zu schaffen.“

Dabei könne sich die Stadt Würzburg zum Ziel setzen, zum einen die vorhandenen Innenentwicklungspotenziale (z.B. Baulücken, Umnutzungen, Ertüchtigung des Bestands / Ersatzneubau, Nachverdichtungen) und zum anderen Arrondierungsflächen im Außenbereich verstärkt zu aktivieren“, um auch kurz- bis mittelfristig dringend erforderlichen Wohnraum bereitstellen zu können, müssen bereits bestehende Siedlungsbereiche arrondiert und in einem verträglichen Maß erweitert werden. Die Aktivierung der Innenentwicklungspotenziale werde einen „langwierigen Prozess darstellen, der im intensiven Dialog mit den Eigentümern und der betroffenen Nachbarschaft geführt werden muss“.
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